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„Zünde ein Licht an, Sophie, und verbrenne das Billet."

„Ach, Madame, der Herzog würde sehr stolz seyn, wenn er wüßte, daß Sie seine Billets verbrennen, ohne sie zu lesen; er glaubte gewiß, Sie hätten Furcht."

„Ich wünschte eS!" murmelte die Circassierin mit melancholischem Lächeln.

„Gehen wir denn weiter, bemerkte Sophie. Nach­dem sie noch mehrere Papiere durchgesehen, rief sie plötz­lich, eine Zeitung in der Hand haltend:"

„Ha! was sehe ich? Ein Brief von der Insel Malta!"

„Ein Brief von Malta! wiederholte die Gräfin er­bebend; ist es auch gewiß? Wird seiner darin Er­wähnung gethan? Lies schnell, was er enthält. Ach Gott! mein Herz schlägt so heftig, daß meine Augen sich trüben und ich selbst die Zeitung nicht lesen kann."

Sophie las mit vernehmlicher Stimme folgenden Artikel vor:

„Das mittelländische Meer ist vor Kurzem der Schauplatz einer der blutigsten Seeschlachten gewesen. Eine Tartane unserer Nation, die seit mehreren Tagen in den Gewässern der Insel Mahon kreuzte, begegnete am 20. letzten Monats einem großen Kriegsschiffe, das die neapolitanische Flagge führte. Als der Graf von Dienne, der Kommandeur der Tartane, eine befreundete Flagge erblickte, befahl er sich derselben zu nähern, und bereits waren die beiden Schiffe nur noch zwei Kabel­längen von einander entfernt, als plötzlich eine Lage von 20 Geschützen vom Bord des neapolitanischen Schiffes erdröhnte, und die Tartane mit einem Kartätschenhagel überschüttete. „Verrath!" rief der Graf von Dieune, als er durch den Rauch die Turbane und Fahnen der Türken erscheinen sah. Sogleich griff Alles zu den Waf­fen, doch hatte bereits das angebliche neapolitanische Schiff Zeit gehabt, zu wenden; eine neue furchtbare Lage zerschmettert den großen Mast, der in seinem Falle den unglücklichen Schiffskommandanten und zwei Matrosen zerschmetterte. Wildes Frohlocken erschallte von Seiten der Piraten; eine tiefe Bestürzung bemächtigte sich der ganzen Mannschaft der Tartane. Um das Unglück voll zu machen, ward das Fahrzeug an mehreren Stellen leck, so daß das Wasser in Strömen hineindrang und die Tartane zu sinken begann. In dieser schrecklichen Lage verlangten mehrere Stimmen, man solle sich ergeben. Aber ein Offizier sprang hervor, in seinen Händen eine Streitart und zwei Pistolen schwingend: „Freunde, rief er, was wollt Ihr thun? Ihr seyd Christen, ihr seyd Franzosen! lieber sterben, als sich ergeben!" Elektrisirt durch diese Worte stürzte sich die Mannschaft auf das feindliche Schiff los, um es zu entern. Der Offizier

erkletterte zuerst das feindliche Schiff. Man folgte ihm. Ein furchtbares Handgemenge entstand. Das Blut floß in Strömen. Nach wüthendem Kampfe gelang es den Unsrigen, die Türken zu besiegen und die französische Flagge am Maste zu befestigen. WaS von den Piraten am Leben blieb, warb gefesselt in den Schiffsraum ge­worfen. Leider hatte dieser Sieg uns viele Opfer ge­kostet, worunter sich auch der Offizier befindet, der auf so heldenmüthige Weise die Eroberung des feindlichen Schiffes bewirkte. Dieser Offizier, den man von Wun­den durchbohrt, die er wohl nicht lange überleben wird, auf dem Verdecke sand, ist ein junger Malteserritter, Erbe eines berühmten Namens, der mit ihm erlöscht. Es ist. . ."

Eine tödliche Blässe bedeckte plötzlich das Antlitz der Leserin, die wie erstickt inne hielt; doch hatte Aissa ihr bereits die Zeitung aus den Händen gerissen; dann die Augen mit einem Ausdrucke wahrhaft herzzereißender Angst zum Himmel erhebend fiel sie schluchzend auf die Knie. (Forts, folgt.)

Eine Brockenfahrt.

(Fortsetzung)

Ueber das hannoverische Elbingerode gelangte ich nach dem Rübelande, wo ich die Baumanus- und Biels­höhle besuchte, inS Braunschweigische. Hier, in dem vom Brocken nach Osten der Elbe zufließenden klaren Gewässer der Bode, sängt man, wie in der westlich vom Brocken nach der Weser abgehenden Ilse, so lange sie in den fel­sigen Harzthälern rinnen, die köstlichsten Forellen. Die Forellen aus dem Rübelande wandern in die Küche des Herzogs von Braunschweig, der mit seinem Hofstaat unb und der gesummten Dienerschaft diesen Fisch so sehr liebt, baß er bei keiner Mahlzeit fehlen darf. Aus Liebe zur Jagd lebt der Herzog fast den ganzen Sommer hindurch in Blankenburg, Uebrigeus werben die Forellen in dem gar anmuthig am Gebirgsabhange bei Blankenburg ge­legenen herzoglichen Schlosse nach des Tages Jagdwerk ganz in der Stille verzehrt; der Herzog Wilhelm, wel­cher erst durch die Flucht seines Bruders, des unglück­lichen Herzogs Karl, aus dem preußischen Militärdienste abgerufen wurde, lebt wie ein pensionirter preußischer Major — bis auf die liebliche Forelle, versteht sich, — während es namentlich im siebenzehnten Jahrhundert hier sehr lebhaft zuging. Unter Ludwig Rudolph besonders sah hier der alte grüne Harz auf einen glänzenden Kar, neval herab, der an seinem Fuße gefeiert wurde, mit Vogel- und Scheibenspielen, Komödien, Jagden, Feuer-