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Der Schatten der Revolution verfolgte sie unaufhör- ltch. An der Schwelle Frankreichs zitterte sie noch bei dem Gedanken dort zurückbleiben zu müssen und ihren Söhnen das Schicksal der Kinder Marie-AntoinettenS zu- rückzulassen; aber Frankreich war nicht mehr Frankreich ohne Gerechtigkeit und ohne Erbarmen, das Land der Gefängnisse und der Schaffotte. (Forts. folgt.)

Der Bauernkrieg im Rheingau.

(Fortsetzung.)

Bischof Wilhelm hatte unterdessen dem Bundesheer selbst Dreihundert Reiter zugeführt, und die Fürsten um Hülfe gegen seine Mainzer Unterthanen angesprochen, auch sie vermocht, über Aschaffenburg gegen Mainz die Bundestruppen zu führen. Zugleich richtet er nun (Frei, tag nach Fronleichnamstag) den 16. Juni von Milten- berg aus ein Schreiben an die Rheingauer, worin er ihnen sagt, daß er vergeblich den Heereszug der Bundes- fürsten von dem beschlossenen Einrücken in die Länder deS Mainzer ErzstiftS abzuhalten versucht (?), und der Land­schaft dringend rathe, fünf bis sechs aus der Bürgerschaft sofort nach Weinheim zu senden, denen er seinen Willen kund geben wolle. Dieses Schreiben deS Statthalters wurde mit dem des Bundeshauptmanns Truchseß von Waldburg (vom 12. Juni), dem der Ruf eines blutigen, erbarmungslosen Würgers vorangegangen war, in allen Flecken deS RheingaueS verkündet, und hierauf von der Landschaft die Absendung einer Gesandtschaft nach Wein­heim beschlossen. Die Boten, welche den Bischof hier nicht fanden, folgten ihm über Oppenheim nach Pfeders- heim in daS Lager der Fürsten, wo sie, ohne etwas aus­zurichten, harten Bescheid erhielten, da inmittelst die Nachricht eingelaufen war, baß inzwischen eine Anzahl Rheingauer sich auf dem Bollwerk zu Nieder -Walluff verschanzt habe und zu hartnäckigem Widerstände ent­schlossen sey. Aus dem Lager von Pfedersheim schickten daher zwei der Gesandten, Ostermann von Oestrich und Johann Rab von Geisenheim, einen eiligen Brief an ihre Rheingauer Mitbürger, worin sie die Gräuelszenen schil­dern, welche sie auf dem Schlachtfeld bei Pfedersheim, wo über 4000 erschlagene Bauern den Boden bedeckten, mit eigenen Augen sahen, und oft mit ihrem Fuhrwerk über verstümmelte Leichname zu fahren genöthigt waren. Auf ihre dringende Mahnung, sich schnell zu unterwerfen, ehe, wie ihnen der Statthalter selbst vorgelesen, der Land­graf von Hessen mit den Fürsten und 1500 Pferden das Rheingau feindlich überziehe und es gänzlich zu Grunde richte, wurden ihnen von Seiten der Landschaft Vollmach­ten zur Unterhandlung mit den Fürsten und dem Bundes,

Hauptmann zugefertigt. Mit vieler Mühe und flehentli­cher Bitte erlangten sie endlich durch Vermittelung ihres Statthalters von der Gnade der Fürsten die Verschonung mit dem HeereSzug unter der Bedingung: daß die Land­schaft des Rheingau's sich in Gnade und Ungnade ergebe, 15,000 fl. in Gold baar erlege, dem eigenen Landesfür­sten auf's Neue huldige, und die speziell vorgeschriebenen Artikel annehmen sollten, die ihnen sodann, nachdem sie zu Allem sich bequemt, zugestellt wurden. (Schluß f.)

Theater.

X So hatten wir denn endlich einmal wieder ein Schauspiel von einem unserer bedeutendsten Dramatiker, von einem Dichter, der, hätte er den Aufschwung des deut­schen Volkes erlebt, hätte er die Freiheit, für die sein edles Herz so begeistert schlug, genossen, sich würdig den drei Heroen unserer dramatischen Literatur: Lessing, Göthe und Schiller würde angereiht haben. — Kleist'S „Käthchen von Heilbronn" war eS. — Unter allen unsern neuern tragischen Schriftstellern nimmt Kleist, und zwar mit vollem Rechte den ersten Platz ein. Ist gleich keines seiner Schauspiele frei von wesentlichen dra­matischen Mängeln, tragen sie auch alle das Gepräge seines gedrückten Geistes, so athmen sie doch wieder so viel urtragische Kraft, eine solche Gesinnungstüchtigkeit, soviel erhabene Poesie geeint mit der größten Selbststän­digkeit, daß sie ihrem Verfasser unbestritten die Unsterb­lichkeit gesichert haben.

Von allen unsern Dichtern steht Kleist Shakes- peare'n am Nächsten; er ist der Einzige, der in einzel­nen Szenen mit dem großen Britten glücklich rivalisirt, der ihm kühn, was die Fülle der Handlung, waS die scharfe Zeichnung der Charaktere betrifft, nachstrebte, ohne in unsern Augen, wie so viele Andere, lächerlich zu wer­den. Leider gab er sich in seinem besten ManneSalter selbst den Tod, bevor er seine Sendung ganz erfüllt, er starb als „politischer Werther." So schroff und wirr nun auch des Dichters „Familie von Schroffenstein" seyn mag, so ist sie auch ausgestattet mit vielen hochpoetischen Szenen, die von der größten tragischen Wirkung unS daS entschiedene Talent des Verfassers zum Drama beurkun­den. Bedeutender als dieses Schauspiel ist der „Prinz von Homburg." Da hält der Dichter den stets wild, schweifenden unruhigen Geist im Zaume und während er sonst allzufrei und ungebunden, bewegt er sich hier in den ewigen Regeln der Schönheit. Die Charakterzeichnung des „großen Kurfürsten" ist so gelungen, daß man glaubt, Shakespeare selbst habe sie mit seiner Meisterhand