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Berlin an, wo dann auch zum Ueberfluffe noch Prozesse mit der eben von ihm verlassenen Stadt beginnen, und hier ist es nun, wo er an dem eigentlichen Wendepunkte seines Lebens steht.

Karl Jmmermann läßt in seinem „Mun.1 Hausen" den Hofschulzen vor Gericht die ganze Summe seiner Ansichten und Meinungen zu Protokoll geben, und dabei wird auch des Königthumes gedacht. Der Hofschulze meint: „Hauptsächlich zum Plaisir ist uns der König ge­macht," und in seiner Sprache legt er ihm in diesen Worten eine unbegränzte Hoheit bei, er macht ihn damit zu einem transzendenten Wesen, zu dem die geängstete Kreatur ihre letzte Zuflucht nehme, wenn sie nicht mehr aus oder ein wisse. In solchen Fällen — so ungefähr sagt der Hofschulze — stecke der arme Mann sein Brod zu sich und gehe viele Tage, bis er in die Stadt des Königs komme. Dort stelle er sich vor das Schloß und schaue hinauf, bis der König aufmerksam werde, ihn ru­fen lasse und mit ihm spreche. Werde ihm dann hier kein Trost, so gehe der Arme resignirt heim, denn er wisse, es sey ihm nicht zu helfen, und er trüge sein Elend wie Schwindsucht und Abnehmungskrankheit.

Seltsamer Weise sehen wir ganz dieselben Wege auch den Bürgermeister von Storkow jetzt einschlagen: auch er klammert sich in seiner höchsten Noth an das Königthum an, nur kommt er später nicht zu jener Beruhigung, von welcher der Hofschulze spricht, sondern will, indem er sich selbst aufgeben muß, zugleich das ganze Königthum über den Haufen werfen. Tschech hatte sogleich bei seiner An­kunft in Berlin eine Erläuterung seines amtlichen Lebens in Storkow aufgesetzt, welche ihn bei seinen Schritten zur Wiedererlangung einer Anstellung gewisser Maßen zu legitimiren und seine Person wie seine Grundsätze näher bekannt zu machen bestimmt war. Trotz dieser Denkschrift wollte die Erlangung einer Anstellung nicht gelingen, und der König sollte nun helfen. „Zu dieser Zeit," bemerkt die Tochter, „fing das Verfahren Friedrich Wilhelms IV. und seiner Kreaturen an, welches meinen Vater so oft empörte. Damals schon nahm er den Gedanken in sich auf, möglicher Weise einen ernsten Gang mit diesem Für­sten zu thun, wie er sich einmal äußerte." Er bekommt jetzt schon die zweite verneinende Antwort vom König.

(Fortsetzung folgt.)

theklen hatten, scheint in Trier in ähnliche Konflikte mit der Jugend der Straßen gerathen zu sein, die er auch hier in Köln leider mehrmals zu bestehen hatte. Wenigstens finden wir heute in der „Trier'schen Ztg." „Zwei Worte in Bezug auf die bei meinem Eintritt in die Stadt mir gewordene gröbliche Be­handlung", unterzeichnet: „Ernst Mahner, öffentlicher Lehrmeister der Urgesundheitskunst und einer Heilsamen Ascerik". Adresse: „An die Trier'sche Regierung, auch an alle Obrigkeiten, Könige und Fürsten."

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Am 10. Mai hatten in New-York blutige Austritte statt, zu welchen diesmal des „Mimen flüchtige Kunst" die Veranlassung gab. Der berühmte Schauspieler Macready scheint den Neid seines amerikanischen Kunstgenossen Forrest in so hohem Grade erregt zu haben, daß dieser kein Mittel scheute, den gefährlichen Wetteiferer in Schatten zu stellen, namentlich durch ausgestreute gedruckte Briefe, während Macready es unter seiner Würde hielt, sich weiter mit ihm einzulassen. Macready hatte ein Engagement für eine Reihe Gastrollen im Opernhaus angenommen und wollte dasselbe am 7. antreten; aber ein ganzer Troß von Forrcst's Anhängern, — von der Newyorktribüne „a party of ruffians“ genannt, — trieben ihn, ohne daß die Polizei sich einmischte, förmlich von der Bühne. Macready wollte nicht wieder auftreten, ließ sich aber doch dazu bewegen und spielte am 10. zum zweiten­mal und zwar in „Macbeth." Diesesmal hatte die Obrigkeit ihre Maßregeln getroffen. Als Macready austrat, begann der Lärm von neuem, die Polizei ließ aber alsbald über 30 Unruh­stifter festnehmen und das Stück wurde unter Lärmen u. Toben zu Ende geführt, Macready sogar gerufen. Der Hauptlärm brach bei den Worten aus:

I will not be afraid of death and Jane, still Birnani Forrest come to Dunsinane. *) Es versammelte sich aber ein ungeheurer Pöbel (mob) auf der Straße und begann das Haus mit aufgeriffenen Pflastersteinen zu stürmen. Als die Polizei sah, daß ihre Kräfte nicht mehr ausreichten, requirirte sie das Militär! eine Schwadron Reiter und 210 Mann Stadtmiliz rückten an, die Reiter richteten nichts aus, ein Bajonettenangriff war nicht mehr zu machen, Steine flogen jetzt auf die Truppen, so daß Behörden und Offiziere Befehl zum Feuern gaben; nach zwei bis drei Chargen war die Menge zerstreut, aber es lagen auch fünfzehn Todte auf dem Platze und eben so viel sind seitdem gestorben, mehrere verwundet. Macready war gleich aus dem Opernhause abgereist und wartet in Boston auf das erste Dampfschiff, um nach England zurückzu­kehren. Am folgenden Abend stationirten starke Militärabthei­lungen auf dem Opernplatze. Blätter von New-York sind mit Proklamationen, Resolutionen ic. angefüllt. In New-York sind in der That rasch große Anstalten zur Niederhaltung jeder wei­teren Bewegung getroffen. Es blieb indessen alles ruhig. Etwa 25 Verwundete waren in die Spitäler gebracht; 40 bis 50 Per­sonen hatte die Polizei in Gewahrsam genommen.

Miszellen.

Die Köln. Ztg. schreibt: Herr Apostel Ernst Mahner, dessen ergötzliche Verwechselung mit Hecker wir gestern mitzu-

*) „Ich scheue nicht Gift noch Tod, so lange nicht Birnams Forst nach Dunsinane kommt."

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

KHÄSBSSS

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.