Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. â 164.

t Die sieben Küsse Buckinghams

(Fortsetzung)

In der That, der Ball war zu Ende, als die In- ka's, die Sophi's, die Schach's, die Khan's und vor Allem der Großmogul verschwunden waren."

Aber Ihr fünfter Akt, Vetter?" fragte der König, wobei er seinen heimlichen Schrecken zu verbergen suchte.

Der Kardinal blieb stehen, und seine hohe Gestalt aufrichtenv, sagte er:

Die Königin stieg in ihren Wagen, sagte er lang­sam. Ein Diener in der Livree und dem Wappen der Frau von Chevreuse stand am Wagenschlag, den er eben geöffnet. Beim Anblicke der Königin beugte dieser Die­ner ein Knie zur Erde, Sire; aber anstatt den Fußtritt des Wagens niederzulaffen, streckte er seine bloße Hand aus."

Es war wohl eine Galanterie der Frau von Chev­reuse," stammelte Ludwig XIII. mit fast unverständli, chem Tone.

Sey eS Zufall, oder Aufregung, oder übermäßiger Eifer, fuhr der Kardinal kräftig fort, die Hand dieses Dieners drückte den Fuß der Königin so stark, daß diese ihn ansah, einen Schrei der Ueberraschung oder des Schreckens ausstieß, und daß bei dem Scheine der Fackeln Frau von Lannoy sie über und über erröthen sah."

Hatte die Königin ihre Offiziere nicht um sich?" rief Ludwig, bleich wie der Tod.

Sie eilten herbei, Sire, doch saß Ihre Majestät bereits mit den Damen von Lannoy und von Vernet im Wagen. Hatte ich nicht recht, Ihnen eine ergreifendere Szene zu versprechen, als irgend ein tragischer Schrift­steller, wäre es auch Tristan l'Hermite oder Garnier, je­mals zu erfinden gewagt?"

Und dieser Diener?" fragte der König mit dumpfer, vor Zorn bebender Stimme.

Dieser Diener, welcher die Königin zu berühren wagte, sagte Richelieu, war an dem nämlichen Abende Gärtner, Zauberer, Dämon und Großmogul.

Sein Name! Sein Name! Ich frage Sie nach sei­nem Namen, Herr, wenn Sie sich nicht meinen ganzen Zorn zuziehen wollen!" rief Ludwig XIII. zitternd wie Espenlaub, mit blutunterlaufenen Augen.

Er mußte sich an eine Mauer lehnen, so schwach machte ihn das fieberhafte Zittern, das ihn ergriffen.

Ich gehorche, Sire, sagte kalt der Kardinal. Frau von Lannoy hat in diesem Diener Se. Herrlichkeit den Herzog von Buckingham zu erkennen geglaubt."

Wieder er! Stets er! murmelte der vernichtete Kö­nig, mit seinen abgemagerten Fingern in die Haare grei­fend. Der Herzog ist ein Nichtswürdiger, ein Verräther. Doch nichts beweist, daß die Königin seine Mitschuldige war... Sie hat sich nicht allein mit ihm befunden... Er allein ist also strafbar.

Sire, erwiederte der unversöhnliche Minister, in dem Zimmer der englischen Gesandtschaft hat Buckingham das Portrait Ihrer Gemahlin aufgehangen."

Haben Sie den Beweis, daß der Herzog dieses Por­trait von der Königin selbst hat?" fragte Ludwig, sich ge­gen den Gedanken seiner Entehrung sträubend.

Sire, eine letzte Anklage wird Ihren Argwohn in Gewißheit wandeln, entgegnete schnell der Kardinal, der seinem unglücklichen Herrn den letzten Stoß beibringen wollte. Eine alte Sage geht, daß von Zeit zu Zeit ein Gespenst im Louvre, dem alten Palaste Ihrer Ahnherrn, erscheint."

Sie wollen von der weißen Dame reden, murmelte der abergläubische König, sich bekreuzend. Ja, vor kaum einem Monat haben die Dienstleute sie in den Gängen