Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen eiligem. Zeitung
1849. — 3J 150.
f Die sieben Küsse Buckinghams.
(Fortsetzung)
Buckingham näherte sich achtungsvoll dem Ehrenfräulein und sagte, als 'er Fräulein von Grancey vor Scham und Furcht zittern sah:
„Niemals, mein Fräulein, soll ein Wort über diesen Abend aus meinem Munde kommen, mein Edelmanns- Wort darauf. Erlauben Sie mir indeß, eine Gunst für mein Schweigen zu erbitten."
„Welche?" fragte Fräulein von Grancey, ihn unruhig ansehend.
„Ich muß Sonntag nach Boulogne - zurück; erlauben Sie mir, mich am Samstag Abend sür die Gast- freundschaft zu revangiren, die Sie mir so freundlich heute bewilligt."
„Wie! Herr Graf! ich soll zu Ihnen kommen."
„Nein; sondern unter den kühlen Schatten eines Gartens, den Meister Andre einige hundert Schritte von der Stadt besitzt."
„Es ist wahr, der Garten Meister Andre'S kann für ein neutrales Land gelten. Doch ein solcher Schritt von meiner Seite. . ."
„Ich füge hinzu, unterbrach schnell der Graf, daß ich dem Wirthe anempfehlen werde, es noch bester zu machen, als diesen Abend, wenn es möglich ist."
Fräulein von Grancey konnte sich nicht enthalten zu lächeln, und antwortete mit niedergeschlagenen Augen: „Ich willige ein."
XII.
Buckingham nahm Abschied von Fräulein v. Grancey um halb zehn; doch statt sich nach seinem Hotel zurückzubegeben, zog er sich in das kleine Zimmer zurück, das Meister Andre ihm bis zum Morgen eingerâumt hatte.
Doch schien er nicht Willens, dort die Nacht zu bleiben, denn er legte weder seinen Hut, noch Degen, noch seinen Mantel ab.
Nach einer Viertelstunde trat ein Mann in daS Gemach.
Es war Patrik O'Reilly, sein Kammerdiener.
Patrik triumphirte. Der Verschlagene, mit den Instruktionen seines Herrn ausgerüstet, hatte ein ebenso ruhiges Gewissen, als der Kaiser Titus, denn er hatte seinen Tag nicht verloren.
„Nun, fragte ihn der Herzog, bist Du beim Juwelier der Königin-Mutter gewesen?"
„Bei ihm habe ich angefangen, gnädiger Herr."
„Was hat Dir der ehrliche Samuel gesagt?"
„Der für Fräulein von Themines bestellte Schmuck sey noch heute von Paris angelangt, und morgen werde er ihn in Folge des Befehles Ihrer Majestät mit einer Rechnung von zwanzigtausend Franken der geizigen Ehrendame übersenden."
„Zwanzigtausend Franken. Gut. Zu welcher Stunde morgen, Patrik?"
„Um Mittag." e
„Um zehn Uhr bin ich bei Samuel. Hast Du den Herrn des Hotels gesehen, wo Fräulein von Hautefort wohnt?"
„Ja, gnädiger Herr."
„Willigt er ein?"
„In Alles, was Ihre Herrlichkeit ihm befehlen wird."
„Also ist mein Projekt ausführbar?"
„Nichts leichter. Es handelt sich nur darum, eine Zwischenwand beweglich zu machen. Fräulein v. Hautefort hat heute Dienst bei der Königin. Die Abendzeit und zwei Arbeiter werden genügen, dem Wunsche Ihrer Herrlichkeit nachzukommen."
„Ich habe also einen großen Theil des morgenden
