gegen den Feind; ihr Aechzen übertönte sogar die gewaltige Stimme des Windes, und bald blieben nur noch einige ungleiche Schöffe auf dem von der Zeit geschwärzten Stamme.
Die Dunkelheit um uns her nahm zu. DaS stets wachsende Grollen des OrkanS machte die äußersten Anstrengungen der menschlichen Stimme vergeblich. Bald verkündete uns starkes Krachen, daß das Haus zu wanken begann. Frauen und Kinder erhoben sich sogleich und gaben durch ihre Gebärden zu verstehen, daß sie in den Keller hinabzusteigen wünschten. Dieser Aufbruch geschah mit Schnelligkeit; nur der Verwalter und ich blieben im Erdgeschoß. Unsere Aufmerksamkeit theilte sich alsdann zwischen dem Barometer, der sehr nahe an der Fallthüre hing, unserm letzten Zufluchtsorte und den erschrecklichen Schwankungen des Gebäudes. Die Mauern schienen sich vor den wiederholten Angriffen des Windes zu neigen. Plötzlich fühlten wir einen mächtigen Stoß, der uns das Blut in den Adern erstarren machte; wir erfuhren später, daß er durch das Zusammenstürzen der Küche, der Ställe und Schuppen, die ans Haus angebaut waren, verursacht worden; war, die insgesammt mit ihrem Inhalte Hinwegerissen: wurden, ohne daß man je wieder eine Spur davon auffinden konnte. Eine große Zahl leichterer Stöße folgten sich mit einem Kanonenschüssen ähnlichen Getöse. Ungeheure Steinmaffen, in die Lüfte geschleudert, trafen und zerschmetterten die Verandahs, welche das Haus umgeben.
Um unser Entsetzen aufs Höchste zu steigern, fiel eine große Röhre von schwerem Holze, die den Saft des - Zuckerrohrs aus der Mühle nach der Siederei einer ' Pflanzung auf drei Meilen nördlich von der meines f Freundes leitete, durch die Luft auf unser Haus nieder, gerade über dem Gemache, in welchem wir uns aufhielten, drang zuerst wie ein Wurfspieß durch das Dach, dann durch den Tisch neben uns und blieb im Fußboden stecken, der Theil der Röhre, welcher aus dem Dache ragte, zog den Wind an und gleich einem mächtigen Hebel sich auf« und niederneigend erschütterte sie das Haus, als ob die Mauern von Karten gewesen wären. Plötzlich krachte dieses ungeheure Stück Holz entzwei und ließ seinen untern Theil im Boden verenkt.
In diesem Augenblick fiel das Barometer auf 18" 50'" herab. Wir spürten oder glaubten vielmehr zu spüren, daß das Gebäude versinke. Wir warfen unserm getreuen Rathgeber einen Scheideblick zu und schickten uns an, in den Keller hinabzusteigen, als wir zu unserm tiefen Staunen das Quecksilber plötzlich um einen Viertelzoll sinken sahen. In der außerordentlichen Ueberraschung,
welche mir dieser Zufall verursachte, ergriff ich den Arm deS Verwalters und brüllte ihm diese betäubende Kunde ins Ohr; allein die menschliche Stimme hatte bei solchem Tosen ihre Kraft verloren, durch ausdrucksvolle Gebärden gelang es mir endlich, mich ihm verständlich zu machen.
Plötzlich bemerkte ich eine wunderbare Veränderung in dem Zustand der Dinge. Großer Gott! rief ich aus, was hat das zu bedeuten? (Forts, folgt.)
Miszellen.
Man meldet aus Paris folgenden Beitrag zur Geschichte der Sitten unserer Zeit: Eine Dame von vornehmer Miene und seltener Eleganz begab sich unter dem Titel einer Gräfin von Wittenbach zu mehreren Geburtshelferinnen und beauftragt dieselben, ihr ein neu gebornes Kind zu kaufen. Der Polizei-Kommissär des Quartiers Saint-Avoye, hiervon unterrichtet, machte sich auf eine Entdeckungsreise und fand im silbernen Löwen, Cour de Badave, die fragliche Gräfin, welche sich bereits ein Kindchen gekauft hatte. Es war ihm dies um so unerklärlicher, da die Frau Gräfin in hochgesegneten Umständen und deren Entbindung sehr nahe schien. Aus dem Verfolg der Untersuchung ergab sich, daß ihre Schwangerschaft nur eine künstliche und die Frau Gräfin nur die Tochter eines Sandmannes, Namens König, von Wittenbach in der Schweiz, gewesen ist, und daß sie als Maitreffe eines reichen Provinzialen denselben verpflichten wollte, sie als Gattin und Mutter anzuerkennen, weßhalb sie nach Paris gekommen sey, wo man Alles kaufen könne. — Und wirklich war es ihr gelungen, zu Belleville, einer Vorstadt von Paris, eine zärtliche Mutter zu finden, welche ihr den Säugling um drei Franken verkauft hatte!!
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Bei der Illumination in Prag, am Geburtsfeste des Kaisers, glänzte an einem Hause folgendes Transparent:
„Hell beleuchtet sind die Häuser Für den trefflichen allgeliebten Kaiser
Franz Josefs!"
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Theater zu Wiesbadeu.
Sonntag den 9. Sept. Die Ränder. Trauerspiel in 5
Akten von Schiller. .
Druck und Vertagter L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
