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den Faden kurzweg ab. Bedächtigen Tones hob er zu reden an:

Was einmal geschehen, ist vorbei. Der Drickes bleibt ab und todt für immer. Du aber sollst eines ge­lehrten Mannes Hausfrau werden. So hab' ich mir's vorgesetzt, und ich denke, du kennst meinen eisernen Willen nicht erst von heute her. Uebrigens merke: Der kluge Schiffer segelt mit dem Winde. Des Buchdrubers Wind ist der Zeitgeist. Das Alte stürzt, ich halte mich darum aus Neue, an die Männer der Zukunft. Die fahren mit geschwellten Tüchern, und mit ihnen kann ich zu Reich­thum und Ehren kommen. Der tüchtigsten einer ist Hen­ricus Glareanus, darum hab' ich ihm Wort und Hand- schlag gegeben, und damit wird hoffentlich Alles gesagt seyn. ES lebe die neue Zeit!

Lena hatte schon eine Entgegnung bereit, doch sofort war Einer da, um statt ihrer das Wort zu nehmen. Wäh­rend Hennes zu sprechen begonnen, hatte sich die Stuben- thüre geöffnet und war ein altes Männlein hereingetre­ten, eisgrau, fast unheimlich anzuschauen um seiner Augen willen. Die gebrechlichen Glieder umhüllte eiu schwarzes Gewand von feinstem Niederländer Tuch. Eine Goldkette, offenbar zu schwer für den entnervten Hals und die mür­ben Schultern, drückte die ohnehin gebückte Gestalt noch tiefer nieder. Am runzelvollen Antlitz hing ein langer Bart in dünnen krausen Flocken, weiß und glänzend wie frischgefallener Schnee. Denselben Silberglanz trugen zu beiden Seiten der mächtig vorspringenden Geiernase die buschigen Brauen; darunter aber blitzte und funkelte, als ob Flammen aus Schnee sprühten, ein veilchenblaues Augenpaar, frisch und unverwüstlich wie die strahlenden Lichter in Lena's jugendlichem Gesicht. Die Ähnlichkeit der Augen kam nicht von Ungefähr. Der geisterhafte Greis war des Mägdleins mütterlicher Ahn, dergestrenge und veste" Herr Georg Pütz, ein so uralter Mann, daß die Leute schon seit den letzten Tagen des friedfertigen Kurfürsten Hermann IV. von ihm zu sagen pflegten: der Tod habe seiner vergessen.

Der Greis unterbrach des Buchdruckers Rede mit dem Ausruf: Fluch über deine schnöde Schwarzkunst!

Betroffen blickte Hennes um; der Ausdruck des Rufes hatte ihn mehr noch erschreckt, als der Inhalt selber; doch schnell gefaßt schob er einen Sessel herbei und entgegnete im ehrerbietigsten Tone: Gott zum Gruß, Vater Jörres. Ich heiße Euch willkommen im Hause Eurer Enkel, einen werthen Gast, der leider nur allzu selten erscheint.

Es ist an Euch, zu mir zu kommen, entgegnete Jörres, indem er sich niederließ: ich bin die Schnecke in meinem Hause. Dann habe ich noch zweierlei Gründe, welche

mir sowohl Euer Haus verleiden, als auch die Gegend, worinnen es steht.

O weh! seufzte Hennes in sich hinein, das alte Kind muß schon wieder einmal seinen Haspel abwinden. Der heilige Laurentius stärke meine Geduld. (Forts, folgt.)

Zur Geschichte des 19. März 1848 in Berlin.

Der bekannte R e l l st a b hat so ebenZwei Ge­spräche mit Friedrich Wilhelm IV." erscheinen lassen, von denen das letztere, welches auf den Morgen des 19. März v. I. fällt, einen nicht uninteressanten Beitrag zur Erkenntniß einer noch so wenig gekannten Zeit und einer so häufig verkannten Persönlichkeit liefert. Wir theilen daher den wesentlichen Inhalt desselben mit. In jener geschichtlichen Nacht hatte sich, wie in so vielen andern bürgerlichen Köpfen, in Rellstab der Gedanke ausgebildet, daß er zur Friedensstiftung berufen sey. Kaum graute daher der Morgen, als er sich mit einer von ihm entworfenen Proklamation und mit dem Plane, den König zu einem Umzüge durch die Stadt zu ver­mögen, auf den Weg nach dem Schlosse machte. Bei dem dasselbe besetzenden Militär stieß er nirgend auf Schwierigkeiten, sondern wurde vielmehr, sobald er seine vermittelnde Mission verkündet hatte, mit der größten Zuvorkommenheit ausgenommen und sehr bald zum Könige geführt. Er legte nun diesem seinen Plan und seine Proklamation vor. Der König hatte indeß selbst schon den Gedanken einer Versöhnung gehabt und konnte Rell­stab einen Abdruck seiner ProklamationAn meine lieben Berliner" mittheilen. Rellstab, der jetzt von der Richtig­keit der derselben zu Grunde liegenden Ansichten über, zeugt ist, war indeß damals zu sehr von der allgemeinen Stimmung infizirt, um nicht vonstarrem Erstaunen" ergriffen zu werden. Nachdem seine Erstarrung sich einigermaßen gelöst hatte, erklärte er dem Könige, daß diese Proklamation keinen guten Eindruck machen werde, namentlich nicht die Stelle, welche den Aufstand als durch lange vorbereiteten absichtlichen Verrath erregt darstelle. Darauf entgegnete der König im Wesentlichen Folgendes: Der ganze Ausstand, Sie dürfen überzeugt davon sein, war was man einen coup monté nennt. Es herrschte, wie Sie wissen, unter den Tausenden auf dem Schloß­plätze nur die Stimmung der Freude. Ich hatte mich schon zurückgezogen und auch die Volksmenge begann sich zu zerstreuen, als eine offenbar organisirte Schaar mit Gewalt in das Schloßportal einzudringen suchte. Die Truppen, welche dasselbe besetzt hielten, wurden auf das I schmachvollste beleidigt, und so gegen sie angedrängt, daß