Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Alldem. Zeitung.
1849. — M 878.
111. Drickes in der Fremde.
Altkölnijches Etücklein.
(sortsetzunz)
Zn Hispanien bin ich fteilich nie gewesen, unterbrach ker Niederdeutsche seinen hochdeutschen Gesellen; üter uöt nicht so weit umhergefahren in der Welt, n e Tu, dtunoch weiß ich ungefähr, wie's zu Salamanca ausfit i l. Tie alle Stakt der Bekrönen ist auf dem ganzen Erdkreise berühmt durch ihre stattlichen Gebäude, ihre kühlen Brunnen, ihre regelmäßig umbauten Plätze, ihre H len und Lauben. Vor allen Merkwürdigkeiten von S - .4 preis t ter Schüler das Gebäude der »große:! St ulen" .mit dem geräumigen Hof, umgeben von her e, wten Bogengängen, auf welche die Hörfäle münden. . .
Qualbert unterbrach nun seinerseits den Andern. W:r iwei, Gonsalvo und ich, kennen ja überflüssig diese H r: Tk i.en, faßte er, und brauchen sie uns nicht be- wncn. Mit dem Hofe, den Sälen, den Boj n i>en, den Wankelbahnen, der Bücherei und der K<! è an Hause der großen Schulen war auch unser Henricus hinlänglich vertraut; er verließ sie so wenig, el? ei e Schnecke ihr Gehäuse. An den höchsten Fest« < en . r folgte er uns nicht in Wald und Flur, sondern blieb die meiste Zeit in der Kirche und brachte die übrige . ße mit Lesung gottseliger Bücher zu. Viele T< meinten, er welle ein Mönch werden, wiewohl er bisher noch keinen von den acht Doktoren der hoch« hei. ü Wissenschaft besucht, sondern sich ausschließlich m : den freun Künsten beschäftigt hatte. Er war Bac« câlmeuâ gen orten und gedachte die Würde eines gue.uiaten zu nehmen, als die Tage kamen, von welchen ich eigentlich erzählen will. An einem schönen Morgen n mlich war in allen Bursen, in allen Hörsâlen und wo
sonst die Schüler zusammcntrasen, von nichts die Rede mehr, als von einer fremden schönen Frau vornehmen Standes, die mit ihrem Rcnegefolqe im Kreuz von Tolosa daS Einlager genommen. Offenbar gefiel ihr die Stadt; feit einer Woche ritt oder ging sie durch alle Straßen, suchte jede Kirche heim und begegnete keinem Schüler, ohne ihm starr ins Gesicht zu sehen, doch nicht etwa freundlich, sondern so stolz und spröde, daß Keiner sie anzureben wagte. Den Armseligen indessen reichte der nachfolgende Diener jedes Mal eine Verehrung dar, auch wenn sie nicht darum baten. Zudem erfuhren wir von Burschen, welche von da oder dort her des Weges gekommen, daß die schöne Frau in den letzten Jahren auf vielen hohen Schulen in derselben Weise gesehen worden. Da waren ihrer, welche von Angers, Avignon, Orleans, von Pavia und Bologna, von Köln, Basel, Freiburg, Heidelberg und andern Orten dasselbe zu berichten wußten; überall hatte sie sich ein paar Wochen lang aufgehalten, und war darauf, wie sie unversehens gekommen, eben so spurlos verschwunden. Einige wollten sie auch früherhin unter den schönen Edelfrauen in Paris bemerkt haben.
Qualbert wollte in seiner Erzählung fortfahren, doch stockte ihm das Wort im Halse. Von Sankt Paulus her bogen um die Ecke in raschem Trabe mehrere Rosse, deren eines eine Frau von feinem und vornehmen Aussehen trug. Gar zu jung war sie nicht, koch immerhin ganz hübsch von Zügen und von wohlerhaltener schlanker Gestalt. Die Schüler hatten kaum Zeit, sich aufzurichten, und die Hüte abzuziehen. Den Gruß erwiederte im raschen Vorüberreiten die Edelfrau mit leichtem Kopfnicken und einer der Begleiter durch einen Silberling. Die unverhoffte Spende war so reichlich, als sie gewiß zu guter Stunde kam; wie geschah es also nur, daß die durstige Armuth ihrer kaum achtete? Dadurch, daß der
