Werkes noch die, scher Stücke, darunter das neueste
schandbaren Verwüstung des großes Korrektur des Zensors hörte, welche lautete: „es lebe die Zufriedenheit." Großer Gott, welche Verheerung hat die österreichische Staatszensur in unserer klassischen Dramatik angerichtet. Hauptsächlich hatte man es auf Goethe abgesehen, der, obgleich er sonst von Oesterreich und Wien so gut wie keine Notiz nahm, sich doch nicht eines Distichons enthalten konnte, worin er etwa sagt: „Oesterreich hat mich wenig beachtet, aber seine Zensur hat durch Verbote meine Worte bekränzt." Wie wurde der Berlichingen beschnitten und gereinigt, vor Allem aber, wie wurde Faust zugerichtet. Ich habe so ein altes Zensureremplar gesehen. Es war ein Anblick, der jedem ehrlichen Deutschen die Schamröthe auf die Wange trei- ben mußte. Und eine solche Verstümmelung wurde von den „ersten Mimen Deutschlands" aufgeführt und die Bretter der Burg hießen der „klassische Boden der deut- | schen Schauspielkunst."
Wenn die Burg überhaupt der freieren Entfaltung. des vorigen Jahres nur nothgedrungen und karg nach- ' gab, und um der Verlegenheit zu entgehen, vorzog, auf mehrere Monate ihre Pforten ganz zu schließen, so ist sie jetzt mit vollen Segeln der Reaktion wieder in den alten Hafen des Schlendrians und der Abgeschlossenheit zurückgelaufen. Tell, Räuber, Egmont, Faust und andere , Freigeister sind wieder unter Schloß nnd Riegel gelegt, 6 würde man sie aber geben, so wollte ich jede Wette; bieten, daß die verfänglichen Stellen weggelassen würden. ; Wenn es wahr ist, daß Hr. Laube Aussichten auf die Stelle eines Dramaturgen hat, so wünschen wir ihm die Energie und Ausdauer, um an dieser Kunstanstalt die Reformen durchzusetzcn, woran bis jetzt alle seine, Vorgänger, die bei ihrem Amtsantritt die schönsten Hoff- - nungen erregten, gescheitert sind. Es ist durchaus Un- , recht, alle Schuld auf den damaligen Direktor Hrn. v. , Holbein zu wälzen. Man muß wissen, wie sehr ihm die Hände gebunden sind und in welcher Abhängigkeit er von den Hvfschranzen steht, welche ihn bei irgend einem modernen Stück von politischer oder sozialer Tendenz, mit Einreden, Bedenken und Vorwürfen überhäufen und ihn an die Rücksichten seiner Stellung und die schwarzgelbe Livree, die er trägt, erinnern. Besonders soll der Adjutant des Kaisers, Graf Grünne, Aristokrat und Hofmann vom reinsten Wasser sich mehr, als gut ist, um das Repertoir der Burg bekümmern. Ihm verdanken wir wohl die häufige Wiederholung des Hotel de Wiburg, des Räuschchen, Epigramm und anderer antediluviani- schen Erzeugnisse der deutschen Dramatik. Ihm wohl auch die Zurückweisung allzu liberaler und vaterländi-
Franz von Seckingen."
Werk Bauernselds (Forts, folgt.)
Miszellen.
Papier aus Baumwoll-Abfällen. Von dem Abfall und Kehrichte der Baumwollspinnereien (Cotton" waste) wird weder in Frankreich noch in Deutschland eine Benutzung gemacht, wie in den schönen Papierfabriken von Manchester. Mehr als 300 Holländer und 50 Maschinen arbeiten Tag und Nacht auf Papier aus Baumwollen-Absall; er wird so gereinigt, daß er zu Zeitungspapier und ähnlichen Sorten vollkommen geeignet ist. Das Papier mehrerer der größten englischen Journale besteht zu 9/io aus Cotton waste und zu Vio aus Abfällen der Leinenspinnerei. In Frankreich würde sich besonders der Elsaß, in Deutschland die Umgegend von Wien und Chemnitz dazu eignen, Papierfabriken für den Verbrauch dieses Materials einzurichten.
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Wie lebhaft die Theilnahme der Engländer an unserer Literatur ist, geht daraus hervor, daß eine einzige Wochennummer desAthenaeum (Zahl 1149) folgende Uebersetzungen aus dem Deutschen anzeigt: Schillers philosophische und ästhetische Schriften und Briefe, übersetzt von I. Weiß; G. G. Gervinus: die Mission der Deutschkatholiken; Ulriki's: Shakespeares dramatische Kunst; Klemens Brentano's Geschichte vom braven Kaspar und dem schönen Annerl; Meinhold's Bernsteinhere; Friedrich Schlegel's Geschichte der neuern Literatur; Wilh. v. Humboldt's Briefe an eine Freundin, 2 Bände , übersetzt von.Katharina Kowper; Niebuhrs Vorlesungen über römische Geschichte, Her- ausgegebcn von Prof. Schmitz; Beckers Gallus und dessen Charikles, beide übersetzt von Metcalfe; Alerander v. Humboldt's Ansichten der Natur, übersetzt von Mrs. Sabine; Schleiden (in Jena) das Leben der Pflanze; Liebig und Kopp, Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie und der verwandten Wissenschaften für 1847 und 1848; Liebigs Agrikulturchemie und dessen Thierchemie; Plattner's (in Freiberg) Abhandlung über das Löthrohr; Joh. Müller's (in Berlin) Physiologie der Generation und Embryologie; Mohr's (in Koblenz) praktische Pharmacie, übersetzt von Redwood. Außerdem erschien ein Werk von Gostick über deutsche Literatur und mehrere deutsche Grammatiken und Wörterbücher.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
Samstag 17. Nov. Die Favoritin. Heroische Oper in 4 Akten. Musik von Donizetti.
Sonntag den 18. Nov. Deborah. Bolksschauspiel in 4 Akten von Mosenthal.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
