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Dann, von konvulsivischem Schauder ergriffen, fuhr sie mit der Hand den Rücken des Verurtheilien hinauf bis zum Scheitel, ergriff eine Haarlocke, die sie mit Mühe abschnitt, und glitt dann mehr, als sie hinabstieg, auf die Erde herab, wo sie ohne Bewußtseyn niederfiel.

Die Zauberin spritzte ihr, um sie wieder zu erwecken, einige Tropfen kaltes Wasser in das Gesicht. Dann be­mächtigte sie sich des Haares und legte es, mit verschie­denen Pulvern gemischt, mitten auf die Kohlen, von de­nen sogleich ein rother, dichter und erstickender Rauch aufstieg.

Um diese wirbelnde Säule herum bewegte sich die Alte. Sie zeichnete mit einem Sykomorenzweige magische Kreise in der Luft und auf der Erde, und murmelte un­verständliche Worte dazwischen.

Endlich schwieg sie: die Zeremonie der Beschwörung war geendet.

Es trat ein kurzes Schweigen ein. Das Ehrenfräu­lein zitterte unwillkührlich in Erwartung eines ungewöhn­lichen Ereignisses.

Plötzlich ließ eine Grabesstimme die Worte hören:

„Was willst Du von mir, der du mich an diesen verfluchten Ort gerufen?"

Diese Stimme schien aus dem Fuße des Galgens zu kommen.

Die erste Bewegung des Fräuleins war, einem An­fluge unwillkürlichen Schreckens nachzugeben und zu fliehen. Doch die zweite bestand darin, die Hände zum Zeichen der Freude zu falten bei dem Gedanken, daß jetzt alle ihre Wünsche erhört würden. Doch wagte sie nicht zu antworten.

„Der Zauber ist gelungen, sagte die Zauberin, fra- gen Sie den Geist, er wird antworten."

„Muß ich hier die Mittheilung wiederholen, die ich Euch gestern machte?" fragte das Fräulein verwirrt die Alte.

„Das ist unnöthig! erwiederte der Geist mit furcht­barer Stimme; der, welcher in den Gedanken liest, be­darf Deiner Worte nicht. Höre mich an, und sage mir, wenn Du es wagst, daß ich mich im Irrthume befinde."

Das Fräulein athmete kaum.

„In Deinem Herzen, fuhr der Geist fort, gibt es zwei Leidenschaften, welche Dich Tag und Nacht beun­ruhigen."

„Diese Leidenschaften heißen?" fragte das junge Mädchen ängstlich.

„Neid und Verlangen!" erwiederte die Stimme mit Nachdruck.

Das Fräulein verbarg auS Scham ihr Gesicht mit beiden Händen, als wenn die Augen des ganzen Hofes sich in diesem Augenblicke auf sie hätten richten können.

„Ja, Du hassest und liebst, sagte der Geist. Du hassest mit Muth; Du liebst unsinnig! Du hassest eine Frau, weil sie schöner, liebenswürdiger und mächtiger ist als Du!"

Ein Seufzer entwand sich den zusammengepreßten Lippen des Fräuleins.

„Du liebst einen Mann, der Dich nicht kennt und der Dich nie bemerkt."

Zwei große Thränen rollten über die bleichen und magern Wangen des Fräuleins. (Forts, folgt.

Der zehntägige Feldzug in der Pfalz.

Köln, 22. Juni. Es war am 13. Juni, als die vier Divisionen des ersten Armeekorps der preußischen Operationsarmee am Rhein die Gränze überschritten und auf verschiedenen Wegen in die Pfalz einrückten. Die 1. (Avantgarde-) Division, General von Hanneken, von Worms auf Frankenthal, die 2. Division, General von Webern, über Homburg, die 3. Division, Gen. von Nie- sewand, über Lauterecken im Lauterthal, auf Kaiserslau­tern, die 4. (Reserve-) Division, Gen. von Brun, von Alzey auf Kirchheimbolanden. Der kommandirende Ge­neral, Gen.-Lieutenant von Hirschfeld I., hatte in zwei Proklamationen vom 12. Juni zu den Bewohnern der Pfalz und zu seinen Truppen herrliche Worte gesprochen. Den ersteren versprach er den durch Aufruhr und Verrath ge, störten Frieben wieder zu bringen, den anderen sagte er, daß Preußens ruhmvolle Waffen berufen seyen, Recht und Gesetz wieder herzustellen, Freiheit und Frieden in die insurgirten Lande wiederzubringen. „Kameraden aller Waffen!" sprach er, „mit Gottes Hülfe werdet Ihr diese Preußens tapferer Armee würdige Aufgabe wie Ehren­männer lösen, zum Ruhme Eurer glorreichen Fahnen und zum Heile unseres gemeinsamen Vaterlandes, das erwarte ich von Eurer Tapferkeit mit Zuversicht.

Zehn Tage sind vorüber, und nach allen Nachrichten, die uns vorliegen, ist das Tagewerk in der Pfalz voll­bracht, die Ordnung hergestellt und das schöne Land von den Freischaaren gesäubert. Wo sind sie Hin, die tapfern Kämpfer für Freiheit und die deutsche Verfassung, die so bereit waren, Gut und Blut zu opfern und für ihre Sache „bis auf den letzten Mann zu stehen und zu fallen"? Wo ist der tapfere Oberkommandant der Pfälzer Volks­wehr, General Sznayde, mit seinem noblen Chef des Ge­neralstabs, dem von der Festung Magdeburg entsprunge­nen ehemaligen preußischen Lieutenant Techow, bekannt durch sein ehrenwerthes Benehmen bei der Plünderung