besiegt. Gib ihr meine Blässe, meine abgemagerten Wangen, das Fieber, das mein Blut verzehrt und mein Antlitz austrocknet. Kurz, sie möge es seyn, welche zurückstößt, und ich, welche anzieht! Möge sie ihrerseits ohne Hoffnung lieben und vor Kummer, vor Verdruß und ohnmächtigem Neide sterben, indem sie zu meinen Füßen ihr Ideal sicht, jenen liebenswürdigen und herrlichen Ritter, dessen Augen nicht ihre Thränen sehen, dessen Ohr nicht ihre Seufzer vernehmen wird!"
„Ist das Alles, was Du verlangst?" sagte die Stimme mit sardonischem Spotte.
„Was bedarf ich mehr als die Erniedrigung der Königin und die Liebe Buckinghams ?" erwiederte das Fräulein gereizt.
„Du wirst befriedigt werden, wenn Du pünktlich meine Vorschriften befolgest."
„Ich will Alles thun, was ein irdisches Geschöpf vermag."
„Achte denn auf meine Worte. Am Samstag, um die zwölfte Stunde der Nacht, hört die Gewalt auf, welche Dir über mich verliehen ist. Drei Stunden vor diesem Termine, den keine Macht verlâugnen kann, suche mich an diesem Platze auf. Trage Sorge, Dich mit einem Beutel voll Hirse zu versehen, den Du auf die Erde streust, Korn nach Korn, bis zur eilften Stunde. Dann rufe mich. Doch hüte Dich vor Allem, zwei Körner zugleich fallen zu lassen. In diesem Falle dürfte ich Dir nicht antworten. Wenn Du dreimal meinen Namen ausgesprochen hast, der Belphegor ist, so werde ich Dich so wie heute fragen: Was willst Du von mir?— Dann wirst Du plötzlich den Körper deiner schlafenden Nebenbuhlerin zu Deinen Füßen sehen. Berühre ihre Stirne mit deinem Finger, und kehre nach Hause zurück, ohne Dich jedoch umzusehen. Um Mitternacht ist die Verwandlung geschehen."
Im Augenblicke, als die Stimme zu reden aufhörte, ertönte ein heftiger Donnerschlag und der Regen begann wieder mit Heftigkeit zu strömen.
„Wir haben nichts mehr hier zu thun, sagte die Zauberin. Wir wollen uns entfernen."
Fräulein von Ville-aur-Clercs folgte ihr schwankend, voll Glück und Schrecken zugleich über die kühne Handlung, die sie eben vollführt.
Kaum waren sie beide vom Platz du Marche verschwunden, als ein Pfiff am Fuße des Galgens ertönte.
Auf dieses Signal eilte ein Mann, der sich längere Zeit bereits unbeweglich in einem Winkel des Platzes verhielt, herbei zu einem Andern, der sich nachlässig an den Galgen lehnte.
Dann kehrten beide, in ihre Mäntel verhüllt, schnel, len Schrittes nach dem Hotel des englischen Gesandten
zurück, der Herr lachend wie ein Ueberglücklicher und der Diener Patrik O'Reilly grinzend wie ein Verdammter.
(Fortsetzung folgt.)
Der zehntägige Feldzug in der Pfalz.
(Schluß.)
Die dritte Division (Niesewand) hatte, ohne erheblichen Widerstand in dem Lauterthale zu finden, Kaiserslautern erreicht und dort der provisorischen Regierung willkommenen Grund zur schleunigen Flucht gegeben, wozu die Eisenbahn sehr gelegen war; ihr folgten die tobesmuthigen Kämpfer, um im Neustädter Thale entschiedenen Widerstand zu leisten, oder vielmehr — wie der „Bonner Zeitung", Organ des Hrn. Kinkel, aus Neustadt vom 18. geschrieben wird — um dort, wohin sich auch das Oberkommando gezogen hatte, — sich mit den übrigen Pfälzer Streitkräften zu sammeln, wo sich eine Schlacht vorzubereiten scheine. — In Kaiserslautern machte die Division Ruhetag.
Die vierte (Reserve-) Division hatte auf ihrem Marsche ein unbedeutendes Vorpostenscharmützel bei Mor- schadts, schien dann bei Kirchheimbolanden Widerstand zu finden; doch der Bürger Zitz, der sie kommandirte, zog sich nach einigen Schüssen mit Hinterlassung mehrerer Todten und Gefangenen nach Göllheim und dann nach Neustadt, unzweifelhaft, um bei der eben erwähnten sich vorbereitenden Schlacht nicht zu fehlen. Doch diese Schlacht wird niemals die Blätter der Kriegsgeschichte zieren, — denn sie ward nicht geschlagen. — Den 16. war das Hauptquartier des Generals Hirschfeld schon in Dürkheim.
Während die vierte Division nun am Fuße des Gebirges ihren Weg verfolgte, war die dritte Division ebenfalls am 16. gegen Dürkheim und Neustadt vorgegangen. Eine Abtheilung ging über Elmstein (nach den Berichten der „Deutsch. Ztg." Eberstein, welches aber auf der Karte nicht verzeichnet ist) nach Frankeneck ins neustädter Thal vor, um die schwierige Passage in dem engen Thale von Frankenstein, wo nur Raum für die Eisenbahn, die Chaussee und den Hoch-Speyerbach ist, und wo bedeutende Hindernisse und Widerstand vorbereitet seyn sollten, zu umgehen. Doch auch hier war kein Widerstand, — weder in den Wäldern und Schluchten des Gebirges, noch in der Ebene. Dürkheim und Neustadt waren geräumt, die Schlacht wurde nicht geschlagen, und am 18. war das Hauptquartier des Korps schon in Edenkoben, 1. Meile nördlich von dem an demselben Tage entsetzten Landau.
