i Literatur
Der Schmetterlingssammler. Systematische Beschreibung aller deutschen Schmetterlinge, nebst Anleitung zum Fang, zur Zucht und Aufbewahrung derselben. Bearbeitet von Dr. I. Schenckel, Lehrer am Gymnasium zu Wiesbaden. Mit 236 naturgetreuen kolo- rirten Abbildungen gezeichnet von PH. Klier. Mainz, Verlag von C. G. Kunze.
Dieses eben erschienene Werk eines nassauischen Naturforschers, welches in höchst übersichtlicher und anschaulicher Darstellung jenen .anziehendsten Theil der Insektenkunde abhandelt, wollen wir unsern Lesern bestens empfohlen haben.
Der Verfasser sagt in seinem Vorwort: Die vorliegende Arbeit behandelt außer dem allgemeinen einleitenden Theil über Insekten auch die Schmetterlings- Eier, die Raupen und Puppen und die Zucht, das Sam- ' mein und Aufbewahren derselben, die Fangwerkzeuge, Jnsektennadeln, das Todten und Ausspannen der Falter und die Einrichtung und Erhaltung einer Schmetterlingssammlung. Ueberdies sind mit Beibehaltung des Ochsen- Heimer'schen Systems — kleine Abweichungen ungerechnet — „sämmtliche deutsche Schm etter- linge" mit ihren Raupen und Puppen mehr oder weniger ausführlich besprochen, oder doch mindestens die Falter namentlich anfgeführt mit Angabe der Zeit und des Ortes ihrer Erscheinung. Bei der Beschreibung der einzelnen Gattungen und Arten bin ich theils meiner und Kliers Erfahrung und Beobachtung gefolgt, theils aber auch an der sichern Hand „Meigens," „Ochsen- Heimer-Treitschkes" und anderer Gewährsmänner der Schmetterlingskunde (Lepidopterologie) weiter gegangen.
Außer den bekannten Schmetterlingen sind namentlich auch die, deren Raupen der Land-und Forstwirthschaft schädlich sind, besonders berücksichtigt. Die Abbildungen auf den 32 Tafeln sind alle in natürlicher Größe und sowohl in Form als Farben mit größter Sorgfalt ausgeführt, wovon man sich auf den ersten flüchtigen Blick zur Genüge überzeugen kann. An Billigkeit im Preise und an gefälliger äußerer Aus- stattnng hält die Arbeit den Vergleich mit jeder andern ähnlichen Inhalts und Umfangs aus; auch dürfte sie nicht nur für Kinder und bloße Freunde der Schmctter- lingssammlungen geschrieben seyn, sondern auch für diejenigen, welche sich für die strengere Wissenschaft vorbereiten wollen.
Berges „Schmetterlingsbuch" kostet 10 fl. 48 kr., Schenckels „Sch metterlingssammler" 3 fl. 44 kr., es besteht also der kleine Preisunterschied von 7 fl. und 4 kr. Ueberdies ist Berges Tert lange nicht so zuverlässig ausgeführt und vollständig und sein System keines, was allgemein angenommen worden wäre. Hat auch Berge mehr Abbildungen, so bleiben dieselben doch in Richtigkeit der Form und des Kolorits bei weitem hinter denen Schenckels zurück. Die ganze Ausstattung ist vortrefflich ! —
Misz eilen.
Das Konst. Bl. a. B. enthält nachstehenden charakteristischen Zug aus dem Leben Kossuths. Derselbe hegte eine unüberwindliche Antipathie gegen Wien, als das Herz des Kaiserstaats, und war fast stolz darauf, nie in der Residenzstadt gewesen zu seyn. Als er auf jenem bekannten Preßburger Reichstag die geschriebene Landtagszeitung herausgab, die ihn ein paar Jahre Gefängniß kostete, benöthigte er eine lithographische Presse, und mußte, um das Kaufgeschäft abzuschließen und dieselbe herabzubringen, persönlich nach der Kaiserstadt reisen. Er richtete nun die Reise derart ein, daß er spät Abends dort eintraf und noch vor Morgendämmerung wieder aufbrach, so daß er wie früget sagen konnte, er habe Wien nicht gesehen.*) Als er Wien im vorigen Jahre wirklich besah, war er bereits ein allmächtiger Mann. Von einem anderen anekdotischen Zuge erzählt heute der „Soldatenfreund" : „Ein junges, schönes Mädchen aus Wien, Hermine Pschik, folgte ihrem Geliebten, einem Korporal vom Grenadierbataillon, Möller, nach Ungarn ins Feld, und trug den Soldaten, nnermüdlich und ohne Furcht, selbst in die heißesten Gefechte, Lebensmitteln und Erquickungen zu. In der Schlacht bei Pered waren drei schwer verwundete Kanoniere und Kuirassire liegen geblieben; Hermine Pschik trug diese Männer auf ihrem Rücken auf den Verbandplatz. Das heldenmüthige schöne Kind machte sonach siebenmal den weiten Weg durch den gefährlichsten Kugelregen. Hermine Pschik wurde im Armeebefehl belobt und erhielt ein Geschenk von 50 fl. K. M.
*) Die ganze Erzählung sieht wie erfunden aus. Erinnern wir uns recht, so war Kossuth damals nicht nur mehr als eine Nacht in Wien, sondern auch bei Hellem Tag beim „Fürsten Staatskanzler," so daß in Ungarn schon das Gerücht umlief, Kossuth sey von der Regierung gewonnen.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
Samstag den 1. Dezbr. Macbeth. Trauerspiel in 5 Akten. Für die deutsche Bühne eingerichtet von Schiller.
Sonntag den 2. Dezember. Preciosa. Melodrama in 4 I Akten von P. A. Wolf. Musik von C. M. v. Weber.
Druck und Verlag der L. Schellenberg schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
