Der Wanderer.
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SellcttistijchcS Beiblatt zur Raffaiüschen Allczem. Zeitung.
1849. — .1" 841.
△ Die Circassierin. | Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.
(Fortsetzung)
Dieser dritte Redner war der Ritter von Aydie, nsichtbarer Zeuge einer Unterredung, die er selbst hereigeführt.
„Ich hatte vorausgesehen, Herr Graf, daß Sie, in- em Sie die Erfüllung unseres Vertrages nicht verweigern konnten, wenigstens suchen würden, die Folgen zu »erhüten; doch so verstehe ich nicht die Sache! Nein, ch wünsche eine öffentliche Heirath! Ich verlange, daß Srâufein A'ffsa mit allen Ehren umgeben wird, die dem Ramen gebühren, den sie tragen soll, und daß ihr alle Vewunderung zu Theil werde, die dem Reichthume folgt."
„Dem Reichthume! Doch Sie vergessen wohl, daß ch arm, ganz arm bin."
„Im Gegentheil, Fräulein Affsa ist reich."
„Woher stammt denn dieser Reichthum, den ich bisher nicht an ihr gekannt habe?"
„Sie besitzt ihn von der Hand eines Freundes, von Dem sie Alles annehmen konnte ohne zu erröthen. Ich habe ihr nämlich, da ich der Welt absterbe, alle meine Güter vermacht."
„So fügen Sie denn zu allem Schimpfe, den ich ihnen verdanke, noch den hinzu, durch Sie reich zu werden."
„Ich habe nichts für Sie gethan, alles geschah für das junge Mädchen. Kehren Sie also mit ihr in das Hotel von Ferriol zurück, das ich bereits in ihrem Namen wiedererkauft habe. Diese Heirath soll mit allem nur erdenklichen Glanze gefeiert werden, und ich will, daß Sie selbst die Gräfin von Ferriol dem in den Salons Ihres Hotels versammelten Adel vorstellen."
Aber mein Herr . . ."
Ich will es, oder haben Sie schon das Schaffott vergessen?"
„Oh! diese Schmach ... es soll die letzte seyn, murmelte Ferriol. Ich hatte geschworen, eine Sklavin zu heirathen und ihr eine Achtung zu erweisen, die ich selbst nicht mehr verdiente; jetzt fügen Sie eine neue Demüthigung hinzu, auch dieser unterwerfe ich mich: Die Gräfin von Ferriol soll dem Adel vorgestellt werden. Sind Sie damit zufrieden?"
„Es ist gut erwiederte Ferriol, und sich gegen Mffa wendend warf er ihr einen Blick zu, in dem die ganze Stärke seiner Liebe sich mit heldenmüthiger Entsagung auszudrücken schien. Dann entfernte er sich."
Ein Notar erschien, der HeirathSkontrakt ward gemacht.
Einige Tage darauf fand in der Kirche von Saint- Paul, in der Straße Saint-Antoine unter dem Andrange einer großen Menge von Zuschauern eine doppelte Zeremonie statt; während am Haupt-Altar einer der Würdenträger der Kirche in großem Pompe einen sechzigjährigen Greis, auf dessen Stirn das Eril, die Gefangenschaft und die stürmischesten Leidenschaften ihren unerlöschlichen Stempel gedrückt hatten, mit einer schönen jungen Frau von 20 Jahren vereinigte; während ein Er-Gesandter des Königs, Einer der stolzesten Repräsentanten deS Adels von Languedoc seinen Namen der Tochter einer Zirkassischen Sklavin gab, empfing an einem Nebenaltare ein junger blasser Mann in einfachster Kleidung, auf den feuchten und kalten Steinplatten der Kirche knieend, aus den Händen eines einfachen Priesters das Zeichen feiner Aufnahme in den Malteserritter, Orden, womit er der Welt auf ewig entsagte: eS war der Ritter von Aydie.
Als die zweifache Zeremonie beendet war, trat Aydie zum Grafen Ferriol, und ihm die Hand reichend drückte
