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letzten entscheidenden Streichen an. Die Zuschauer sitzen wie gebannt auf ihren Platzen.

Jetzt fällt Wunde auf Wunde, aber im Kampfe selbst tritt keine Unterbrechung ein, bis Abel Anthony durch einen gewichtigen Hieb seines Gegners Arm halb abschnei­det. Flugs nimmt Wilson sein Bowiemesser in die linke Hand und läuft auf einen Augenblick mehrere Schritte rückwärts. Es schien, als wolle er jeden weitern Kampf vermeiden. Dann blieb er stehen, lächelte entsetzlicher als je und stürzte wieder vor. Gerade in dieser entscheiden­den Sekunde beging Anthony die Unvorsichtigkeit, sein Messer nach der Brust des Andern zu werfen. Aber die blutige Waffe verfehlte ihr Ziel und fiel etwa zwanzig Fuß entfernt mit klirrendem Geräusch auf den Boden.

Diese Uebereilung gab in dem gräßlichen Kampfe den Ausschlag. Jetzt war Anthony unbewaffnet und der Gnade und Barmherzigkeit eines Gegners preisgegeben, der von Gnade und Barmherzigkeit nichts wußte. Wilson sprang mit einem Schrei der Wuth und höllischer Freude auf Anthony zu, der unbeweglich da stand. Er war außer Stande, weiter zu kämpfen, aber fliehen mochte er nicht. Ein einziger Stoß schlitzte ihm den Unterleib auf; er fing die herausquellenden Eingeweide mit beiden Hän­den auf. Ein zweiter gegen den Hals gerichteter Stoß zerschnitt die große Hauptader; das Blut spritzte in rothem Strahle hervor und befleckte Gesicht und Kleider der zu­nächst sitzenden Volksvertreter.

Der letzte Akt des Dramas schloß, als der dunkle Vorhang des Todes auf die schreckliche Schaubühne fiel. Anthony sank in sich zusammen, ohne auch nur einen Seufzer herauszustöhnen , und Wilson, ohnmächtig vom Blutverluste, stürzte neben ihm nieder.

Im Sitzungssaale des Repräsentantenhauses zu Little Rock in Arkansas saßen an jenem Tage sechszig Gesetz­geber , in der Vorhalle standen mehr als hundert Zu­schauer , von der Gallerie blickten mehrere Gruppen schöner Damen herab. Aber bis zu diesem Augenblicke hatte sich, außer den beiden Todesmuthigen, kein Mensch gerührt; man hatte nur das Klirren der Messer gehört, sonst keinen Ton. Jetzt aber, als Abel Anthony wie ein Bleiklumpen schwer zu Boden fiel, brach von der Gallerie ein wilder, jammervoller, herzzerreißender Schrei hervor. Er kam aus der Brust eines Mädchens, das bald An- thony's Gattin hatte werden sollen. Und als auch Wilson sank, erschallte ein anderer Klageruf: „Ach Vater!"

Wilson ist wieder genesen nnv lebt noch heute. Sein verstümmelter Arm, die zahlreichen tiefen Narben auf Kopf und Stirn und im Gesichte, geben ein sprechendes Zeugniß dafür, daß er ein Desperado war. Das Re­präsentantenhaus stieß ihn aus seinen Reihen, ein „mit­

leidiger Richter setzte ihn gegen Bürgschaft auf freien Fuß." Er wurde vor Gericht gestellt und — frei ge­sprochen. Denn im Südwesten der Vereinigten Staaten haben bis heute die Geschwornen noch Niemanden ver, urtheilt, der im gleichen Kampfe einen Andern um­gebracht.

Wilson ging nach Teras. Dort weilt er im Schatten der immergrünen Lebenseichen und unter dem tiefen Azur eines ewig Hellen Himmels.

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Der Gewährsmann, dem wir Obiges nacherzählen, sah den Desperado vor etwa einem Jahre auf einem Dampfboot, das den Reb-River hinauffuhr. Wilson er­klärte, er habe niemals den geringsten Haß gegen An­thony gehegt. Aber als dieser die verhängnißvollen Worte gesprochen, habe ihn plötzlich eine unerklärliche Gewalt der Leidenschaftlichkeit fortgerissen, die ihn aller seiner Sinne beraubte. Er habe nicht mehr gewußt, was er gethan, und als das Klirren der Messer ihn wieder zu sich selbst gebracht, sey es zum Rückzüge zu spät gewesen. Er fügte hinzu: „Ich bin damals von der Zeitungspreffe vor den Augen der Welt gleichsam ge­kreuzigt worden. Jedes Blatt in Amerika, selbst euro­päische Zeitungen haben mich als einen Schurken und Gurgelabschneider geschildert. Weßhalb?

Weil ich mit gleichen Waffen und gleichem Vortheil oder Nachtheil gegen einen Andern kämpfte ! Ich bin kein Blutmensch. Und was ist denn Blut? Schreibt der Ge­schichtschreiber nicht mit blutiger Feder? Singt der Dichter nicht die Musik des rinnenden Todesblutes? Was ist denn der Stoff der großen Trauerspieldichter? Vergießen die Völker nicht im Kriege das Blut strom­weise und singen sie nicht in den Kirchen ein „Herr Gott Dich loben wir!" wenn sie blutige Schlachten ge­wonnen haben?

Das war die Moral des Desperado Wilson aus Arkansas. (Reichsztg.)

K R e i s e s k i z ; e n

Von Dr. Schirm

(Fortsetzung )

Im Hochgebirge der Schweiz erklimme man vor allen den Fibio, das Siedelhorn, sowie, wenn's Muth und Kraft erlauben, den Strahleckpaß, um so in's Herz des Berneroberlandes recht zu schauen und seiner Berge Züge zu entwirren, den Lauf der Thäler zu ver­folgen, sowie Zusammenhang und Wesen der wunderba­ren Gletscherwelt in nächster Nähe zu betrachten. Um I ferner sich ein treues Bild von dem Kolosse Montblanc