* Zur nassauischen Landesgeschichte.
Die Archive der nassauischen Klöster.
Vom Archivdirektor Oberschulrath Dr. Friedemann in Jvstein.
(Schluß.)
3) Der zweite Sohn des Vorstehenden, Joh. Dan. riedr. Kremer (geb. 1764, gest. 1800 zu Trier), later des grvßh. Hess. Friedensrichters Kremer zu Worms, wtigte eine „Geschichte der älteren Herren von Meren« erg," mit Siegelzeichnungen und Urkunden, und wid- rete sie dem damaligen Erbprinzen Friedrich Wil- elm zu Nassau-Weilburg, dem Vater des verstorbenen Herzoges Wilhelm, so daß die Abfassung vor 1788 âllt. Das Ganze, reinlichst und druckfertig geschrieben md im Geiste deS Vaters vom Sohn gearbeitet, ist jetzt u Idstein vorhanden unter dem historischen Nachlasse ines sorgfältigen Forschers, deS ehemaligen Geh. Rathes NedicuS zu Weilburg, welchen das Herzogl. Staats, Ministerium ankaufte.
4) Was wir für Vorarbeiten und Sammlungen zur Ieschichte des deutschen Königes (Kaisers) Adolph v. Jiafsau (gest. 1298) zu Idstein, besitzen, die in neuerer Zeit von Böhmer und Geißel unbenutzt blieben, ist von mir in dem Aufsatze der Beiblätter zur Nass. Allg. Zeitung v. 1849. Nr. 86 ff. „zur Geschichte des deutschen Kaisers Adolph von Nassau" näher nachgewiesen worden.
5) Endlich besitzt Idstein jetzt alle einzelne größere und kleinere handschriftliche historische Arbeiten und Sammlungen für die nassauische Geschichte von den berühmten orauischen Forschern A. U. v. Erath, C. H. v. Rauschard, I. F. Eberhard, G. G. I. v. Meusebach u. A. Vergl. die Zeitschrift für die Archive Deutschland's I. 1. S. 37 ff. Da im Laufe dieses Jahres die obere Hälfte des Filial-Archiv-Gebâudes zu Dillenburg für die Einrichtung der neuen Schwurgerichte abgetreten werden mußte, so wurde auch ein Theil der dortigen Archivalien, und darunter die sämmtlichen Urkunden und älteren historischen Archiv-Akten mit ihren Repertorien, nach Idstein gebracht. So vereiniget daS Zentral-Archiv, nach seiner natürlichen Bestimmung, geordnet jetzt alles Material zur Bearbeitung der Lan- desgeschichte und ist im Stande, die Wünsche der Forscher, wie die Begehren der Behörden, sicher und unverweilt zu befriedigen.
Aber die Archive stehen nicht nur, als geschichtliche Rüstkammern, mit den Arbeiten und Zwecken des Vereines für nassauische Geschichtsforschung in unmittelbarer Berührung, sondern auch mit dem Vereine für bildende Kunst. Denn unsere große Reihe von wohlerhaltenen Original - Siegeln der
deutschen Kaiser, Fürsten und Dynasten, der Erzbischöfe und Bischöfe, der Klöster und Gemeinden, wovon auS der nächsten Umgebung oft noch die Stempel erhalten sind, liefert für Heraldik , Sphragistik und künstlerische Symbolik reiche Ausbeute.
Die neuesten Darstellungen der Porträts deutscher Könige und Kaiser, sowohl nach urkundlichen Quellen, als nach unhistorischen Phantasiern, hat Anlaß gegeben zu genauen Abbildungen der vorhandenen Porträt-Siegel in Stereotyp-Met al l, und es ist Hoffnung vorhanden zu einer vollen Folge dieser Siegel, sogar als mnemonisch-pädagogisches Hülfsmittel der Ver- sinnlichung beim Unterrichte der vaterländischen Geschichte in höheren und niederen Unterrichtsanstalten. Ich nehme Bezug auf meine zwei Aufsätze in der Zeitschrift für die Archive Deutschlands I. 1. S. 86 ff. 1. 3. S. 255 ff.
Was aber der Chemiker Röckl in München bisher leistete, hat der Stereotypiker Barrot zu Frankfurt a. M. gleichfalls begonnen. Ueber des deutschen Kaisers Adolph Bild und Wappen beziehe ich mich auf meinen Aufsatz in diesen Blättern von 1848. Nr. 184 ff. v. 19. Oktbr. Hr. Barrot hat jetzt dieses Kaiserbild in metallenem treuem Abgüsse des Siegels dargestellt, nur nach einem nicht ganz schön erhaltenem Eremplare zu Würzburg. Die schöneren und volleren Eremplare, welche wir zu Idstein besitzen, werden ihm bald Gelegenheit zu einer vollendeteren Darstellung liefern.
Außerdem habe ich in dem „zweiten Vortrage" S. 10. ff. auf das Epitaphien-Buch des Malers Dor- sen auS Alten-Weilnau vom Jahr 1632, welches zu Idstein sich befindet aufmerksam gemacht, worin alle damals noch vorhandenen, jetzt vielfach verkommenen, Grabdenkmäler von Personen des nassauischen Fürstenhauses durch gute Federzeichnungen treu darge- fiellt sind, und weitere Verbreitung durch Lithographie verdienen.
Von den Archiven der nassauischen Klöster ausgehend, ist dieser Aufsatz unwillkürlich auf alle verwandte Gegenstände ausgedehnt worden, da bei ihnen überall gleiche Grundbegehren Statt finden: Vereinigung der vorhandenen Arbeitskräfte zu geordneter gemeinsamer Thätigkeit, sowie Bewilligung und Vertheilung der Geldunterstützungen aus Staatsmitteln nach den wirklichen Leistungen und vorliegenden Zwecken jeder Anstalt und des dabei beschäftigten Personales.
Mußten Thatsachen und Zahlen, als unwidersprech- liche Beweismittel der Ueberzeugung, vorgebracht werden, so geschah es einfach und schmucklos, aber sachgetreu und sogar schonungsvoll, um allein das Gewicht der Wahrheit in die Wagschale des Urtheils fallen zu lassen. Wenn Heimlichkeit und Oeffentlichkeit sich naturwidrig
