Der Wanderer.
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Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — .1" 813.
△ Die Circasslerin.
Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.
(Fortsetzung)
Ein solches Ereigniß, das der tugendhaften Rede Sophiens die Krone aussetzte, war ganz dazu geeignet; die Fröhlichkeit der Dienerschaft zu verdoppeln. Die be- scheikrue Tugend Sophiens, die man der Rheinheiligkeit beschuldigte, hatte schon lange den Neid der "Leute des Herrn v. Ferriol erregt, und der Schweizer, der dieses Gefühl theilte, freute sich ebenfalls diese zweite Lucrezia aus dem Gegentheil zu betreffen.
^Woher kommt er?- versetzte die Zofe, die ganz roth geworden, doch ruhig geblieben war.
„Er hat es nicht sagen wollen; er verlangte mit Ihnen selbst zu reden; doch ich ließ ihn dem gemessenen »«W« des Herrn v. Ferriol zufolge nicht eintreten. Er ist auf der Straße geblieben, Sie können ihn durch dieses Fenster sehen."
Sophie blickte hin und da sie die fragliche Person nicht kannte, so antwortete sie rasch:
„Ich nehme keine Briese von Leuten an, die ich nicht kenne; Sie können ihm den (einigen zurückgeben."
„O nein! erwiederte der Schweizer; er hat mir «»empfohlen, ihn gut zu besorgen. Da haben Sie ihn!"
Er warf den Brief auf den Disch.
„Sophie! Sophie! rief La Roche, der plötzlich er- schien. Fräulein Ai'ffa ist unwohl. Eilen Sie ihr zu Hülfe; sie befindet sich bei der Frau Marquise."
Während La Roche so sprach, hatte er den auf dem Tische liegenden Brief bemerkt, und fragte den Schweizer deßhalb. Dieser gab ihm die nöthige Aufklärung und Zeigte ihm den Boten, der noch immer auf der Straße stand 1 ' •
„Diesen Mann kenne ich, sagte La Roche, er ist vom Ritter von Aydie . . . Diesen Brief muß ich haben!"
Kaum hatte Sophie diesen Namen gehört, als sie schnell den Brief ergriff, nach dem La Roche bereits seine Hand ausgestreckt hatte.
„Halt, sagte sie, dieser Dries ist an mich gerichtet."
„Sie haben ja erklärt, daß Sie ihn nicht annehmen wollten;" sagte La Roche.
„Ich habe meine Meinung geändert, erwiederte Sophie; ich will nur verhindern, daß Sic ihn erhalten . .. Was man auch dazu sagen mag, ich will lieber der Böswilligkeit als dem Verrathe zum Ziele dienen."
Nach diesen Worten, die von einem Zornblicke auf La Roche begleitet waren, entfernte sich Sophie.
Als sie in das Zimmer Aissa'S trat, fand sie diese ganz besinnungslos. Erschreckt von dem Zustande, in dem sich das arme Mädchen befand, griff Sophie in der Hast nach einem Flakon mit Orangenblüthwaffer, das auf einem Tische stand, und goß Arssa einige Tropfen ein . .. Als sie eS wieder hinstellte, wunderte sie sich, das Flakon voller zu finden, als es nach dem Gebrauche, den man bereits früher davon gemacht, hätte seyn sollen.
AUa kam bald wieder zu sich; als sie ihre ergebene und treue Freundin wieder um sich sah, erhielt sie auch ihre Ruhe und ihr Vertrauen wieder, und nicht lange, so konnte ihr auch Sophie den Brief mittheilen, den der Ritter von Aydie, wirklich war es dieser, an Sophie ge, richtet. Er enthielt Folgendes:
„Ich verlasse den Grafen von Ferriol, ohne etwas bei ihm ausgerichtet zu haben. Ich kann nicht ohne Schaudern daran denken, daß Sie dw Nacht unter demselben Dache mit einem Menschen zubringen sollen, der weder Recht noch -Pflicht kennt... Pie Gartenthüre dieses Hotels, das er zu einem Gefängnisse für sie zu
