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des Königs, um den Hof zu verlassen. Sie trat noch am nämlichen Tage in den Ursulinerorden, während Hr. von Fargy nach Brüssel reiste.

Acht Tage später erfuhr ste den Tod des unglückli- chen jungen Mannes, der von dem Grafen von Rochefort im Zweikampfe getödtet ward.

Am 23. August des folgenden Jahres erhielt der Herzog im Augenblicke, wo er aus seinem Zimmer ging, einen Messerstich mitten in die Brust.

Während der Mörder floh, hatte der Herzog nur die Zeit, das Messer auS der Brust zu reißen unter dem Ausrufe r

„Ha! der Elende hat mich getödtet!"

Er siel in die Arme seines Kammerdieners Patrik O'Reilly und des Herzogs von Fryar.

Patrik hob einen Hut von der Erde auf, in dem ein $e^ier sich befand, das die Worte enthielt:

„Der Herzog von Buckingham war der Feind des Reiches; deßhalb habe ich ihn getödtet."

Dieser Mörder war John Felton.

Als Fräulein von Ville-aur-Clercs zuerst der Köni­gin die Nachricht von dem Tode Buckinghams überbrachte, rief Anna von Oesterreich:

„Es kann nicht seyn! ich habe so eben noch einen Brief von ihm erhalten!"

Sie sank ohnmächtig in die Arme ihrer Ehrendamen.

Einige Stunden später kehrte Ludwig XIII. von Saint-Germain nach dem Louvre zurück, um seiner Ge­mahlin die verhängnißvolle Nachricht zu bestätigen mit fröhlichem Lächeln auf den Lippen und in den Augen.

So rächte sich Se. Eminenz der Herr Kardinal von Richelieu.

Lamartine s Geschichte der französischen Revolution von 184=8.

Die Flucht des Königs Ludwig Vhilivp und seiner Familie.

(Fortsetzung.)

Herr Anatole v. Montesquiou, ehemaliger Adjutant des Kaisers, später zum Hofe der Königin Amalie gehö­rend, gehörte zu den Leuten, die von einem Hofmann nichts als die Anmuth des Benehmens besitzen, aber damit die Tapferkeit des Soldaten, die Ritterlichkeit des Dichters, die Hingebung des braven Mannes verbinden. Die Prinzessin, von Hrn. v. Montesquiou beschützt, von den Ihrigen in Paris stündlich von Allem benachrichtigt, was ihrem Mutterherzen nahe lag, was ihre Flucht auf­halten ober begünstigen konnte, brachte mehrere Tage verborgen im Schloß von Ligny zu. Sie war im Höch-1

sten Grade unruhig über das Schicksal ihres zweiten Sohnes, des Herzogs von Chartres.

Im Augenblick, in welchem die Prinzessin der De- putirtenkammer entkam, war sie von ihren Kindern durch das Volk, das die Säle, die Treppen und die Vorplätze anfüllte, getrennt worden; der Herzog von Chartres war gefallen unter den Füßen des Haufens; das Geschrei der Mutter rief umsonst nach ihm; die Fluthen deS Volks waren taub wie die Fluthen des Ozeans.

Die Deputaten und Beamte der Kammer hatten ihr versprochen, ihren Sohn bald zurückzubringen; sie hatten sie beschworen sich nicht selbst unter diesen Umständen inS Verderben zu stürzen, nicht den Grafen von Paris, indem sie eigensinnig in einem Gedränge bleibe, das drohend für sie werden, in welchem sie ersticken oder gefangen ge­nommen werden könne. Zwei AmtSboten der Versamm­lung, NamenS Lipmann, aus dem Elsaß gebürtig und der Prinzessin ergeben, gaben sich undenkliche Mühe, den jungen Prinzen wiederzufinden und zu retten. Während der eine von ihnen, Jakob Lipmann, das arme Kind vom Boden aufrafft, es in seine Arme nimmt, um es zu Athem kommen zu lassen und dem Gepreß der Menge zu entreißen, hält der andere am Eingag eines Ganges die gewaltig anströmende Menge auf, dle ihn niederzu­stürzen droht. Der Amtsbote Lipmann trägt das Kind in seine Wohnung, die an den Palast der Deputirten- kammer stößt; er legt es zu Bett, er sorgt für dasselbe, er benachrichtigt Hrn. v. Lespee, Quästor der Kammer, von dem anvertrauten Gut, daS der Zufall des Tages seinen Händen anvertraut hat.

Hr. v. Lespee, der die Herzogin von Orleans noch im Jnvalibenhotel anzutreffen glaubte, holte um acht Uhr bei Hrn. Lipmann den Herzog von Chartres ab. Hr. Lipmann trägt den Prinzen, gekleidet wie ein Kind des Volks in seinen Armen. Die Herzogin war nicht mehr dort. Hr. de la Valette und Hr. v. Elchingen, übergeben den Prinzen der Sorgfalt von Hrn. und Frau . v. Mornay. Der Prinz bleibt zwei Tage krank in dem Hause einer armen Frau in der Universitätsstraße, welcher Hr. v. Mornay ihn anvertraut hatte, um ihn Nach­forschungen zu entziehen. Hr. und Frau v. Mornay, über die Gesinnung der Regierung beruhigt, nahmen ihn wieder in ihre Wohnung auf, sorgen für ihn auf alle mögliche Weise, und bringen ihn gerettet und wiederher- gcstellt in die Arme seiner Mutter zurück.

Die Prinzessin verläßt das Schloß von Ligny ver­kleidet; eine von ihren Freunden eingerichtete Kutsche bringt sie nach Versailles. In Asnieres nimmt sie die Eisenbahn nach Lille. Schlaflos und im Gebet bringt sie die Nacht am Bett ihrer Kinder zu.