Der Wanderer.
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SelletrWchkS Beiblatt zur Naffamschm Allgem. Zeitung.
1849. — M 836.
△ Die Circafsierin.
Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.
(Fortsetzung)
XX.
Minister und Favoritin.
Wir müssen jetzt den Leser bitten, sich mit uns nach dem PalaiS-Royal zu Paris zurückzubegeben. Wir finden dort den Regenten in vertraulicher Unterredung mit Sr. Eminenz dem Erzbischof von Cambrai, oder wenn man lieber will, mit Sr. Excellenz dem Ministersekretär der auswärtigen Angelegenheiten; so lautet seit Kurzem der zweifache Titel des Abbe Dubois Philipp von Orleans sitzt an einem Tische, worauf die letzten Depeschen aus der Bretagne liegen. Sein erster Minister steht neben ihm, den Regenten mit unzufriedener Miene an- sehend.
„Sehen Sie, gnâviger Herr, sagte der Erzbischof, Ihre Milde hat ihre Früchte getragen: die von Ihnen begnadigte Verschwörung von Cellamare hat den Aufstand in der Bretagne erzeugt; ich hatte es Ihnen wohl gesagt. Dieses Komplot hatte ungeheure Verzweigungen."
„Bah! braucht man sich so zu ereifern wegen einiger Landjunker, die sich in jenem Lande unzufrieden gezeigt, und flüchtiger als Mönche nicht einmal einen Schuß machten, um sie auseinanderzujagen?"
„Sie beabsichtigten indeß nichts weniger, als die Bretagnischen Küsten den Spaniern zu überliefern und Ihre Regentschaft Ihrem rechtmäßigen Vetter Philipp V. zu übergeben, der besser thäte, die Herrschaft Alberoni's abzuschütteln."
„Bist Du auch sicher, daß ihr Vorhaben so strafbar war?"
„Ja, ganz gewiß, gnädiger Herr! Lesen Sie diesen Brief, den der König von Spanien eigenhändig an Einen der Verschwornen geschrieben."
„Dubois übergab dem Regenten das geheimnißvolle Billet, das auf so eigenthümliche Weise in einer Flasche Wein nach Frankreich kam, dessen Inhalt wir bereits kennen.
„Nun! Gnädiger Herr, was sagen Sie dazu?"
„Mein Vetter der spanische König scheint große Lust nach meiner Stellung zu haben; das wundert mich." „Warum denn?"
„Weil ich kein Verlangen nach der Seinigen habe."
„Ein Grund mehr, gnädiger Herr."
„Weiß man nicht, an wen das Billet gerichtet war?"
„Nein, gnädiger Herr; der Ritter von Aydie, der mir dasselbe zugesandt, hat den einzigen Mann entschlüpfen lassen, der uns hätte darüber Aufschluß geben können?"
„Wer ist denn das?"
„Ein gewisser Marini, ein Italiener, der sich mit dem Titel eines Grafen des heil. römischen Reiches lächerlich machte, einer von jenen Jntriguanten, deren Namen sich in alle Verschwörungen verwickelt finden, die Europa in den letzter» Jahren beunruhigt haben."
„Marini! ich erinnere mich in der That dieses Namens ; aber ich wundere mich, daß Aydie, der ein loyaler und getreuer Diener ist, diesen Menschen hat laufen lassen."
„Ei! gnädiger Herr, dieser Mensch hat den Ausent- haltsort eines Ihrer Todfeinde, des Grafen von Ferriol verrathen. Auch hat sich der Gesandte des Pabstes ins Mittel gelegt. Se. Heiligkeit interessirt sich etwas für diesen Marini, wie es scheint."
