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Der Wanderer.

BcllctriftijchcS Beiblatt zur Rassamschcn Allgem. Zeitung.

1849. — .1" 887.

△ Die Circafsterin.

Geschichte auS der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

XVI.

Die Wegelagerer.

Nicht weit von dem Dorfe Saint-Michel waren in einem dichten Gebüsch hart an dem Wege von Lamneur nach Morlair Ferriol, Pontcallet, Marini und die an­dern bretagnischen Edelleute versammelt, die wir bereits früher kennen gelernt.

Als man Niemanden mehr erwartete, ergriff Marini daS Wort und wandte sich an Ferriol, die Seele der ganzen Unternehmung:

„Jetzt-Herr Graf, können Sie diesen Herren sagen, weßhalb wir alle bewaffnet an diesen abgelegenen Ort gekommen sind, wo beiläufig gesagt, der Abendwind auf ganz unangenehme Weise vom Meere her und anweht."

„Gern, erwiederte Ferriol; Sie sollen erfahren, warum Herr von Pontcallet und ich Sie hierhergerufen haben, ohne Ihnen vorher den Grund anzugeben. ES handelt sich darum, die Unternehmung, zu der wir unS verbündet, zu einem guten Ende zu bringen; erfahren Sie denn, daß in einer halben Stunde, wenn Sie wol­len, der Regent in unserer Gewalt seyn wird."

Ein einstimmiger Ausruf frohen Erstaunens er­folgte.

„Bei der heil. Kunigunde! bestätigte Marini, der Herr Graf spricht die Wahrheit, ich verbürge mich da­für ..."

„Ich ebenfalls, bemerkte Pontcallet'"

„Aber wie konnten Sie entdecken . . .?"

„Wir werden Ihnen das späterhin erzählen. Für jetzt nur soviel, daß der Regent heimlich nach der Bre­

tagne kommt. Bereits hat La Roche, den ich als Spion ausgesandt, .erfahren, daß ein sorgfältig verschlossener Wagen von bewaffneten Dienern begleitet, bei Saint Brieur wegen eines zerbrochenen Rades stehen geblieben; La Roche hat sogar in der Person, welche die Herstellung des Wagens überwachte, einen vertrauten Diener des Regenten erkannt, und ist in aller Hast zurückgeeilt, mir diese wichtige Nachricht mitzutheilen; ich kann nicht mehr daran zweifeln, daß Philipp von Orleans selbst nach der Bretagne kommt um eine Verschwörung auszukundschaf­ten, die ihn jetzt sicher verderben wird. Nach der Richtung, die der Wagen genommen, muß er sich nach Plögat oder Morlair begeben und wird unvermeidlich durch Saint- Michel kommen. La Roche, der voraus ist, muß unS bald seine Ankunft anzeigen. Der Regent muß unser werden.

„Er ist eine sichere Beute! rief Pontcallet."

„Er ist der König der Geiseln," bemerkte Marini.

„Geisel oder Opfer, erwiederte Pontcallet, gilt gleich. Ich habe die spanische Flotte davon in Kenntniß gesetzt. Ein zuverlässiger Bauer ist von mir an den Herrn von Melac mit einem Briefe abgesanvt worben, worin er benachrichtigt wird, daß, sobald Philipp von Orleans todt ober lebendig in unserer Gewalt ist, drei Feuer auf der Spitze von Loquirec angezündet werden."

„Poland ist damit beauftragt, setzte Marini hinzu. Indessen bin ich der Meinung, unsere Gesichter zu ver­hüllen , um desto eher als Wegelagerer zu gelten, und im Falle des Nichtgelingens besser allen Verdacht abzu- wenden."

Dieser Rath ward gebilligt; Jeder vermummte sich, so gut es ging. Auch war es sehr dunkel. Bald ver­nahm man in der Ferne Pferdegetrappel, auch eilte La Roche schnell zu Pferde herbei, und verkündete die An­näherung der Postchaise. Bereits konnte man in der