duld von Jahrhunderten spottet und dann im Nu die Herrlichkeit der Tagsgeschöpfe, der Einzelnen und der Millionen zerstört!
Seite 408: „Und doch, das Schauspiel, das jene (Lord Byron, Viktor Hugo ic.) auf die Bühne bringen, wollen es uns diese (Börne und seines Gleichen) nicht in der Wirklichkeit aufführen? Was schadet's, daß man Laster und Schandthaten für ein Schauspiel erdenkt! Aber erdenken, daß jede Regierung nichts, als das Bolkzu schinden suche, erdenken, daß jede Maßregel derselben eine Eingebung der Unterdrückungssucht, jeder überlegte Streich eine Bosheit, jedes unverkennbare Gute, das von ihr ausge ht, ei ne F uch slist, jeder gescheidte Streich eine Folge von Einfalt und Dummheit ist; erdenken, mit welchen Mitteln man die Fürsten verhaßt machen und anschwärzen kann, und mit Diesen er» dachten Dingen die Volkswuth aufreizen zu Blutgier und Mord, zu plötzlicher Rache an Sitten und Gebräuchen, die Jahrtausende heiligten, zur grausamen Eintreibung einer durchderAhnenF ehlerangewachsenen Schuld vondem unschuldigenEnkel zurVerläugnung aller Großmuth und LangmutH: dies ist das viel schmählichere Amt und Geschäft eines viel verab- scheuungswürdigern Menschen, als die grausen tragischen Erdichtungen eines unsinnigen tragischen Poeten."
Diese Charakteristik Börne's, und die Betrachtungen, welche G. in Beziehung auf die damaligen Zeitverhält- niffe daran knüpfte, könnten wohl Manchem übertrieben erscheinen; aber wenn man bedenkt, welche ungeheuern Einwirkungen die Briefe s. Z. machten, — wie sie unstreitig viel mit dazu beigetragen haben, daß Ertravaganzen und Ertreme in den neuesten Zeitereignissen eine so bedeutende Rolle spielen konnten: so wird man gestehen müssen, daß G. doch Recht hatte.
In der Charakterzeichnung Börne'S und seiner Zeit sind die radikalen Republikaner unserer Zeit vollkommen der Wahrheit getreu gezeichnet, und wird es daher unsern Lesern nicht schwer fallen, die Anwendung davon auf Personen und Zeitereignisse, wie solche das Jahr 1848 . bei Volksversammlungen, Landtagsverhandlungen und anderen Gelegenheiten hervorgebracht hat, selber zu machen.
Kossuth von einem Rabbi gesegnet.
Den Antheil, welchen die Juden an den Ereignissen Ungarns nahmen, war kein geringer. Wer das Vorur
theil zu bezwingen vermag, wird gestehen, daß in diesem orientalischen Volke ein sittlicher Fond liegt, der pures Gold aus den tiefsten Schachten zu Tage fördert, in die man es vergrub. Ausgeschlossen von allen bürgerlichen Rechten und von allen Nationen in gleicher Weise verfolgt und bedrückt, gab weder dieses leicht zur Vergeltung aufstachelnde Verhältniß, noch die Nationalität und die Religion der Juden den Ausschlag, welcher politischen Partei sie sich zuwenden sollen; nicht als Juden, sondern als Bewohner des Landes schlossen sie sich der Bewegung an, und daher findet man sie ebenso in den Reihen der „Rebellen" wie der „Oesterreichisch-Gesinnten", und zwar nicht zaghaft bei der Reserve, sondern im Vordertreffen, Leib und Leben, Gut und Blut für ihre Ansicht einsetzend. In dem Heere der Magyaren kämpften tausende Juden, darunter ein General und so viele invalid geschossene Gemeine; im Heere des Kaisers wurden Juden auf dem Schlachtfelds wegen ihrer Tapferkeit dekorirt, und eine Menge Offiziere dieses Glaubens avancirten zu sonst nie erreichten Graben. Daß sich bei andern Beschäftigungen die Juben in beiden Lagern betheiligten, wollen wir blos der Gewinnsucht zuschreiben. Allein als die oktroyirte Verfassung die volle Emanzipation der Juden aussprach, hätte man glauben sollen, daß sie die Reihen der Magyaren verlassen würden, um so mehr, da Kossuth und das Debrecziner Parlament noch immer die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten nicht zu beschließen wagten. Man proklamirte die Republik und hielt dennoch den konfessionellen Unterschied aufrecht; vielleicht eben deßhalb, um nicht durch einen zweiten antinationalen Beschluß das Land gegen sich aufzuregen. Dennoch hielten die Juden fest an der Partei der magyarischen Patrioten, und nicht allein die jungen verließen ihre Eltern und ihren Besitz, um in die Schlacht zu ziehen, wo die nebenstehenden Männer die weichlichen Soldaten oft höhnten, und dadurch zu unnützen Thaten aufstachelten, auch die alten und bedächtigen Israeliten erglühten in Liebe und Hingebung für das Land und seine heroischen Führer. Die Rabbiner und Prediger der Juden werden jetzt bestraft für diese Sympathien, gleich den katholischen Domherren und protestantischen Seelsorgern, und die berüchtigte Kontribution Haynaus, den Judengemeinden solidarisch auferlegt, ist eine Folge der den Juden insgesammt zu- gemutheten Anhänglichkeit an Kossuth und seine Bestrebung. Wollte Haynau die Sympathie bestrafen, so hatte er Recht, sie war bei der überwiegenden Mehrzahl der ungarischen Juden für die Ungarn» Wir wollen eine" Geschichte aus Kossuth's Kinderleben, aus authentischer Mittheilung, erzählen, die einen charakteristischen Beitrag zur Aufklärung jener Sympathie gibt, welche die alten und frommen Juden für diesen Agitator bis zur letzten
