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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Naffamschm Allgem. Zeitung.

1849. — â 149.

i Die sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

Meister Andre erschien nach einer Viertelstunde wieder.

„Nun?" fragte Fräulein von Grancey.

„Ich habe Alles bei dem Fremden versucht, um die Rechte von Madame geltend zu machen."

„Und er hat sich beeilt, sie anzuerkennen?"

„Im Gegentheil, er hat sich entschieden geweigert."

„Das ist unerhört! Was ist er denn für ein Mensch?"

„Nach seinem äußeren Ansehen und seinem Beneh­men zu urtheilen, muß er ein Mann von Stande und sehr reich seyn."

„Ich finde in seinem Benehmen gegen mich keinen Beweis dafür."

Fräulein von Grancey begann, sich ernstlich zu be, unruhigen; nach einigem Nachdenken entschloß sie sich, zu einem Vergleiche sich herabzulassen."

„Meister Andre," sagte sie zu dem Wirth, der so­gleich ein boshaftes Lächeln unterdrückte, „kehren Sie zu Ihrem Reisenden zurück und bieten Sie ihm einen ge­nügenden Antheil an dem Souper an, das der Gegen­stand unserer Verhandlung ist."

Meister Andre beeilte sich, zu gehorchen.

Als er zurückkehrte, verkündete seine zufriedene Miene, daß die Verhandlung diesmal eine günstigere Wendung genommen habe.

„Madame, ich habe dem Reifenden Ihren Vorschlag mitgetheilt, er nimmt ihn an."

„Herrlich I"

„Doch stellt er eine Bedingung."

„Eine Bedingung! worin besteht sie denn?"

„Der Reisende, Madame, nimmt mit Vergnügen die

Theilung des Souper an; nur wünscht er, daß diese Theilung an demselben Tische vor sich gehe."

„Welche Frechheit! rief Fräulein von Grancey aus, Sie haben doch kein Wort gesagt, hoffe ich, das glauben läßt, ich wolle auf einen so unpassenden Vorschlag ein­gehen?"

„Es schien mir im Gegentheil, Madame, daß Nichts natürlicher sey."

„Schweigen Sie! Sie begehen heute nichts als Un­schicklichkeiten."

Meister Andre schien diesmal wirklich bestürzt.

Fräulein von Grancey kämpfte innerlich mit sich selbst; obgleich sie dies nicht durch Geberden oder Aus­rufungen verrieth, so sah man es doch leicht an den höhern Wallungen ihres Busens und an der abwechseln­den Rothe und Blässe ihrer Wangen.

„Haben Sie mir nicht gesagt, Meister Andre, daß dieser Fremde ein Mann von Ansehn scheine?"

„Sicherlich, Madame."

„Sein Name?"

„Ist deutsch, englisch oder holländisch, und so schwer zu behalten, daß es mir unmöglich ist, ihn zu wieder­holen."

„Sein Alter?"

„Ungefähr dreißig."

„Wenn es doch wenigstens noch ein Greis wäre! seufzte Fräulein von Grancey."

Sie schwieg einige Minuten, seufzte zum zweiten Male und erwiederte dann mit einer Stimme, welche die Erschöpfung ihrer Kräfte verrieth:

„Wird er lange in dieser Stadt bleiben?"

„Nein, Madame, er wird morgen in der Frühe wieder abreisen."

„Ha! machte Fräulein von Grancey, als wenn ihre I Brust von einer schweren Last erleichtert worden."