Der Wanderer.
Selletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
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1849. — .1" 880.
△ Die Circassierin.
Geschichte auS der Zeit der Regentschaft.
(Fortsetzung)
Eine kleine Rolle von Wachsleinwand kam zum Sorschein. Alle stürzten darauf los, um sie zu ergreifen; »och Marini hatte sich derselben bereits auf geschickte Weise bemächtigt und zog ein zusammengerolltes Per- zament auS derselben, das er achtungsvoll dem Herrn )on Ferriol mit den Worten überreichte:
„Der Brief ist an den Herrn Grafen gerichtet."
Ferriol laS wie folgt:
„Mein Herr.
„Der Herr von Melac hat mir Vorschläge Seitens der Bretagnischen Edelleute überbracht in Betreff der Interessen der beiden Kronen. Ich beziehe mich auf die besagtem Herrn von mir bereits ertheilte Antwort; versichere Ihnen jedoch nochmals, daß ich Ihnen meinen größten Dank für Ihre gute Gesinnung sage, und Sie mit allen möglichen Mitteln und Kräften unterstützen werde.,,
Im Lager von Saint-Esteban, 22. Juni 1719."
Bei diesem Briefe befand sich ein Zettel des Lieutenant Melac, der sich als ven Ueberbringer einer Summe von 30,000 Franken ankündigte, die von Philipp V. für die Kosten der Unternehmung bestimmt seyen. Die spanische Flotte, an deren Bord sich dieser flüchtige Osfizier befand, wartete nur auf Nachricht, um sich den Küsten zu nähern.
„Sie sehen, meine Herren, sagte Ferriol nach Lesung der beiden Briefe, daß ich Sie nicht täuschte. Ich wußte, daß Se. Majestät ebenso wie wir bereit sey, den Regenten zu stürzen, den wir alle verabscheuen, und an dem ich mich für meine Verbannung und für die gewaltsamen Eingriffe in meine Ehre und meine Rechte rächen will."
„Sie vergessen, setzte Pontcallet hinzu, andere noch geheiligtere Rechte, die Rechte des ganzen Bretagnischen Adels, die der Stellvertreter des Regenten, der Marschall von Montesquieu, beschimpft hat, indem er eS nicht ein# mal der Mühe werth hielt, seinen Wagen zu verlassen, als wir zu ihm kamen."
„An's Werk denn! rief Ferriol; eS bleibt nur noch übrig, Melac und die Befehlshaber der spanischen Flotte zu benachrichtigen, daß sie unS Truppen senden. Ein auf der Spitze von Locquirec oder von Guimac ange- zündeteS Feuer wird ihnen daS Zeichen geben. Es handelt sich nur darum, die Küstenwächter zu entfernen."
„DaS ist ganz einfach; wir wollen hingehen und die frechen Hunde maffakriren, die einen bretagnischen Edelmann ebenso wie einen Dieb zu arretiren wagen."
„Nicht doch! Nicht doch! erwiederte Marini; ich bin in Verschwörungen bewandert. Wir dürfen das nicht thun."
„Kurz, fuhr Ferriol fort, sind die Truppen einmal gelandet, so verbinden wir unS mit ihnen und marschiren auf Morlair; der Generalkapitän, welcher dort residirt, gehört zum Komplott; einmal Meister von Morlair daS seinen Hafen der spanischen Flotte öffnet, gehört Ren- neS und die Bretagne uns."
„Herr von Rohan läßt seinen Bezirk sich erheben, sagte der Rath Lambilly; ich bringe ihnen seine Zusage."
„Ich stehe für den meinigen, bemerkte Pontcallet, und zwanzig andere werden diesem Beispiele folgen."
„Da ist La Roche, unterbrach Ferriol; ich erkenne den Gang seines Pferdes."
AlS La Roche eintrat, umdrängten ihn Alle.
„Schlechte Nachrichten! rief er; der Generalkapitän ist abberufen worden! Ein Befehl deS Regenten ist plötzlich angelangt, eine Postchaise hat ihn abgeführt, ohne daß man ihm Zeit ließ, Jemanden zu sehen ober ein
