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Der Wanderer.

BcllktristischcS Beiblatt zur Rassamschcn Allgem.

1849. — â 156.

Bekenntniß.

Von Robert Prutz.

Ach Ihr zuckersüßen Jungen mit den zart bestimmten Mäulchen, Mit den schönen Kinderpeitschchen und den ausgestopften Gâulchen: Die Ihr, daß ich umgesattelt, laut und heimlich Euch beschwertet, Die Ihr schon für einen feigen Fürstendiener mich erklärtet:

Ja, eS drückt mich, liebe Jungen, eine fürchterliche Sünde, Und nicht Ruhe kann mir werden, bis ich ganz sie Euch verkünde: Ja, ich bin, was Ihr geahnet, bin ein unaussprechbar Frecher, Bin ein dreimal todeSwürd'ger, an der Freiheit ein Verbrecher!

Zwar, ich habe Wohl so ziemlich, hab' in alt und neuen Tagen Für das Volk, nach besten Kräften, meine Haut zu Markt getragen, Habe, während Ihr noch Euer Kindersüppchen habt gegessen, Brust an Brust und Aug' in Auge mich mit der Gewalt gemessen.

Doch was will das, dem Verbrechen gegenüber, noch bedeuten, Meinem neusten, meinem schlimmsten, ach, und dennoch nicht bereuten, Dem Verbrechen, das ich wieder neu begehe alle Tage Und sogar nicht einmal heimlich, nein, das ich zur Schau noch trage;

Daß ich Euch — und kann, in Wahrheit, kann der Wahnsinn weiter taumeln?

Daß ich Euch — und dafür billig an dem Galgen muß ich baumeln, Daß ich Euch — o daß das Haupt mir gleich die Guillotine spalte, Daß, Ihr zuckersüßen Jungen, daß ich Euch — für Narren halte?!

t Die sieben Küsse Buckinghams

(Fortsetzung)

Der Gehülfe hatte das Kästchen geöffnet.

„Ich wußte wohl, sagte er, indem er sich beeilte, der Dienerin die Bedeutung dieses Ausrufes zu erklären, ich wußte wohl, daß eine Vereinigung von so schönen

Steinen nicht verfehlen konnte, das Erstaunen von Madame zu erregen."

Fräulein von Themines betrachtete beständig den Gehülfen.

„Nein, nein, sagte sie bei sich, es ist unmöglich, daß ich mich täusche; er ist eS."

Jemehr sie die Ueberzeugung gewann, daß sie sich nicht täusche, desto mehr erröthete und in desto größere Verwirrung gerieth sie. Wir wagen nicht, die Natur des Gefühles zu bestimmen, das ihr eine so große Un­ruhe verursachte, indeß können wir versichern, daß es durchaus kein Mißfallen war.

„Will Madame die Gefälligkeit haben, die Ohrringe zu probiren? fragte der Gehülfe."

Fräulein von Themines stellte sich vor einen Spiegel und befestigte sie in ihren Ohren: sie hatten einen blen­denden Glanz.

„Und dieses Halsband?"

Das Halsband ward angelegt: es funkelte:

„Was diese Armbänder betrifft, so erlauben Sie, daß ich sie selbst schließe."

Fräulein von Themines hielt ihren Arm hin, ohne den geringsten Einwurf zu machen: sie hatte eine sehr feine und weiße Hand.

Der Gehülfe drückte seine Lippen darauf und bewies sich solchergestalt als Kenner.

„Nun, mein Herr! versetzte Fräulein von Themines im Tone des Vorwurfs, der indeß nichts Erschreckendes an sich hatte."

„Oh! Vergebung, Madame ... es war ein Ver­sehen ..."

„Oft wenn wir in unsern Magazinen allein sind, gebrauchen wir unsere Zähne ... die Gewohnheit hat mich hingerissen."

„Hüten Sie sich wenigstens, mich zu verwunden."