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des berliner Zeughauses ? Wo sind die Männer der pro­visorischen Regierung, Fries, Hepp und Schmitt, die eine so schöne Proklamation erlassen, die getreuen Nachbeter und Organe eines D'Ester und eines Kinkel, wo sind sie selbst diese Redehelden? Wo ist Willich mit seiner Schaar, der Landau nehmen wollte? Wo ist Anneke mit seinen Geschützen? Wo ist Beust mit seinem Feldherrntalent? Merkwürdig! die Kriegsgeschichte wird die Namen der Helden nicht nennen können, denn die vordringenden preußischen Kolonnen sind auf keinen derselben gestoßen, um sich, was sie so gern gethan hätten, mit ihnen zu messen. Es ließen sich ernste Betrachtungen an diese Er­scheinung knüpfen; doch wir wollen in kurzen Zügen die Operationen selbst beleuchten.

Die Avantgarde-Division hatte den ersten Strauß vor Frankenthal mit einzelnen Freischärlern unter dem tapfern Obersten Blenker, der bei Zeiten verschwand; sie nahm am 15. Ludwigshafen in ersterem Gefechte, da über­gegangene bayerische und badische Soldaten ihnen gegen­überstanden, jedoch ohne erheblichen Verlust; der Ort hat es theuer bezahlen müssen, da er von Mannheim aus be, schossen wurde und viel gelitten haben soll. Das 1. Ba­taillon des 28. Infanterie-Regiments, dasselbe, welches vor Kurzem die anstrengende Erpedition nach Landau vor­trefflich ausgeführt, erwarb sich hier neue Lorbeern. Von Ludwigshafen ging die Division weiter nach Speyer, wo das Landwehr-Bataillon Iserlohn zeigte, daß es jetzt wie­der ganz Soldat war — und wahrscheinlich wird es auch diese Division gewesen seyn, welche die Festung Germers­heim entsetzt hat. — Die weiteren Nachrichten liegen noch nicht vor.

Die zweite Division, Gen.-Major von Webern und unter ihm Oberst von der Chevallerie, rückte von Neukir­chen auf Homburg, suchte dort am 13. vergebens den Feind unter Schimmelpfenning zum Stehen zu bringen, ging dann nach Landstuhl, wo sie Ruhetag machte, und von hier aus quer durch das Hardlgebirge über Roth- Alben (eine Meile nördlich von Pirmajenz) in das an- weiler Thal, welches bei Landau in die Ebene mündet. Die weitverzweigten, tiefen, größtentheils bewaldeten Schluchten der Haardt boten das schönste Terrain für den Guerilla-Krieg, und hier, sollte man glauben, würden die Freischaaren den Beweis geliefert haben, daß es ihnen Ernst sey mit ihrer „Kampfeslust"; doch sie sind den Be­weis schuldig geblieben! Auch hier war nur Widerstand bei Rinnthal, unweit Annweiler, in einer engen, tief ein, geschnittenen Thalschlucht, die mit Verhauen und Barri­kaden verlegt war. Die Hindernisse wurden genommen und beseitigt, wobei die .Füsiliere des 25. Regiments und die Jäger sich auszeichneten; etwa 20 todte, 40 ver­wundete und 70 gefangene Freischärler mußten den Wi­

derstand zahlen. Die Angreifer hatten nur wenige leicht verwundete Füsiliere und Jäger. — Am 18. Juni war die Kolonne in Landau. (Schl, f.)

Cin Rückblick

Es ist einer der Fälle, wo der Einzelne von dem Rechte, durch Wort und That sich mitten in große Ereig­nisse der Zeit hinein zu drängen und sich selbst oder die Persönlichkeit eines Anderen, vielleicht schon Verschollenen auf einen Augenblick im Lichte der Gegenwart zu spiegeln, einen sehr überraschenden Gebrauch macht, — es ist einer dieser Fälle, sage ich, daß jetzt in eine große politische Bewegung hinein die Tochter Tschech's tritt mit dem blu­tigen Haupte ihres Vaters, der einst auf seine frivole, willkürliche Weise in das Rad der Geschichte eingreifen und den Fürsten vernichten wollte, dem das deutsche Volk später noch, gleichviel, ob verdient oder unverdient, eine Kaiserkrone angeboten hat.*) Man braucht aber gerade kein Behagen am Verbrechen zu empfinden, um das We­sen eines Mannes mit Aufmerksamkeit zu betrachten, den

*) Die „Allgemeine Zeitung" enthält eine Lucubration über Staps, Sand, Tschech. Sie sagt: „Drei Meuchelmörder! aber die Sturmvögel, Vorboten von drei stürmischen Perioden in der politischen Geschichte Deutschlands. - Die drei Vorboten oder Raketen waren Staps, Sand und Tschech, alle drei Söhne von Geistlichen, die eine gute Erziehung genossen. Sie bedeuteten den Anfang von drei verschiedenen Perioden. Erste Periode: Krieg gegen den fremden Feind. Zweite Periode: Nach dem Siege, Krieg gegen die Söldlinge der Fürsten. Dritte Periode: Krieg gegen die Fürsten selbst! So ist'S; so ist eS leider; was hilft's, die Augen gegen das Uebel zu verschließen? Die Klug­heit wie die Pflicht des Staatsmannes gebietet, das Uebel in seiner Nacktheit, in seiner ganzen Große zu betrachten und zuvorderst die vorbedeutenden Symptome nicht zu verachten, damit ernste Gegenmittel nicht erst angewandt werden, wenn es zu spät ist. Es wendet sich der Unwille, ein rasender Un­wille geradezu gegen die Fürsten. Was nie möglich gewesen wäre zur Zeit Friedrich Wilhelm's III., das ist geschehen gegen den königlichen Sohn. Der Zauber, welcher die alten königlichen Throne umgab, ist geschwächt und hat geschwächt werden müs­sen. In kurzer Zeit dankt ein König ab und noch ein König und ein Kaiser und noch ein König. Das patriarchalische Ver­hältniß zwischen Herrscher und Unterthan hat ein Ende. Man will nicht mehr Gesetz und Willkür verwechselt wissen. Die Welt läßt sich so wenig durch Kabinets-Befehle wie durch Bullen regieren. In England würde es lächerlich klingen, wenn die Königin Victoria die Lords und die Mitglieder des Unterhauses anreden wollte: Meine Kinder! Man würde glauben, daß sie demselben Uebel verfallen wäre, dem ihr Großvater unterlag. Aber eine starke königliche Macht in Deutschland ist wahrhaftig nöthig. Zwischen Frankreich und Rußland kann Deutschland nur durch ein großes, starkes, treues Heer, mit einem mäch­tigen Fürsten an der Spitze, bestehen!"