geschaffen. — Und nun endlich „das Kâthchen von Heil- bronn." Welch' edle und ungeschwächte Kraft des alten Ritterthnms durchweht das Drama! Wie erhaben, wie großartig ist des Dichters Phantasie, wie bunt der Farbenzauber, der über das Ganze ausgebreitet. Da führt uns Kleist von der düstern Höhle hin zu dem süßduftenden Hollunderbusch, von dem brennenden Schlosse in die mittelalterliche Dorfschenke, von den Schauern der Sturmesnacht in den Glanz der Pallâste. Welche herrliche Gegensätze und wie hat sie der Dichter zu verbinden gewußt, wie verstand er es, den Geist des Zuschauers zu bannen, durch die herrliche frische Poesie, die als die belebende Ader mitten hindurch zieht, und das an und für sich Verschiedenartigste zu einem harmonischen Ganzen verwebt.
Doch wie ist man mit diesem Drama umgegangen! So schön das Schauspiel, so ungenügend die Darstellung! Wir wollen schweigen über das liebende Käthchen, die Schöpfung eines echt deutschen Herzens, daher auch deutsch in jedem Worte, das über die liebekranken Lippen kommt. Frl. Fürst scheint den Dichter nicht verstanden zu haben, oder es war ein Mißgriff von ihr, sich in dieser Rolle zu bewegen. — Aber was war das für ein Wetter Graf von Strahl! Das war nicht der kühne, stolze Ritter, der, gleich dem Adler in den Lüften, mit Hut und Offenheit seine Bahn verfolgt, das war vielmehr eine schreiende Eules, die das Licht scheut, die sich allerdings in den dunkeln Hallen der Vehme am besten befinden mußte, wie denn diese Scene auch das einzige annehmbare, was Herr Stölzel geleistet. Das war nicht der jugendliche offne Ritter, das war ein finsterer Träumer, bei dem man die Worte nur für Heuchelei nehmen mußte! Das war eine erliehene, eine erborgte Ritterlichkeit! Kleistverschmähte, wie Shakespeare, das ängstliche Motiviren in seinen Dramen und so zeigt sich denn gerade bei dem „Grafen Wetter von Strahl" scheinbar manche Kluft, die der Künstler auszufüllen hat durch sein Spiel; auch dies hat Herr Stölzel nicht gethan, im Gegentheil er trieb alles bis zum Ertrem.
Wenn Herr Stölzel auf dem Wege, den er seit einiger Zeit betritt, fortwandelt, dann möchten wir ihm Hamlets bekannte Schauspielerkritik, die Herr Stölzel so oft gesprochen, ins Gedächtniß zurückrufen, denn sie findet in voller Bedeutung bei ihm Anwendung.
Wehe! wäre Hamlet vier Wochen Diktator an unserer Bühne! Herr Stölzel spricht nicht mehr, er singt oder schreit; daß er mit auf der Brust geballter Hand immer ein Viertel seiner Rolle gewaltsam wieder zurückdrängt, wollen wir ihm nicht verargen; wir wollen glau
ben, daß er es aus Achtung für den armen Autor und aus Mitleiven mit den unschuldigen Ohren der Zuhörer thut. — Konnte denn Jemand in dem Schauspiele, „das Leben ein Traum", bei ihm auch nur einen Funken von Natur entdecken? wenn nicht sein Rasseln mit der Kette, was allerdings gelungen zu nennen war. Und doch finden solche Leistungen bisweilen Beifall, möchte man da nicht mit Platen ausrufen:
„Solches mark- und knochenlose Publikum beklaschet nur, Was verwandt ist seiner eignen Froschmoluskenbreinatur!"
Was Herrn Weilenbeck betrifft, so hatten wir es nur dem Umstande, daß seine Rolle klein, zu danken, daß das Spiel nicht ebenfalls störend wurde. Hatte denn die kaiserliche Majestät Magenkrämpfe von der langen Reise, dem schlechten Trunk des Wirths Pech, oder was sollten die Geberden im letzten Akte bedeuten? Wozu immer die Uebertreibungen.
Herr Tietz und Herr Meyer spielten ihre Rolle brav und letzterer war als Rheingraf von Stein eine echt ritterliche Erscheinung. Fräulein Stephanie war, wie in allen Rollen, die aus den höhern Kreisen ent, nommen, gespreizt und gedehnt, während sie in niederen Sphären sich manchmal mit Natürlichkeit bewegt.
Herrmann P r e s b e r.
Mis) eilen.
Von dem sprach- und schreibseligsten aller Mitglieder des ehemaligen Frankfurter Parlaments, dem Erreichsminister Herrn Gräve l l ist vor Kurzem schon wieder ein politisches Büchelchen (in Potsdam) erschienen. Es führt den kurzen Titel: „Kein Oesterreich und kein Preußen! sondern ein einiges starkes und herrliches Deutschland. Wie kann und muß es werden?" Den Riß, den Herr Grävell zu seinem Reichsgebäude vorlegt, suche man in der Broschüre selbst auf. Der Titel seines Reichsoberhaupts soll lauten: „Durch Gottes Gnade und vermöge der Verfassung des Reiches Kaiser der Deutschen, König in Preußen und Herzog von Gnesen."
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Wien, 17. Juli. Der hiesige berühmte Schlachtenmaler L'Allemani wurde in Komorn, als er eben im Begriffe stand, während der eben zu liefernden Schlacht dieselbe zu skizziren, von einer Kanonenkugel getroffen und getödtet.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
Donnerstag, den 26. Juli. Der Salzdirektor, Origtnal- Lustspiel in 3 Akten von.....Vorher: Die Schwäbin, Lustspiel in 1 Akt von J. F. Castelli.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
