-iederholen es, sein Leben lang ein glücklicher Mann ewesen; und so günstig war das Geschick gegen ihn, aß eS ihm einen Brüter verlieh, der in anderen GeisteS- reifen fast ebenso bedeutend und in manchen Beziehungen ogar hervorragender war, als er selbst. Beide Brüder, Meranber und Wilhelm, durch daS innigste FreundschaftS- >and verknüpft, hellstralende Dioskuren, haben einander wrtrefflich ergänzt. Alexander hat jenen überdauert, iber die Namen beider Herren der Wissenschaften sind ür alle Zeiten von einander unzertrennlich. Sie bilden leuchtende Sterne im Stralenkranze deutscher Wissenschaft, and haben den Ruhm des deutschen Namens über alle Welt verbreitet. (Frkf. Konv. Bl.)
Aus Komorn
(Fortsetzung.)
Weniger freundlich, ja nichts weniger als das, war Guyon, ein kleiner lebhafter Mann, mit ganz aus der Stirne und nach rückwärts gestrichenem Haar und lispelndem, gebrochenen Deutsch. Auch die österreichischen Sappeurs und Mineurs, die bei Ausbruch des Krieges in der Festung gelegen, und somit zurückgehalten worden waren, wünschten, meist Böhmen, Mähren und Deutsche, entlassen zu werden. Es wurde ihnen dies abgeschlagen, und ihnen sämmtlich Offiziersstellen in ihrer Branche angetragen, wenn sie sich herbeilassen wollten, Honved's in ihrem Fache zu unterweisen. Die Sappeurs und Mineurs lehnten einmütig ab. Guyon, der unsern Er, zâhler in Verdacht hatte, Urheber dieser Renitenz zu seyn, ließ diesen zu sich kommen, und sprach zu ihm: „Ich hätte große Lust, Sie erschießen zu lassen. Sie haben den Mineurs und Sappeurs ab^ebet, in unsere Armee zu treten!" Unser Erzähler bedurfte aller Geistesgegen« wart, um den Schotten auf andere Gedanken zu bringen.
Mit dem Erschießen wurde überhaupt wenig Umstände gemacht. Die Husaren übernahmen gewöhnlich das Amt der Hinrichtenden. Der Verurtheilte wurde gewöhnlich in die Enveloppe hinter der alten Festung geführt, drei Husaren luden ihre Pistolen, traten ganz nahe vor ihn hin und schossen ihn nieder. Dies traurige Loos traf namentlich manchen österreichischen Offizier, der zu den Insurgenten übergegangen war und nach der Hand entweder nicht jenen Grad von Energie für die Sache der Insurrektion entwickelte, den man von ihm erwartet hatte, oder gar auf Mittel zur Rückkehr sann, zumeist von den Regimentern Alexander, Preußen und Gyulai.
Maithenyi, ein ehemaliger französischer Rittmeister, war es, der zuerst im Auftrage des ungarischen Mi
nisterium in Komorn erschien und dem F.-M.-L. Baron Mârz, sowie dem Fortifikations-Oberlieutenant Baron Schauroth den Befehl deS genannten Ministeriums überbrachte, ihm die Festung zu übergeben. Die Herren gehorchten und Maithenyi übernahm das Platzkommando. Nachdem im Oktober die Kunde von den Wiener Ereignissen nach Komorn gelangt war, ließ Maithenyi sämmtliche daselbst liegende österreichische Garnison in Parade mit Fahnen und klingendem Spiel ausrücken und in Front aufstellen. Hierauf ließ er laut die Zuschrift deö ungarischen Ministeriums verlesen, in welcher die Truppen aufgefordert wurden, sich für die ungarische Sache zu erklären, ohne daß jedoch Jemand gehindert seyn sollte, seinen Beitritt zu derselben zu verweigern. Der Front gegenüber standen ungarische Fahnen und her Rakoczymarsch ertönte, um den nunmehr folgenden feurigen Reden Nachdruck zu geben. Der größte Theil der Mannschaft mit einigen Offizieren trat nun aus Reih und Glied, und stellte sich wieder um die ungarische Fahne auf. Auf dem Platze, den sie früher inne gehabt hatten, blieben nur einige Feldwebel und die meisten Offiziere vereinzelt stehen. Die übergegangene Mannschaft aber riß Einer dem Andern die österreichisch:» Abzeichen von Czako und Säbeln, so daß Schnüre und Kokarden tagelang in allen Straßen herumlagen.
Auf Maithenyi folgte Ignatz Török als Kommandant, der das Kommando Anfangs sehr energisch handhabte, später aber für feig gehalten wurde und um Ansehen und Amt kam. Als im März die Festung belagert wurde, fielen die ersten schwerpfündigen Kugeln auf die Palatinallinie. Am 20. erreichten die ersten Bomben die Stadt. Die erste Bombe siel in die Schlagbrückgasse nieder. Das Entsetzen über sie war allgemein, Honved's sowohl als Einwohner rannten durch alle Straßen hin und her, von Bestürzung über die Tragweite ergriffen. Mack mußte erklären, er sey entschlossen, die Festung in die Luft sprengen zu wollen, um die Leute einigermaßen zur Besinnung zurückzuführen. Um diese Zeit, versichert unser Erzähler, wäre es in Folge der allgemeinen Verwirrung und Rathlosigkeit möglich gewesen, Komorn vom Waaganschlusse der Palatinallinie aus zu nehmen, wenn das Zernirungsheer von den innern Zuständen Kunde gehabt hätte.
Von Stunde an verließ auch Török aller Muth und alle Geistesgegenwart. Ohne sich um sein Departement viel zu kümmern, zog er und die meisten Offiziere mit ihm, sich in die bombenfesten Kasematten zurück und überließ die ihm unterstehenden, meist österreichisch gesinnten Fortifikationsbeamten ihrem Schicksal und der Sorge für »sich selbst. In einer kleinen, nach Möglichkeit durch I Querbalken und Erdaufwürfe bombensicher eingerichteten
