gesehen, waS im Schlosse großen Schreck verursacht hat. Sie thäten Unrecht, Vetter, wenn Sie diese Erscheinung in Zweifel ziehen wollten."
Der Kardinal lächelte verächtlich.
„Wenn sie wirklich stattsänden, so würde ich sie nicht fürchten, weil ich die Macht habe, sie zu bannen und die Geister zu verjagen, doch muß ich Ihnen entdecken, waS ich in dieser Hinsicht erfahren habe, indem ich mit Hülfe Bois-Roberts den Kammerdiener Buckingham's, Patrik O'Reillv, gewann."
„Was hat die weiße Dame mit dem Herzog zu schaffen?" unterbrach der König.
„Auf den Rath der Frau von Chevreuse hat der edle Gesandte des Gespenstes Rolle gespielt. Unter der Verkleidung der weißen Dame ist er eine Viertelstunde in dem Betzimmer der Königin geblieben, ganz allein mit ihr."
„Allein!" wiederholte Ludwig XIII. im Tone unbeschreiblicher Wuth.
„Er entfernte sich nach einer Viertelstunde, weil Sie an der Thüre der Königin vorbeigingen, um zur Jagd nach Saint-Germain sich zu beheben, und Frau von Chevreuse in dem Glauben, Sie wollten bei Ihrer Majestät eintreten, in das Betzimmer stürzte und rief: der König kommt."
„Allein mit ihr!" wiederholte der König, wie vom Blitze getroffen.
Dann den Kardinal am Arme fassend, zog er ihn, ohne ein Wort zu sprechen, in wüthender Haft fort, bis sie vor dem Gitter standen.
„Wenn unser Vorhaben nicht glücken sollte, Sire, sagte Richelieu, so werden wir aus diesem Garten gehen, wie wir eingetreten sind, ohne erkannt zu seyn. Meine Maßregeln sind gut gewählt, und wir werden unmittelbar von Amiens abreisen, wo Niemand unsere Anwesenheit ahnen kann."
Der König schwieg. Ein einziger Gedanke nur beschäftigte ihn.
„DaS Stichwort, meine Herren," fragte leise Meister Guilliaume, der in Folge der Befehle Rochefort's auf seinem Posten war.
Richeleiu legte daö Innere seiner Hand an den Mund. Das Gitter that sich 'auf und beide Edelleute traten ein.
Kurz vorher stieg die Königin Anna von Oesterreich, in einem Mantel verhüllt und ihre schönen Züge unter einer Larve von schwarzem Sammet verbergend, die Treppe des Hotels hinab, sich auf den Arm des Fräuleins von AngenneS stützend.
Am andern Ende des Gartens, in der Schlangen- Allee, öffnete sich eine kleine Thüre, durch welche der
Kammerdiener Bertin den Herzog von Buckingham einführte. (Forts, folgt.)
Die Versetzung der Britannia-Brücke in die Meerenge von Menai *)
(Nach der Shipp, and Mercant. Gazette vom 20. Juni.)
Diese außerordentliche Leistung der Technik wurde am 20. Juni auf die glanzvollste Weise vollbracht. Fast die ganze Nacht waren Die bei der Operation beschäftig, ten Techniker in Bewegung. Leider begann der Morgen nicht zum günstigsten mit einem starken Südwestwind und heftigen Regenschauern, aber wie sich die Sonne dem Meridian näherte, legte sich der Wind, der Regen hörte auf, und" daS Wetter, so wie alles andere begünstigten auf das beste den glücklichen Vollzug des Erperi- ments. Die Szene bot bereits um 6 Uhr den Anblick der größten Geschäftigkeit dar, eine Menge Menschen legten die Boyen und schifften die ungeheuern Taue auf den Plattformen ein. Die Fluth stand um diese Zeit 17 (engl.) Fuß hoch uud die Macht des Windes hob sie
*) Zur Verdeutlichung der folgenden Beschreibung wird eine kurze Notiz dienen, welche wir Dingler's „polytechnischem Journale," 1848, zweites Dezemberheft, entnehmen, wo man auch noch weiter das Technische über die ganz ähnliche, gleichfalls von Stephenson gebaute Röhrenbrücke über die Conwaybucht an der Westküste von Wales nachlesen kann: „Die Insel Anglesea ist an der zur Ueberbrückung gewählten Stelle durch eine Meerenge von 970 Fuß Breite geschieden. In der Mitte befinden sich die Britannia-Klippen, die nur bei niederem Wasser auS dem Meere sehen. Auf diesen Klippen ist ein Mittelpfeiler von 230 Fuß Höhe errichtet, während an beiden Ufern entsprechende Uferpfeiler, und von diesen noch weitere 250 Fuß entfernt die Schlußmauern der Eisenbahndämme aufgeführt werden. Ueber diese vier Oeffnungen und in schwindelnder Höhe — denn unten ziehen die Seeschiffe und Meercswogen vorüber — werden »eben einander je zwei aus schmiedeeisernen Platten vierkantig zusammengenietete Röhren gelegt von solchen Dimensionen, daß sie^ nicht nur ihr eigenes Gewicht zu tragen und der Gewalt der Stürme zu widerstehen vermögen, sondern auch noch die schwersten Eisenbahnzüge durchpassiren lassen können, ohne daß irgendeine bedenkliche Schwankung wahrnehmbar würde." Der Röhren sind zwei, weil die-Eisenbahn zwei Geleise hat und eine einzige Röhre für beide stets einer einseitigen Belastung unterworfen werden, müßte. Auf den im Tert erwähnten großen Gerüsten werden die Röhren zusainmengenietet und verfertigt, da der Transport von so schweren Massen den grüßten Schwierigkeiten unterworfen wäre. Von diesen Gerüsten aus wird jede einzelne Röhre genau an die Stelle in der Meerenge gebracht, über welche die Brücke gehen soll. Diese Versetzung des Rohres ist die im Tert beschriebene Operation. Nun kommt aber noch eine zweite oder vielmehr dritte viel mühsamere, nämlich durch einen Hebapparat die Röhre allmählig bis in jene Höhe zu heben, wo sie für immer liegen soll.
