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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Raffanischeu Allgcm. Zeitung.

1849. — M 155

t Die sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

Marie, welche bemerkte, daß in Folge dieses energi­schen Entschlusses das Gesicht ihrer Herrin weniger ver­drießlich geworden, hielt den Augenblick für günstig, um sie daran zu erinnern, daß der Juwelier Samuel noch an demselben Tage erscheinen und den von der Königin- Mutter bestellten Schmuck bringen werde.

Aber sogleich verdüsterte sich wieder des Fräuleins Stirn.

Heute! rief sie, weißt Du gewiß, daß es heute ist?"

„So gewiß, als diesen Morgen Herr Samuel selbst mir anempfahl, Madame zu bitten, daß sie zu Hause bleibe, weil der Halsschmuck und die Ohrringe, wie er sagte, angepaßt werden müßten."

„Und bei Strafe der Ungnade muß ich diesen Mann empfangen, ihm danken, ihn bezahlen!"

„Ich will Madame ein ganz einfaches Mittel Vor­schlägen, ihn los zu werden, nämlich: seinen Schmuck nicht nach Ihrem Gefallen zu finden."

„Ach Gott! ich bin sicher, daß dieser Schmuck von bestem Geschmack seyn wird! . . . Auch würde sich Sa­muel an die Königin wenden. Ach! Alles wäre nicht geschehen, wenn ich mich bei der Vorstellung des Herzogs von Buckingham im Louvre befunden! WaS für ein Mann ist der, Marie!"

„Ein wahrhaftes Wunder, wenn man dem glauben darf, was man in der Stadt von ihm sagt. Kennt ihn Müdame ?"

„Er stand mir gegenüber in der Quadrille der Kö­nigin auf dem letzten Hofballe vor der Abreise der Köni­gin von England; auch habe ich mich mit ihm vor einigen Tagen bei der Königin-Mutter befunden."

„Ich möchte wetten, daß er nicht so schön ist, als man sagt."

„Tausendmal schöner, Marie. Denke Dir Kleider von einer Pracht!... Am Tage seiner Vorstellung, der beizuwohnen ein fatales Unwohlseyn mich hinderte, war er, wie man mir sagte, mit einem goldgestickten Wammse von weißer Seite bekleidet und trug einen Mantel von hellgrauem Sammet, der über und über mit feinen Per­len besetzt war, die, weil sie schlecht angenäht waren, bei jedem Schritte zur Erde fielen. Man beeilte sich, sie aufzulesen, um sie ihm wiederzugeben; aber, solltest Du eS glauben, Marie, er wollte sie nicht nehmen!"

„Ach! das ist schön, das ist groß, das ist erhaben! Welch' edler Herr!"

„Man hat mir versichert, daß daher der herrliche Halsschmuck des Fräuleins von FontrailleS rühre. Ach! ohne mein Unwohlseyn konnte dieser Halsschmuck mir gehören, und ich brauchte heute nicht den unangenehmen Besuch Meister Samuels zu erwarten."

Fräulein von ThemineS wurde von einem Klopfen an der Thüre unterbrochen. Marie eilte, zu öffen und führte einen Mann von ziemlich gutem Aussehen ein.

„Ich bin, Madame, der erste Gehülfe des Juwe­liers Samuel, und bringe ein Schmuckkästchen, das Ma­dame ohne Zweifel mit Ungeduld erwarten."

Fräulein von ThemineS biß sich auf die Lippen.

„Madame wird uns gewiß einige Nachsicht nicht versagen," fuhr der Gehülfe fort, „ein Tag hätte ohne Zweifel genügt, wenn es sich um einen gewöhnlichen Schmuck gehandelt hätte; aber der Auftrag von Madame lautete nur auf Diamanten und Perlen des feinsten Wassers; um diese zu fassen, konnte man sich nicht mehr mit einem gewöhnlichen Arbeiter begnügen, man bedurfte eines Künstlers. Indeß wage ich, Madame zu versichern, daß weit davon entfernt, Vorwürfe zu verdienen, Meister