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Der Wanderer.

Beiblatt zur Rassamschc» Allgcm. Zeittmg.

1849. — .1" 883.

△ Die Circassierin.

Geschichte auS der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

Marini ergriff kaum die Feder, um dem Verlangen Pontcallet's nachzukommen, so ertönte draußen ein eiliges Geräusch von Holzschuhen, die auf dem Boden klapper­ten. Der Graf des heil, römischen Reiches ward blaß und verbarg zitternd Alles, was ihn kompromittiren konnte, eiligst unter seinem Rocke. Zugleich ging die Thüre auf und eine kleine schwächliche Gestalt stürzte in die Hütte.

„Beruhigen Sie sich, sagte Pontcallet, es ist der Bauer, der für uns wacht, es ist Noland."

Nachdem er möglichst die Unruhe seines Gesellschaf­ters beschwichtigt hatte, wechselte Pontcallet einige Worte mit dem Bauern in niederbretagnischer Mundart, wovon Marini kein Wort verstand.

„Was sagt er in seinem fürchterlichen Kauder- walsch?" unterbrach plötzlich dieser, dem es ganz un­heimlich wurde.

„Er sagt, er habe so eben eine Frau bemerkt."

„Eine Frau? Nur eine Frau? Ich athme leichter. Doch sind auch Verschwörungen durch Frauen entdeckt worden. Ist sie alt oder jung?"

. „Jung."

„Desto schlimmer. Das ist gefährlicher!"

„Möge der Teufel Sie holen mit ihren einfältigen Befürchtungen! Sehen Sie nicht, daß es ein Mädchen von Lamneur oder Umgegend ist, die irgend einem Bauer aus der Gegend ein Stelldichein gegeben?"

In der That, das ist möglich. Ich bitte Sie, Herr von Pontcallet, schicken Sie doch den Noland wieder auf seinen Beobachtungsposten, und lassen Sie ihn seine

Holzschuhe ablegen. Ich kann das Geräusch der Holz­schuhe nicht leiden, wenn ich schreibe.

Noland ging hinaus und Marini machte sich wieder an sein Schreiben. Als er es eben zu Ende gebracht und Poncallet die Feder zur Unterschrift hinreichte, hörte man draußen Pferdegetrappel. Noland stürzte diesmal mit nackten Füßen herbei und kauderwälschte mehr als jemals in abgebrochenen Worten, da der Athem ihm je­den Augenblick in Folge seines raschen Laufes auSging.

„WaS sagt er?" stammelte Marini, schnell aufsprin­gend und rechts und links verwirrte Blicke um sich wer­fend, in der Hoffnung, ein Versteck zu finden.

„Er sagt, antwortete ruhig Pontcallet, daß er eben Reiter gesehen, die hierher kommen."

„Heilige Kunigunde, erbarme dich meiner! stöhnte Marini, ein dreifaches Kreuz schlagend. WaS ist zu thun? Wenn wir die Thüre schlössen und uns still ver­hielten?"

Unmöglich. Sie haben ohne Zweifel Noland hier­her laufen sehen, und sind im Stande, die Thüre einzu­schlagen, besonders wenn es Soldaten sind, wieder Bauer versichert."

„Wieder Soldaten? Ist dies Land denn damit ge­pflastert?"

„Vertheidigen wir uns, wir sind zu Dreien!"

„Thun Sie das nicht, rühren Sie sich nicht! Da sind sie schon!"

In der That hielten mehrere Pferde vor der Hütte; ihre Reiter stiegen ab und traten ein, wobei sie in ihre Finger bliesen.

„Bei Gott! meine Herren! bemerkte einer der Reiter, indem er seinen Mantel auf seine Schultern fallen ließ, so daß man ein rothes mit schwarzem Sammt und Gold besetztes Wamms sehen konnte, wie es damals die Edel­leute der rothen Kompagnieen, d. h. die GenSd'armen,