Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

Bellctristischks Beiblatt zur Nassauischen Allgrm. Zeitung

1849. Ji« 194.

A Die Circassierin.

Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

IV.

Zwei Frauen.

Als Frau von Parabere ein Billet vom Prinzen empfing, das sie am folgenden Tage sammt Ler von ihr eingefüh'rten liebenswürdigen Bittstellerin zum Souper einlud, empfand sie ein schwer zu beschreibendes Gefühl der Verwunderung; obgleich sie jedoch eifersüchtig genug auf ihre Macht und Gunst war, um Liesen Dingen selbst ihre Koketterie zu opfern, so ahnte sie doch nicht im Ge­ringsten die ihr drohende Gefahr.

Unterdessen hatte der Regent, von dem Gedanken an die schöne Fremde ganz eingenommen, nicht aufgehört, gegen Simiane, Biron, Noce, Canillac, alle die gewöhn­lichen Genossen seines Soupers, die herrliche Zusammen­kunft zu erwähnen, die er der Parabere verdankte. Die leicht abz,usehenden Folgen dieses Abenteuers ergötzten die Roue's sehr, die indessen noch nicht das ganze ge­naue Verhältniß bei der Sache kannten. Canillac lachte am meisten; Canillac, der von Frau von Parabere aus, gezeichnet worden, bevor der Prinz als Nebenbuhler auf­getreten war; er verzieh der koketten Favoritin nie die Untreue, die sie gegen ihn begangen.

Die Audienz des Regenten hatte nicht weniger Er­innerungen bei dem jungen Mädchen zurückgelassen; der liebenswürdige Empfang des Prinzen hatte auf ihre Phantasie gewirkt; sie ertrug nicht ungestraft seinen Blick, der, wenn auch durchdringend, doch sanft und einschmeichelnd war. Ein bezaubernder Reiz lag in allen Worten des Prinzen und belebte seine Unterhaltung, obgleich er nach dem Zeugnisse des Herrn von Saint-Simon immer schlecht getanzt und in der Akademie nur sehr mittel­

mäßige Erfolge errungen hatte. Aiffa war von der Er­scheinung des Regenten geblendet, was dem Blicke der Frau von Ferriol nicht entgangen war.

Am folgenden Tage war das Souper in einem kleinen Gemache des Palais-Royal bereit, wo tausend Lichter ihren Glanz auf üppige Gemälde warfen.

Bereits hatten die Roue'S sich versammelt und scherzten noch über vas Abenteuer, das ihnen der Prinz eben erzählte; als sie jedoch die Parabere erblickten, er­starb Las Lächeln auf ihren Lippen.

Ah! sind Sie endlich da, meine Theuere, sagte der Herzogs bei Ihrem Anblicke habe ich mehr als je Ur­sache, die Herrschaft zu verwünschen, die unsere Zärtlich­keit auf so grausame Weise unterbricht."

Gnädiger Herr, ich bin glücklich, baß Sie sich noch wohlwollend Ihrer ergebenen Dienerin erinnern; doch, setzte sie halblaut hinzu, hoffte ich, daß unser erstes Wiedersehen in weniger zahlreicher Gesellschaft stattfinden würde.

Sie Dürfen sich nicht über mich beklagen, da ich Sie mit per liebenswürdigen Person vereinige, für die Sie sich interessiren, und deren Bekanntschaft ich Ihnen verdanke."

Mit der . . . liebenswürdigen Person . . .? versetzte die Parabere, wobei sie einen Ausbruch des Lachens unterdrückte; Ew. Hoheit ist nicht schwer zu befriedigen."

Nicht schwer zu befriedigen! doch ich finde, meine Schöne, daß Sie etwas zu sehr das Recht in Anspruch nehmen, das Sie haben, eS zu seyn."

Wirklich, ich sollte bei Ew. Hoheit soviel Jugend und Schönheit fürchten, erwiederte die Parabere in iro­nischem Tone."

Sie haben von Niemanden etwas zu fürchten, nicht einmal von der, die Sie zu mir gesandt."