med Ali an die Reihe kommen; denn dieser hatte den Durchmarsch englischer Truppen durch Aegyten verweigert, und dieser Durchmarsch konnte jeden Augenblick bei dem damaligen Stand der Dinge in Indien und Afghanistan unerläßlich werden. Warten durfte England nicht, weil sonst Frankreich sich doch endlich zur Unterstützung Mehe- med Ali's entschließen und ein ernstlicher Krieg daraus entstehen konnte. Mehemed Ali sollte also das Opfer werden, und Mahmuds rachelechzende Seele ergriff die Gelegenheit mit beiden Händen. Die Veranlassung zum Angriff gegen Mehemed Ali war leicht gefunden und der Krieg begonnen, der durch Englands eifrigen Betrieb und Frankreichs Ungeneigtheit für Mehemed Ali jetzt schon zu den Waffen zu greifen, schnell entschieden wurde. Mahmud serlebte die Nachricht von der Niederlage bei Nisib, aber den Triumph nicht mehr den stolzen Mehemed Ali um Gnade bitten zu sehen.
Mit diesem AuSgang war Mehemed Ali'S Macht und Stolz für immer gebrochen: er hatte durch feinen Geist und seine Kraft im Orient und gegen orientalische Kräfte ungeheure Erfolge errungen, sowie er mit euro, päischen Mächten zusammentraf, unterlag er kläglich, ein Bild der Schwäche des Orients dem Occident gegenüber. Die Nachahmung und Nachäfferei europäischer Zivilisation kann den morschen Bau nicht mehr aufhalten, und wenn eS nicht gelingt denselben von innen heraus zeitig zu erneuern, so wird er immer mehr hinsiechen und endlich beim ersten kräftigen Stoß über den Haufen fallen. DaS zeigen die Reformen Mehemed Ali'S und seines beharrlichen Feindes Mahmud aufs augenscheinlichste. Jetzt ist außer England keine Macht im Stande über den Orient zu herrschen, aber eben weil eS die einzige ist — Rußland ist vorerst zu sehr beschäftigt und zu schwach — wird es sich nicht versucht fühlen, eine direkte Herrschaft an sich zu reißen. Eine Erneuerung scheint für Vorder, asien nur noch auS dem Wiederaufleben der Wahabiten, die Mehemed Ali einst gebändigt, entspringen zu können, aber England ist betheiligt diese nicht zu mächtig werden zu lassen.
Miszellen.
Hannover, 20. Aug. (W. Z.) Von Karl Gödecke ist in den Tagen eine Arbeit früherer und stillerer Jahre erschienen: „Deutsche Dichtung. Auswahl aus den Quellen von 1500 bis auf die neueste Zeit." Das Werk ist mit großem Fleiße gearbeitet. Die Uebersichten, die den einzelnen Abtheilungen vorangehen und die Biographien: der Dichter in kurzen Zügen sind sehr anschaulich, die Auswahl ist durchdacht und gut. Das Werk
beginnt mit dem Theuerdank Kaiser Maximilians I, des letzten Ritters und schließt mit dem Schleswig-Holstein meerumschlungen. — Gödecke hat dies Ergebniß mehrjähriger Arbeit Jakob und Wilhelm Grimm gewidmet; diese Widmung schließt mit folgenden Worten: „Wollte Gott, es kämen einst wieder Tage, wo unser Volk im Besitze seiner Freiheit sicher, wiederum Studien begünstigte, wie die, bei denen mich der März des Jahres 1848 überraschte. Ich hatte die Dichtungen des sechszehnten Jahrhunderts aus den Quellen dargestellt, nach Anlage und im Umfange des vorliegenden Werkes. Mit Freuden ließ ich den ganzen Reichthum einschnürm und sagte dem Jahrhundert, dem mich eine dumpfe, schwere Zeit zugeführt hatte, einstweilen Valet, um wieder Mensch unter Menschen zu seyn. Was uns gewaltig und unbezwinglich scheint, darf die Nachlebenden gewöhnlich und alltäglich dünken. Sie haben auch ihre Berge zu steigen, ihre Hallen zu thürmen, über die auch der Wind hinfahren wird wie über unsere Mühen und unsern Fleiß, wie über das Grab in dem unser Unmuth und Siegesjubel bezwungen liegt, nicht unser unsterbliches Theil."
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London, 20. August. In Glasgow hat man neulich eine wichtige Erfindung gemacht, die in Schleswig-Holstein die Artilleristen von Eckernförde ganz besonders interessiren wird, nämlich Kanonenkugeln, die sich selbst erhitzen. Die Kugel hat einen hohlen Kern, der mit einem selbst unter Wasser brennenden Feuerstoff angefüllt und dessen Komposition einstweilen noch ein Geheimniß ist; vom hohlen Kern führen drei enge Oeffnungen oder Pfeifen durch den massiven Theil der Kugel nach Außen. Die Kugel wird nun kalt in eine gewöhnliche Kanone geladen und herausgeschossen, worauf der Brandstoff sich entzündet und mit einer so satanischen Wuth aus den drei kleinen Schornsteinen, um mich des Ausdrucks zu bedienen, herausbrennt, daß eine 12- pfündige Kugel in20Sekundenweiß glühend wird. Wenn sie in Holzwerk einschlägt, so leistet sie natürlich dieselben und noch bessere Dienste als eine auf gewöhnliche Weise erhitzte Kugel und sie gewährt außerdem den unberechenbaren Vortheil, daß es nach Der Ladung mit dem Abfeuern durchaus keine Eile hat, und sich nur der Feind, nicht aber der Freund die Finger daran verbrennen kann. Auch hat man natürlich keine Oefen nöthig und selbst die reitende Artillerie kann sie bei sich führen.
Die „Times" gab heute auch eine Beschreibung der Zündnadelgewehre und ihres Nutzens im Felde. Diese preußischen Musketen, wie man sie hier nennt, sind in England bisher noch nicht eingeführt worden.
Die vierzig pyrenäischen Bergsänger, welche auf ihren Reisen durch ganz Europa sich eines so großen Beifalls zu erfreuen hatten, werden Freitag den 7. September, Nachmittags um 5 Uhr, ein Konzert im Kursaale geben. Wir glauben uns verpflichtet, die Freunde des Männerchor-Gesanges auf diese Gelegenheit eines anziehenden Kunstgenusses aufmerksam machen zu müssen. ***"
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
