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der Insel Schouwen, ein tüchtiges Gebirge, so hätten sich gewiß die nördlichen Niederländer, die Bataver, hinter diesem Gebirge gehalten, und die südlichen Niederländer, die Flamingcn, hätten ihre Scheldemündung bis ans Meer bevölkert und beherrscht. Statt dessen, ist aber nun hier ein Archipelagus von Inseln, die, alle ganz flach, sich sämmtlich unter einander sehr ähnlich sind, und an deren Küsten die Gewässer der Schelde, der Maas, des Rheins und des Meeres sich der Art miteinander mischen, daß man zuweilen kaum erkennen kann, was dem einen oder dem andern angehört.

Die nördlichen Niederländer oder Bataver, waren von Haus auS ein Jnselvolk, während die Flamingen mehr binnenwärts saßen. Jene bewohnten schon die Inseln und Halbinseln von Nord- und Süd-Holland und die vielen Inseln an der Rhein- und Maasmündung. Bei ihnen war bas Schiffer, und Fischerleben der In­sulaner vorzugsweise entwickelt. Was Wunder, daß sie auch noch die Schelde Inseln, die den ihrigen so benach­bart und mit ihnen vermischt waren, als einen Theil ihres ganzen Insel-Archipels zu betrachten, sich gewöhn­ten, und daß sie eine ihnen verwandte Bevölkerung über diese Inseln hinausschoben?

Wir sehen daher alle diese Inseln, die wir zusammen unter dem Namen Seeland befassen, zu allen Zeiten der Geschichte und so auch noch jetzt von Niederdeutschen be­wohnt , welche leibliche Brüder der Holländer find, und sich ebenso wie diese von den Flamingen unterscheiden. Und ebenso, sehen wir diese Seeländer, diese „Zeuws" wie die Niederländer sie nennen, bei allen politischen Be­wegungen mehr den holländischen Brüdern folgen, während die mehr binnenländischen Flamingen von den Wallonen sich hinreißen ließen. Mit den Holländern fallen die ZeuwS vom Katholicismus und von der spanischen Herr­schaft ab, sowie sie mit ihnen dem König Wilhelm treu bleiben. Mit den Wallonen dagegen bleiben die Fla­mingen bei Spanien und Rom, sowie sie sich mit ihnen von König Wilhelm in neuerer Zeit trennten.

War daS Zusammenhalten aller Insulaner des Rhein-, Maas», und Schelde-Archipels vom Borgebirge De Helder im Norden bis nach Kadzand im Süden na, türlich, daß die flämischen Schelde-Anwohner einen Theil dieses Archipels, der hauptsächlich, als das Zubehör oder Produkt ihrer kleinen Schelde betrachtet werden konnte, für sich in Anspruch zu nehmen trachteten, und aus dieser Verschmelzung und Verwirrung der Naturverhält­nisse entstanden denn auch zu allen Zeiten politische Wirren und Reibungen. Wie Napoleon, wie Joseph II im Namen Belgiens die Freiheit und Oeffnung der Scheldemündung verlangten, ja sogar auch Seeland als ein natürliches und daher auch politisches Zubehör von

Flamland erklärten, so hatten schon vor ihnen die Grafen von Flandern, die Herzoge von Burgund ähnliches ge­than. Daher denn die vielen Kriege und Streitigkeiten, welche zwischen den Römern und Batavern, den Grafen von Flandern und denen von Seeland und Holland, zwischen den spanischen und österreichischen Beherrschern von Belgien und der Republik der sieben Staaten um den Besitz der seeländischen Inseln und um die Oeffnung der Schelde geführt wurden. Daher zu Zeiten selbst eine gewisse Hinneignug der Schelde-Inseln Walchern und Beveland zum Süden, zu ihren Scheldegenoffen. (Die Bürgerschaften einiger seeländischen Städte haben sogar zuweilen mit den Spaniern gegen die Holländer ge, kämpft.) (Forts, folgt.)

Die Wiener Tbeater.

(Fortsetzung.)

Während fast in allen Ländern die Revolution des vorigen Jahrs sehr nachtheilige Folgen auf die Theater äußerle, so daß wohl alle ansehnliche Defizits in ihrem Budget erfuhren und nicht wenige totalen Bankerott machten, während besonders in Paris, wo doch auch eine große, wenn auch etwas andere Schaulust als hier zu Hause ist, die Direktion genöthigt war, bei der Natio­nalversammlung selbst um Unterstützung aus den Staats­kassen nachzusuchen, that in Wien die Umwälzung gerade die entgegengesetzte Wirkung. Die Theater waren zu keiner Zeit voller, als in den Revolutionsmonaten, denn wie vor so vielen andern Thüren, so waren auch an dem Musentempel die Ketten und Schlösser gefallen. Eine lange Reise zum ewigen Kerker verdammter Personen stieg aus der Grabesnacht an das Tageslicht hervor. Tell, die Räuber, Götz von Berlichinqen, Isidor und Olga, Tartüffe, die Karlsschüler und viele andre Werke unserer modernen Dramatiker, ja sogar der lange Israel, Dr. Wespe u. s. w. machten theils ihre erste Bekannt­schaft mit dem Wiener Publikum, theils erschienen sie ohne Lücken und Entstellungen in ihrer wirklichen leib­haftigen Gestalt. Auch in der Oper wurde die Welt­geschichte endlich in ihr Recht eingesetzt. In Aubers Maskenball durste ein König erschossen und in den Huge- notten die Bartholomäusnacht dargestellt werden. Auch Leporello konnte von jetzt an im ersten Finale des Don Juan singen, „die Freiheit lebe hoch," während es sonst heißen mußte: „die Schönheit lebe hoch." Ebenso brach- i len jetzt die braven Bürger von Brüssel, als sie ihren I Helden begrüßten, der politischen und nationalen Freiheit ■ den Jubelruf, während ich selbst vor 7 Jahren in einer