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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

1849. —

JVs 163.

i Die sieben Küfse Buckinghams.

(Fortsetzung)

Das Gesicht des Kardinals nahm einen unversöhn, lichen und spottenden Ausdruck an.

„Wer hat Ihnen denn gesagt, daß mein Verdacht ungegründet sey?" fragte er herrisch.

Der König suchte vergebens eine ausweichende Ant­wort zu stammeln. Er erröthete, wie ein auf einem Ver­gehen ertappter Schulknabe und erwiederte endlich:

„Die Königin-Mutter hat mir neulich gesagt, daß Anna unschuldig sey an den Tollheiten des Herzogs und daß ihre Umgebung auch zu gut gewählt sey, um einen Fehler zu begehen."

„Und Sie fanden diese schmeichelnde Redensart be, ruhigend für die Ehre Ew. Majestät?"

„Es enthält doch Wahrheit, sagte Ludwig XHI. ausweichend. Bis heute wenigstens hat der Gesandte noch nicht allein mit der Königin seyn können, nicht wahr?"

Der Kardinal mäßigte wieder seinen Schritt und antwortete nicht.

„Sie gestehen eö selbst ein!" fuhr der König fort, halb wieder beruhigt und die Hände reibend.

„Sire, erwiederte Plötzlich Richelieu, stehen bleibend, es war ein schönes Fest, nicht wahr? was Ihnen die Frau Connetable von Chevreuse, die geistreiche, kühne und intriguante Dame, in ihrem Hotel gegeben?"

„Wozu diese Frage?"

„Um eine Unterhaltung zu wechseln, die Ihnen Pein, lich ist, Sire. Es fällt mir ein, daß bei diesem Feste es mir viel Vergnügen machte, wie Sie einer gewissen Maske sehr viel Beifall zollten, welche zum Entzücken in einem Teufelballet tanzte, zu dem Sie die Musik kompo-

nirt halten. Die Königin fügte ihren Beifall zu dem Ihrigen. Es war vielleicht die Musik, die ihr gefiel."

„In der That, ich bemerkte diesen Tänzer, der eine bewundernswerthe Grazie entwickelte."

„Fragte Ew. Majestät die Dame von Chevreuse nicht nach seinem Namen?"

„Ich bin nicht so neugierig als Sie, Herr Kardinal. Ich dachte, es sen Einer unserer siebenzehn Gefährlichen. Sie können mir ihn gewiß nennen?"

„Ich reiße keine Masken ab, Sire. Aber wahrhaftig, in dieser Nacht erhielt die Königin eine Ueberraschung nach der andern. Sie verließ Sie, um einen Gang durch die Säle zu machen, wobei sie sich auf den Arm der Fran von Chevreuse stützte. Kaum hatte sie zwanzig Schritte gemacht, als ein junger und galanter Gärtner ihr in der einen Hand ein Körbchen Früchte, in der an­dern einen Blumenstrauß anbot. Die Königin wählte den Blumenstrauß, und ihre Hand berührte die des Gärtners, der ihr einige Worte in's Ohr flüsterte. Frl. von Ville-aur-ClercS hat mir berichtet, daß die Königin damals eine Bewegung des Staunens machte, erröthete und sich schnell entfernte."

„Warum ließ sie diesen Mann nicht verhaften und für seine Frechheit bestrafen?" fragte der König gereizt.

„Ohne Zweifel hatte Ihre Majestät diese Absicht, aber in einer Sekunde war der Gärtner verschwunden, und fünf Minuten später befand sich die Königin am Eingang einer von einem Zauberer bewohnten Grotte. Leichten Sinnes und für jeden Eindruck empfänglich wie alle Frauen, hatte sie bereits den Gärtner vergessen und dachte nur daran, sich von dem Zauberer, der ihre Hand ergriffen, wahrsagen zu lassen. Sollten Sie es glauben Sire, dieser geschickte Wahrsager sagte der Königin so befremdende Dinge, daß sie nahe daran war, ohnmächtig zu werden? Fräulein von Hautefort mußte sie in ihren