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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Naffamschen Allgem. Zeitung.

1849. — .1" 847.

△ Die Circassterin.

Geschichte auS der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

XXVI.

Das Testament deö Herrn v. Ferriol.

Wir kehren jetzt nach Paris zurück, in daS Hotel von Ferriol, in der Straße Sainte-Catharine.

Eine ganz ungewöhnliche Bewegung in der Straße Sainte-Catharine verrieth hinlänglich, daß ein großes Ereigniß im Marais sich vorbereitete; dies Ereigniß ist kein anderes, als die Heirath der jungen und schönen Wittwe ves Grafen von Ferriol mit ihrem geliebten und treuen Ritter von Aydie.

Wenn man in dieser Hinsicht einige nähere Details zu erfahren wünscht, müssen wir in jenes Gemach ein­treten, das unsere Leser bereits kennen.

Es ist Abend. Sophie ist bei ihrer Herrin, der man so eben ein Hochzeitskleid gebracht. Die Zofe strahlt vor Freude, denn das Kleid sitzt A'ffsa herrlich, eine mit fei­nen Perlen besetzte Robe von dunkler Seide. Der Ritter von Aydie hat es so gewünscht.

„Ach, Madame! rief Sophie aus, der Herr Ritter hat wohl Recht gehabt, selbst diese Toilette anzuempfeh­len. Sie sind wirklich entzückend, und ich wette, daß er ganz glücklich über seine Wahl ist."

„Gute Sophie! Deine Anhänglichkeit für mich läßt Dich, was Du meine Schönheit nennst, so sehr übertrei­ben. Ich wünschte nur, daß Der, für den allein ich schön seyn mag, nicht lange mehr ausbleiben möchte: seit vier Tagen ist er bereits auf dem Wege, und seinem Briefe zufolge wird er morgen hier seyn."

„Morgen! Welches Glück!"

„Ja, es ist ein unverhofftes Glück! so unverhofft, daß es mir wie ein Traum vorkommt."

„Ich versichere Ihnen, Madame, daß eS eine schöne Wirklichkeit ist, daß ich mit meinen eigeneu Ohren daS Aufgebot in der Kirche vernahm, mit dem Auszug aus dem Breve des Pabstes, das den Herrn Ritter völlig von seinen Gelübden entbunden erklärt; viele schöne Damen des Hofes würden gerne an ihrer Stelle seyn."

„Ich glaube es, Sophie."

„Doch eins macht mir bei alledem Kummer: daß Sie nämlich einwilligten, jenen Schurken La Roche an­zunehmen. WaS beabsichtigt er? Konnte er nicht in Marseille bleiben?

„Er war dort sehr unglücklich, wie es scheint, sodaß es wohl zu entschuldigen ist, wenn er gesucht, 'seine frühere Stelle wieder zu erlangen. Er hat sein Unrecht eingesehen, und mich um Wiederaufnahme in meinen Dienst gebeten. Konnte ich eS abschlagen?"

„Wie es Ihnen beliebt, Madame; doch traue ich diesem Menschen nicht. Dazu ist er gelb und mager; solchen Leuten muß man nicht trauen."

„Ich glaube doch, daß du ihm Unrecht thust; eS ist unmöglich, aufmerksamer und ergebener zn seyn, als er es gegen mich ist; man sollte fast sagen, er suche jede Spur von Abneigung zn verwischen, die ich gegen ihn hegen könnte."

„Kann seyn; doch ich werde ihm niemals verzeihen; meine Meinung ist, daß man nur Verrath und Schlech, tigkeit von ihm erwarten darf."

„Wieder! ... Ei, Sophie! willst du mich denn durch­aus erzürnen?"

„Ach! meine gute Gebieterin, vergeben Sie mir!"

„In diesem Augenblicke ging daS Thor des Hotels auf, und das Pflaster deS HofeS erdröhnte unter den Füßen von Pferden und dem Rollen eines Wagen." _ *