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Der Wanderer.

BellttristiichcS Beiblatt zur Naffamschm Allgem. Zeitung.

1849. — â S >7

Ein Meister der schwarzen Kunst.

AltkölnischeS Stücklein.

(Fortsetzung)

Finstern Blickes maß der Vater die geschäftige Tochter. Mit rauher Stimme fuhr er sie endlich an: Wirst du lachen oder nicht? Lache, sag' ich, oder es geht windschief!

Gehorsam nach Kräften bläckte Lena die Zähne. Ueber Macht und Können ist ja auch Niemand verpflichtet, doch wollte Hennes das nicht einsehen.

Soll das etwa gelacht seyn? brummte er: lach'! sag' ich noch einmal!

Mit Mühe hielt Lena die Thränen zurück. Der Alte merkte es wohl, that aber nicht dergleichen, sondern ge­dachte durch Schelten und Drohen ein freundliches Ge­sicht zu erzwingen. Er war doch sonst ein feiner Hecht, woher kam ihm diesmal der thörichte Eigensinn? Hatte er denn niemals die Fabel vom Sturm gelernt, welcher dem Wanderer seinen Mantel zu nehmen trachtet?

Es war nicht länger auszuhalten, und Lena platzte heraus: Schlagt mich lieber zur Stelle todt , Herr Vater, dann wissen wir Beide, woran wir sind.

Krumm und lahm wirst du noch gehauen, verlaß dich drauf, drohte er.

Soll ich den Stock holen? fragte sie, nicht ohne einen Anflug leichten Spottes.

Werd' ihn zu rechter Zeit schon selber finden, Jungfer Naseweis. Auch hat's gute Weile damit biö zum Abend. WaS würde der hochgelahrte Herr GlareanuS denken, wenn er in meinem Hause statt der feierlichen Sabbath­stille den Lärm des Zornes und der Züchtigung anträfe? Er soll nur freundliche Gesichter finden, und vor Allem sey deins das freundlichste. Folge mir, wenn ich dir gut

zum Rathe bin. Du weißt schon, weßhalb. Zum Ueber- fluß will ich dir's nochmals auseinandersetzen.

Spart Euch die Mühe, Herr Vater. Der Meister Kuhmaul ....

Ich verbitte mir das Schimpfwort für den Herrn Magister. Kuhmäuler sind nur die gemeinen Schweizer, aber nicht die studirten Leute, vor Allen nicht der biedere Glarner, welchen der hochselige Kaiser MarimilianuS um seiner fürtrefflichen Carmina willen mit Lorberkranz und Ring begabt hat. Was hast du an ihm auszusetzen? Ist der gelehrte Herr nicht ein schöner Mann in den besten Jahren, frohmüthig im Gespräch, ein Meister der süßen Musica? Du könntest keinen besseren Freien finden.

Als ob ich erst einen zu suchen brauchte! entgegnete Lena: wir haben ihrer wahrlich schon genug abgewiesen, die däftigsten Bürgerssöhne von Köln, und brauchten nicht auf den groben Schweizer zu warten, wenn ich meinem DrickeS Wort und Schwur brechen wollte.

Drickes heißt auf Hochdeutsch Heinrich. Der, von welchem hier die Rede, war Lena'S Jugendgespiele und Herzblatt. Beringt und bedingt hatte er sie verlassen, um aus die Wanderschaft zu gehen, nun aber seit zehn vollen Jahren nichts von sich vernehmen lassen. Somit wäre die Jungfer ihres Wortes ledig gewesen, denn länger als sieben Jahre zu harren, ist keine Braut ver­pflichtet. Da jedoch Lena sich vorgenommen, niemals eines Andern zu seyn, ihr Heinrich komme (nun zurück oder bleibe aus, so hatte sie gut warten. Der Vater konnte noch lange leben, und danach gab's zu Köln Nonnenstifter dem Dutzend nach, bereit, der verwaisten Jungfrau eine Zufluchtstätte zu bieten. Doch eben vom Kloster wollte der Lur-Hennes nichs vernehmen, und da nun, weil die Rede auf den Drickes gefallen, die Rich­tung dazu gegeben schien, so schnitt der schlaue Alte