kann und kann einmal nicht zurückkehren, ohne Sie ge# hört zu haben. Sie sind so gut, Sie haben gestern einer Freundin zu Liebe öffentlich gesungen; machen Sie einen alten Mann glücklich und erfreuen Sie ihn mit sechs Takten Ihres Gesanges; ich habe Sie dann doch gehört und nicht umsonst die Reise unternommen.
Wie die letzten Thautropfen der Nacht der allmächtig wärmende Strahl der Sonne trocknet, so wichen die letzten Spuren der Thränen aus dem holdlächelnden Antlitz der schönen Frau. Mit nur ihr eigenem Liebreiz rückte sie dem Greise einen Fauteuil zum Instrumente und überließ sich dem sie beherrschenden Genius. Die Rosenfinger fuhren über die Tasten, die ersten Töne erschallten in dem geräumigen Salon; die Gräfin war verschwunden, Henriette Sonntag war wieder sie selbst, oder vielmehr sie war die verkörperte Desdemona. — Die Romanze war beendet, die aus sich selbst in höhere Regionen versetzte Künstlerin kehrte allmählig zur Erde, zum Selbstbewußt
seyn zurück. Sie blickte zur Seite, nach ihrem Publikum. Der Greis war von dem Lehnsessel herabgesunken, lag
neben ihr auf den Knien und drückte sein Gesicht in die Falten ihres Gewandes. Nach der Pause, die dem Ge- r sänge gefolgt, erhob auch er das Antlitz; es war wie i verklärt, aber von einem unnennbaren Zuge von Weh- ■ muth Überflüssen. Er wollte sich erheben, wollte sprechen, - aber — vermochte es nicht. Das reizende Händchen der - Sängerin kam ihm zu Hülfe; erpreßte es krampfhaft an j seine Lippen, erhob sich und ließ pfeilschnell einen kostba- i ren Diamantring von seinem Finger an den ihren gleiten. ' So wankte er der Thüre zu; daselbst angelangt, kehrte er ! sich um, muß die Sängerin mit einem langen tiefforschenden Blicke und mit einem Ton der tiefsten Wehmuth, der eine heftige Anstrengung ihm erpreßte, lispelte er: Oi Schade! Schade! und war verschwunden.
Henriette Sonntag trat wieder zum Klavier. Sie - wollte fortfahren zu singen; der Gräfin versagte der Ton; mit einem Tone der tiefsten Wehmuth lispelte sie: Ja Schade! O Schade! (D. Ref.)
M r ü 3 c U e n.
Ad. Stahr erzählt in dem zweiten Hefte seiner vortrefflichen Schilderung der preußischen Revolution, welches so eben erschienen ist und die drei ersten Monate nach der Revolution umfaßt, foldende Anekdote zur Charakterisirung der demokratischen Staatsweisheit, die im vorigen Jahre die Schicksale der Völker zu leiten sich herabließ: Als der „demokratische Kongreß" in Berlin tagte, dessen für die „soziale Frage" niedergesetzte Kommission unter anderen zu Resultaten gelangte wie: „der Pachter bezahlt hinfort keinen Pacht", fragte der berühmte Arzt und Patholog V . . . . w einen dieser Sozialisten: „Aber denkt denn wirklich Eure Kommission daß sie die soziale Frage lösen wird?" — „Freilich werden wir sie lösen, erwiderte der Gefragte, „und wenn wir auch die ganze Nacht darum sitzen sollten!"
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(Telegraph in Kalifornien.) In den Ver. Staaten geht man damit um einen Draht-Telegraphen über St. Louis nach St. Franzisko anzulegen. Die Strecke ist etwa 500 geog. Meilen lang und man berechnet die Kosten auf nicht mehr als 375,000 Dollars. Man macht in Amerika bei Anlegung von Tclegraghen möglichst wenig Umstände; man läßt von den Farmers die an der Linie wohnen die Pfähle behauen und einrammen, isolirt die Drähte durch gläserne Einfassung von den Stangen und gibt den Farmers statt der Zahlung eine Aktie; wodurch man sie zu natürlichen Wächtern des Telegraphen macht. Morse's neuerfundene Druckmaschine ist in den amerikanischen Telcgraphenbureaus in allgemeinem Gebrauch.
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Die dem Publikum eröffnete Telegraphen-Benutzung Hal einige Hamburger Börsen-Spekulanlcn auf die Idee gebracht, der Handel mit Friedrich-Wilhelms-Nordbahn-Aktien — der Spiel: ball der berliner Börse — auch an die dortige zu verpflanzen was in zwei Tagen bereits eine Steigerung dieses Papiers vor über 3 Prozent bewirkte. Der elektro-magnetische Telegrapl zwischen Berlin und Hamburg ist dabei aber so strapazirt worden da er bis spät in die Nacht benutzt wurde, daß bereits am 16 Okt. Morgens eine Reparatur vorgenommen und die Verbindung unterbrochen werden mußte, die auch am Nachmittage noch nich wieder geherstellt war. Der Vortheil für die Telegraphen-Kass dürfte bei dieser Spekulation der nachhaltigste seyn.
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Mosenthals treffliches Volksschauspiel „Deborah" ist ^setz auch in Frankfurt a. M. mit großem Beifalle aufgeführt wor den. ) Ebendaselbst ist der englische Komponist Balfe einge troffen um seine Oper „Gitana das Zigeunermädchen" unte seiner Leitung zur Affuührung zu bringen.
Von dem Werke von Gervinus: „Shakespeare" ist der dritte Band in diesen Tagen erschienen. Er enthält u. a. die kritischen Beleuchtungen der Tragödien „Othello", „Macbeth", „Hamlet" und „Lear". Das Werk ist übrigens mit dies.m Bande noch nicht beendet, wie anfänglich beabsichtigt war, es wird vielmehr zu Ostern 1850 noch ein vierter Band erscheinen, der auch eine Charakteristik Shakespeares enthalten soll.
*) Cs wird demnächst auch dem Wiesbadener Publikum Vorgefühl werden. Die Reo.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
