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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgkm. Zeitung.

1849. — 197

A Die Circassierin.

Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

V.

Der Wald von Marly.

Nach den Ereignissen, die daS Souper bezeichnet halten, bei welchem Frau von Parabere sich der jungen Alssa gegenüber befand, sank der Regent wieder unter die Herrschaft der Favoritin zurück, wie man leicht vor­aussehen konnte, dessenungeachtet blieb die Erinnerung an die schöne Circassierin tief in seinem Gedächtnisse ein­gegraben; wie alle schwachen und unentschlossenen Men, schen klagte er sich an, daß er eine so schöne Eroberung habe entwischen lassen, denn er verzweifelte, eine ander­weitige Gelegenheit zu finden. Der Abbe DuboiS, wel- cher vortrefflich in dem Herzen seines Herrn zu lesen verstand, glaubte ihm wieder Hoffnung machen zu müssen, und erhielt ohne Zweifel aus Dankbarkeit dafür die von ihm gewünschte StaatSraths-Stelle.

Indeß hatte Frau von Ferriol zu wiederholten Malen ersucht, Aissa wieder zum Regenten zu bringen. Sie hatte ihr vorgestellt, daß kein Augenblick zu verlieren sey, dem Mann, dem sie so viel verdanke, wieder zu Gnaden zu verhelfen. Durch den Verlust seiner Stellung ruinirt sah sich der Graf von Ferriol, ohne Kredit, ohne Hülfs- quellen in einem fremden Lande, dem Aeußersten preis- gegeben.

„Was mich betrifft, sagte die Marquise, so glaubte ich auf das Interesse rechnen zu können, daS der Regent an Ihnen zu nehmen schien, und in dem Gedanken, daß seine Gunst uns nicht fehlen werbe, schrieb ich bereits an Herrn von Ferriol, um ihn zu bewegen, sein Eril zu verlassen und nach Frankreich zurückzukehren. Ich weiß nicht, wozu er sich entschlossen hat, aber stellen Sie

sich, liebes Kind, seine schmerzliche Ueberraschung vor, wenn er, in der Hoffnung, die ich ihm gemacht, getäuscht, nach Paris käme! Müßte man ihm dann nicht sagen, daß ein ebenso löblicher als unschuldiger Schritt seines Schützlings hingereicht hätte, um ihm alle seine Ehren und Würden wieder zu verschaffen, und daß sein Schütz­ling sich dieses Schrittes geweigert habe?"

Durch solche Reden wankend gemacht, fragte sich Aissa zuweilen, ob es nicht ihre Pflicht sey, allem zu trotzen, um die Rückkehr ihres Wohlthäters zu beschleu­nigen und sein so tief gesunkenes Glück wieder empor zu bringen, koch der traurige und prophetische Blick deS Ritters von Aydic schwebte ihr beständig vor Augen. Dazu hatte die eifersüchtige Wuth der Parabere sie zu sehr über ihre Lage aufgeklärt, um von neuem auf die Rolle einer Bittstellerin einzugehen.

So standen die Sachen, als eines Morgens DuboiS bei der Marquise erschien.

„Ei! liebe Marquise, sagte er zu Frau von Ferriol, man sieht weder Sie noch Ihren hübschen Schützling am Hofe."

„Sollte dies der Regent bemerkt haben?" versetzte die Marquise zurückhaltend.

„Das heißt, erwiederte Dubois, er fängt an, keine Notiz mehr davon zu nehmen, daS beunruhigt mich, in den ersten Tagen nach dem Souper im Palais-Royal sprach er unaufhörlich von der liebenswürdigen Aissa; aber ich sehe wohl, die Parabere hat über diese Erinne­rung triumphirt. Ich war anfangs nicht ungehalten da­rüber, weil ich meinen königlichen Zögling wohl für fähig halte, die Erkenntlichkeit zu mißbrauchen, welche die schöne Abgesandte des Herrn von Ferriol ihm hätte beweisen müssen; doch jetzt tröstet er sich zu sehr über ihre Abwe­senheit. Man hat schon für die GesandlschaftSstelle in Konstantinopel Sorge getragen. Man beschäftigt sich