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Der Wanderer.

BelletrischchcS Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

1849. — .1" 881.

△ Die Circasfierin.

Geschichte auS der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

Ferriol dachte an die Depeschen, in deren Besitz Pontcallet geblieben. Diese Papiere mußten dem Ser, geanten in die Hände fallen nach einem Widerstande, dessen sicheres Opfer der Edelmann werden mußte; Ferriol sah ein, daß Alles verloren war, wenn der Ser­geant in die andere Kammer trat.

Halt, rief er, Avon zurückhaltend, der bereits dazu Miene machte; das ist die Kammer Martha's, meiner Tochter; sie schläft in diesem Augenblicke; ich denke, Sie wollen doch nicht mit Gewalt in das Asyl eines Mäd­chens dringen."

Bei dem Namen Martha's hielt Avon einen Augen­blick inne. . . Doch da dieser Name die ihm wider­fahrene Beleidigung ins Gedächtniß zurückrief, so wollte er eben seine Durchsuchung fortsetzen, alö die Thüre sich öffnete und Arssa erschien.

Beim Anblicke Aissa's trat Avon zurück und legte linkisch die Hand an seinen dreieckigen Hut. Seine Be­wegung entging dem schlauen Italiener nicht, der schon mit den Schwachheiten des Sergeanten bekannt war.

„Wenn Sie mich nicht Lügen strafen, sind wir ge, rettet, sagte er leise zu Ferriol."

„Handeln Sie, antwortete dieser."

„Sie sahen wohl, Herr Sergeant, versetzte Marini, daß Sie nicht so aller Achtung vor der Signora zuwider­handeln können, indem Sie wider ihren Willen in ihre Kammer eindringen. Diavolo! Hören Sie doch ein wenig die Leute, ehe Sie dieselben verhaften . . . Wollen Sie uns für Staatsverbrecher erklären, wegen einer elenden Flasche, die Sie vielleicht, ohne eS zu bemerken, zerbrochen haben? Nichts ist unschuldiger als meine An­

wesenheit bei Meister Peter. Ich fragte ihn, was er mir für Fische liefern könnte für daS Festmahl, welches ich den Autoritäten von Lamneur zu geben beabsichtige; er sagte mir, er habe selbst seines ganzen BorratheS nöthig für ein Mahl, daS er an demselben Tage vielleicht hal­ten wolle; denn man hält nicht gerne Hochzeit ohne Mahl."

„Was für eine Hochzeit? Was bedeutet . . .?"

„Das wissen Sie nicht? man hat wohl Recht, wenn man sagt, daß gewöhnlich die bei einer Sache am meisten beteiligten Leute von Nichts wissen; Sie werden einen vortrefflichen Ehemann abgeben, denn Sie denken an nichts, nicht einmal an Ihr Glück."

„Wie! Sie spotten über einen Sarg.. . ?"

„Ich! über Sie spotten, Herr Graf! woran denken Sie! ich sollte es gegen einen tapfern Soldaten an Achtung fehlen lassen und dazu in einem Hause, dessen Gast er bald seyn wird. . . denn so eben sagte mir Meister Peter: „dieser brave Avon liebt meine Tochter Martha, und ich will sie ihm geben . .."

Der vorgebliche Meister Peter konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, als er die Worte vernahm, die von den beiden andern Personen dieser Scene mit schwer zu beschreibendem Staunen angehört wurden.

„Mir! . . . Mir seine Tochter geben! er hat sie mir ja dock verweigert! rief Avon."

„Ich habe meine Meinung geändert, mein braver Avon, unterbrach Ferriol."

„Weßhalb aber?"

„Meister Peter, versetzte Marini, hat seine Eigen­liebe, obgleich er Fischer ist. Er wollte seine geliebte Tochter, sein einziges Kind, keinem simplen Küstenwacht- Korporal geben, mit einem Sergeanten ist das jedoch etwas ganz Anderes. Bei dem raschen Avancement, daS Sie machen, ist Meister Peter über die Zukunft