Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — .HF 198.
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△ Die Circafsierin.
Geschichte aus bet Zeit der Regentschaft.
(Fortsetzung)
„Ich hatte mir vorgenommen, erwiederte endlich AM, mich nach der grausamen Szene, die sich im Palais-Royal zugetragen, nicht mehr einem Verdachte auszusetzen , der schon an sich entehrend ist; doch da das Interesse des Herrn von Ferriol . . . meines Retters, es unbedingt verlangt, da der Herr Abbe sich für die ehren- werthen Absichten des Regenten in Bezug aus meine Person verbürgt, wohlan! so will ich nach Marly gehen!"
Die Augen Dubois glänzten, als wenn er bereits das Portefeuille des Staatssekretärs unter seinem Arme und den Kardinalshut auf seinem Haupte sähe. Er übergab die Einladung und entfernte sich, wobei er mit Frau von Ferriol einen triumphirenden Blick wechselte.
Am folgenden Morgen begab man sich in aller Frühe auf den Weg nach Marly. Die beiven Damen wurden mit allen Ehrenbezeigungen in dem schonen Schlosse von Marly empfangen. Ueberall sah man Vorbereitungen zur Jagd: DaS Hundegebell mischte sich mit den Tönen deS Jagdhorns! . . . Endlich erschien der Regent in Person zu Pferde, als jedoch Frau von Ferriol und ihre Pflegbefohlene sich ihm nahten, erwiederte . er ihre tiefe Verbeugung nur mit einem leichten Kopfnicken.
In jeder andern Lage hätte ein so frostiger Empfang AM beunruhigt; in diesem Augenblicke fühlte sie nur Freude darüber. Doch näherte sich ihr der Prinz und fragte sie mit zerstreuter Miene, ob sie zum erstenmale zu einer Jagd käme, worauf sie, auf ein Zeichen der Marquise, zögernd zu antworten sich erkühnte, daß sie dieses Zeitvertreibs, sowie vieler andern, durch die er
zwungene Abwesenheit ihres Wohlthäters, deS Herrn Grafen von Ferriol beraubt sey.
Der Regent lächelte und erwiederte wohlwollend, daß er in wenigen Tagen die Sache des Herrn von Ferriol ordnen werde. Doch schien er diesmal sich nur mit der Bitte und nicht mit der Bittstellerin zu beschäftigen.
AM fühlte sich gänzlich über die Folgen des neuen Schrittes beruhigt, den sie der Marquise zu gefallen gethan, und da sie nun außer aller Furcht und Beklem- mung war, so nahm sie sich vor, alle Vergnügungen des Tages zu genießen. Man sah bald reiche Karossen heranrollen, in denen lauter schöne Damen sich befanden, die sich zu dem Feste begaben. Doch mehr als ein Edelmann wunderte sich, Frau von Parabere bei diesem Feste nicht zu sehen. Man wußte, daß sie unter dem seligen Könige oft Mittel gefunden, heimlich in das Schloß zu gelangen und so die strenge Etiquette zu verletzen, die Frau von Maintenon eingeführt hatte. Auch glaubte man allgemein, in der Reise nach Nivernais eine Ungnade für die Parabere uchen zu dürfen, ohne dabei zu beachten, daß man dem Regenten auf diese Weise eine Willenskraft beilegt, die der Nachkomme Heinrichs IV. nur vor dem Feinde bewies.
AM ließ die Wittwe in einen bereit stehenden Wagen steigen, um der Jagd zu folgen; sie selbst, deren asiatisches Blut in der warmen Sonne wieder aufwallte, forderte, nach dem Beispiele der Töchter des Regenten und mehrerer jungen Damen ihres Gefolges, ein Pferd, und schwang sich mit großer Anmuth und Gewandtheit in den Sattel. Die ganze Jagdgesellschaft setzte sich nun in Bewegung, aber nach einer Viertelstunde befand sich AM, die, sey es nun Zufall oder Absicht, weit vorauS- gekommen war, allein in einer Allee dieses großen Waldes von Marly.
