tung. Ihr 'jBe stand sind 6000 Thaler. Jährlich wird eine Aufgabe gestellt und ein Preis von 200 Thalern für die gelungenste Bearbeitung ausgesetzt.
Nachdem die Preisvertheilung vorgenommen worden, machte Prediger JonaS auS den hinterlassenen Papieren Schleiermacher'S einige Mittheilungen über Zerwürfnisse des Verewigten als Redakteur des „Preußischen Korrespondenten", einer politischen Zeitung, mit der Zensur« behörve, dem Ministerium, ja dem Könige auS dem Jahr 1813. Die Vertheidigungsschriften Schleiermacher'S, seine kräftige und witzige Zurückweisung der bureaukratischen Nebergriffe erregten lebhafte Theilnahme. So hatte der Polizeipräsident ihn aufmerksam gemacht, wie eine Zeitung nicht der Ort wäre, sein Mißfallen über Regierungsmaßregeln zu äußern, und ihn auf die Paragraphen des LandrechtS verwiesen, wonach jedem Preußen zusteht, seine Beschwerden den Behörden und dem Könige zur Anzeige zu bringen, endlich ihn getadelt, verwarnt, bedroht. Schleiermacher antwortet, er hätte lieber gesehen, wenn der Polizeipräsident ihm einige andere Stellen des Landrechts angeführt hätte, so namentlich diejenigen, aus welchen die Zensurbehörde das Recht ableitet, Schriftsteller zu tadeln und zu bedrohen; sollten dergleichen gesetzliche Bestimmungen überall nicht vorhanden seyn, so mache er hiermit Gebrauch von den durch das Polizeipräsidium angeführten Gesetzesstellen über die Beschwerdemitthei- lung! Besonders angeschuldigt war ein Artikel über den zu erwartenden Friedenskongreß und Frieden. Es gab auch damals „Patrioten", welche den Frieden um jeden Preis wollten.
Schleiermacher ist der Ansicht, welche im März 1848 Gervinus vertrat, daß Deutschland einen Krieg bedarf, um zur staatlichen Organisation zu gelangen. Was einen Frieden um jeden Preis betrifft, so tröstet Schleiermacher die Freunde der Nationalehre; ein solcher Friede, welcher die Zwecke, derentwegen Krieg geführt ist, nicht erreicht, ist nur vorläufig; der Krieg muß auf's Neue entbrennen, indem ein Staat wie Preußen nur die Wahl hat, seine Zwecke (damals Deutschlands Unabhängigkeit) zu erreichen oder in ihrer Verfolgung unterzugehen. Guter Trost für Schleswig-Holstein! Der Brief Friedrich Wilhelm IV. vom 24. März v. I. wird in Erfüllung gehen. Das ist die Natur dieses jugendlichen Staates, die Schleiermacher ganz begriff.
Ein anderer Redner sprach von dem erst 1849 erschienenen Werke von Schleiermacher über die Erziehung. Unbeachtet sey ein Werk geblieben, welches für jede Nation, der solches geboten wird, ein Ereigniß wäre. Schleiermacher ordnet in seinem System unter den Begriff der Ethik neben die Politik die Pädagogik. Die Politik behandelt die fortschreitende Entwickelung des
mündigen, handelnden Geschlechts; die Pädagogik dagegen das Einwirken der ältern Generation in Leben und Lehre auf die jüngere, lernende, nachwachsende. Der tiefere Grund politischer Derderbniß liegt in der Mangelhaftigkeit dieser Einwirkung. Aber die Mang lhaftigkeit selbst ist nicht zu heben ohne ihre innere Organisation. Staat, Kirche, Wissenschaft, Geselligkeit müssen ihre For, men finden, welche dem Inhalt entsprechen, sonst kann von ihnen aus unmöglich auf daS nachwachsende Geschlecht der Einfluß einer rechtsittlichen Erziehung geübt werden.
Literatur.
DaS Leben des Mi n isters, Freiherrn vom Stein, von G. H. Per z. Erster Band 1757 — 1808. Ein lange erwartetes, lange vorderem les Werk wird dem deutschen Volke in einem Augenblicke übergeben, in wel, chem der Drang der Ereignisse zu einem Rückblicke in die Geschichte Zeit läßt, und wo zugleich daS Bild des Mannes, welcher die Wiedergeburt des preußischen Staates zu einer freien bürgerlichen Ordnung begründet, und zugleich den Weg zur Wiedergeburt Deutschlands durch engeren Zusammenschluß seiner Bestandtheile bezeichnet hat, anregend und stärkend wirken muß. Das Bild dieses außerordentlichen Staatsmannes erhalten wir hier von treuer und geschickter Hand gezeichnet, von G. H. Pertz, der mit Stein bei seinen Lebzeiten in persönlichem Verkehr gestanden hat und von den nachgebliebenen beiden Töchtern desselben mit den erforderlichen Materialien zu diesem Werke versehen worden ist. DaS Buch ist somit auf ein umfassendes Quellenstudium begründet und eine wohlgereifte Frucht des ausdauerndsten geübtesten deutschen Fleißes, welcher um so mehr Anerkennung verdient, als er bei der jungen Generation seltener werden wird. Der erste mit Stein's Bildniß geschmückte Theil liegt vor uns. Er behandelt einen Abschnitt aus Steins Leben, über den wir bis jetzt am wenigsten authentischen Aufschluß haben, nämlich seine Wirksamkeit als Beamter im Bergwesen, als Diplomat, zur Zeit des FürstenbundeZ, als Oberpräsident in Westphalen und als Minister des Steuerwesens, unter Friedrich Wilhelm lii. In letzterer I Beziehung sehen wir ihn hier mit Muth und Einsicht der damaligen trautrißen Kabinetsregierung entgegentreten, und Vorschläge zu einer zeitgemäßeren Verwaltung der Staatsangelegenheiten machen. Es wird uns hier gezeigt, wie Stein mit Aufopferung seiner Stelle und der j Gunst seines Fürsten dem Drange seiner Vaterlandsliebe < gehorchte; wir lesen hier die merkwürdigen, aus seine Entlassung 1807 bezüglichen Dokumente, und erhalten dadurch
