Die provisorische Regierung soll sich noch Langen- Kandel begeben haben, um sich den Rückzug (Flucht) über den Rhein nach Baden zu sichern. Wahrscheinlich ist daS Oberkommando gefolgt und die todesmuthigen Männer d'Ester, Kinkel, Zitz u. A. sind auch mitgegangen, um sich von der guten Sache nicht zu trennen. — Die Frei- schaaren aber werden wie eine heilige Legion um ihre Führer stehen und mit ihnen — fallen, nicht aber laufen.
So weit reichen unsere Berichte. (Die neuesten der unseren Lesern bekannten reichen jetzt schon weiter.) Von den unzählbaren Todten, welche die Preußen gehabt, so unzählbar, daß man sogar sie zu Schiff den Rhein hinabbringt nach Wesel, um sie dort in aller Stille zu begraben, — so unzählbar, daß sie unbegraben in den Rhein geworfen werden und mit Helm und Waffenrock hier lau den (so erzählt man sich in der That in Köln) — von all diesen durch die todtbringende sicher treffende Kugel der tapferen Freischaaren gefallenen Fürsten- und Tyrannenknechte — wissen wir kein Wort. Eben so wenig ist uns etwas bekannt von den vielen Verwundeten, die bei Nacht und Nebel sogar hier nach Köln in die zum Laza- reth umgewandelte Pionier-Kaserne gebracht seyn sollen, obgleich die „Westdeutsche Zeitung" davon ganz genau unterrichtet ist. Nur einzelne wenige der Unsrigen schei, nen geblieben zu seyn, denn es ist ja nur wenig gekämpft worden; ebenfalls nur wenige sind bei Ludwigshafen und Rinnthal verwundet. Aber in den Händen der Sieger dagegen befinden sich viele Gefangene, die ihrem Schicksale entgegensehen. Der Feldzug in der Pfalz dürfte als beendet anzusehen sevn, und die Baiern, welche unter dem Fürsten von Thurn und Taris bereits eingerückt sind, werden jetzt, nachdem ihre Pfalz ihnen Medergegeben ist, die Verhältnisse ordnen und hoffentlich befestigen. (K.Z.)
@in Rückblick.
(Fortsetzung.)
1832 zieht Tschech als Bürgermeister nach Storkow. Wiederholt hatte .ihn vor Jahren ein Traum mit vielem Gepäck durch Sand und Wälder in eine fremde Gegend geführt, wo er bleiben sollte. Seine Gattin ist inzwischen gestorben; Therese, seine eine Tochter, die ebenfalls nicht lange darauf verschied, lehnt matt und still in der Ecke deS Wagens, und „als Berlin" — sagt die noch lebende Tochter Elisabeth — „mit seinen Freunden und schönen Erinnerungen fern und ferner lag und die letzten Thurmspitzen verschwanden, verließ uns ,unser guter Stern." In die Storkower Zustände nun greift der neue Bürgermeister sofort mit einem Eifer ein, der vielleicht deßhalb
seine Stellung so bald unhaltbar machte, weil er zu der Bedeutsamkeit dieser kleinlichen Zustände selbst in gar keinem Verhältnisse stand. Kaum, daß es gelingt, die Landstraßen durch Alleen zu zieren und in den Forsten junge Anpflanzungen zu bewirken. Der Rath, einen kleinen bis Berlin führeuden Fluß zu benutzen, um die Ortsprodukte nach der Residenz zu schaffen und daselbst vortheilhaft zu verkaufen, wird dem Schlendrian der kleinen Stadl schon vergeblich ertheilt. — Auf die Straßen- und Sittenpolizei richtet Tschech ein wachsames Auge. Lärmen und Rauferei wurde uicht geduldet, und Storkow erhielt in der Umgegend den Namen „die scharfe Ecke." Dem Bürgermeister droht man, „den rothen Hahn übers Dach zu jagen," ihn „bei Gelegenheit kalt zu machen" u. s. w. Er aber lebt nur seinem Berufe, stößt gegen Vorurtheile der kleinen Stadt an, läßt den Juden mit den Christen gleiche Rechte widerfahren, weßhalb er mit seiner Tochter wohl „die Berliner Juden" heißt. Wenn die Storkower zur Kirche gehen, so reitet ihr Bürgermeisterauf seiner Olympia, begleitet von seinem schwarzen Kartusch, hinaus in den blauen Dom des großen Baumeisters, wie er zu sagen pflegt, um dort seinen Gottesdienst zu halten. Zur Kirche zu gehen, kann sich der starre Mann nicht entschließen, denn von dem Oberprediger, meint er, muß es heißen: Richtet Euch nach meinen Worten und nicht nach meinen Werken, und von ihm kann Tschech unmöglich Moral hören; der zweite Prediger aber ist ein Pietist.
So kam das Jahr 1840 heran. „Da war es auch" — sagt spöttisch die Tochter des Bürgermeisters —, „wo Friedrich Wilhelm IH. hochselig wurde und Friedrich Wilhelm IV. seine Krone von „„Gott"" empfing." Seinem sittlichen Rigorismus zum Trotze wird von den Storkowern ein Mann zum Stadtverordneten erwählt, der schon wegen Holzdiebstahls bestraft ist. Dagegen sträubt sich Tschech mit Händen und Füßen und gibt sogar Anlaß zu einer Kabinetsordre des neuen Königs, wonach nur unbescholtene Männer zu Stadtverordneten gewählt werden dürfen. Der Wald und die Forstverhält- nisse aber werden nun auch der Ruin des Bürgermeisters. Als Bürgermeister nicht wieder gewählt, verläßt er endlich Storkow, und trotz allem Krakehl, der hier zwischen ihm und der Gemeinde Statt gefunden hat, eilen doch die Leute bei seiner Abreise an die Thüren, und Mancher winkt den Fortziehenden herzliches Lebewohl zu. Ja, Tschech's Unterbeamte hatten sich nicht ohne Thränen von ihm verabschieden können. Unmittelbar nach seiner Abreise ergoß sich unaufhörlicher Regen vom Himmel und zerstörte oder beschädigte sogar die Gegenstände, die er noch aus dem Storkower Schiffbruche gerettet hatte. Als ein vollständig ruinirter Mann langte er wieder in
