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Revolntionsbilder.

Paris, schreibt ein Reisender in denGrenzboten", ist jetzt die Stadt der Associationen; überall sehen Sie Schilder prangen mit der Inschrift: Association frater- ncllc des ouvriers tailleurs, coiffeurs, cordonniers etc. Am interessantesten sind die Associationen der Cuisiniers. Es sind dazu ungeheure Lokale außerhalb der Barrieren eingerichtet, z. B. an der Barriere du Maine, woselbst das größte sich befindet, in welchen die hungrige und durstige Menschheit durch gemeinsame Sorgfalt, aber natürlich gegen Bezahlung, gespeis't und getränkt wird. Ueber hundert cuisiniers sociétaires laufen in den Räumen umher: Citoyen, que faut-il vous servir? Citoyen, voullcz- vous asseoir etc. Hier vereinigt sich die Hefe und der Schmutz von ganz Paris, betrunkene Männer und Weiber wälzen sich auf den Bänken und Tischen, düstere, viehisch abgestumpfte Physiognomiken stieren mit verhängnißvollem Ausdruck nach jedem Wohlgekleideten, der einzutreten wagt; Mouchard, Aristo, hört er von allen Seiten murmeln. Jeder hier Einheimische hält einen großen steinernen, mit Eisen beschlagenen Topf vor sich, der mit einem Getränk angefüllt ist, welches sie Wein nennen.

Hier ist wöchentlich der Schauplatz der großartigen Razzia's, welche die pariser Polizei mit unnachahmlicher Geschicklichkeit und Muth auszuführen versteht. Ich glaube auch, daß viele Mitglieder der nunmehrigen Nationalver­sammlung ebenfalls dort Stammgäste sein werden. Denn dieselbe ist aus Elementen zusammengesetzt, welche solche Vermuthung sehr rechtfertigen. Daß drei Schuster, ein Maurergeselle, drei Sergeanten, ein Schornsteinfegerge. hülfe rc. darin sitzen, ist nicht befremdlich; aber daß unter den Mitgliedern zwei Bordellwirthe und ein Henker sind, das ist doch zu arg. Lächerlich war der Aufzug der sozialistischen Deputirten des Elsasses, die mit dem Mes­sageries nationales anlangten. Die Kerle sahen alle aus wie bankerotte Vagabunden, trugen als Kopfbe­deckung das bekannte Bonnet phrygien und mehrere ungeheure Säbel an der Seite. Und von diesen Hans­wursten erwartet man das Heil der Nation.

Miszellen.

Am 16. Mai, als am Johannistag, wurde im Cisterz ienser- stiste Stams das Herz des am 5. November v. I. zu München verstorbenen bairischen Reichsarchivars und Kämmerers, Joseph

Freiherrn v. Hormayr-Hortenburg durch den Prälaten in Gegen­wart der Angehörigen des Verblichenen feierlich beigesetzt und so dessen stets mit besonderer Bestimmtheit und Sorgfalt den Seinen empfohlener Wunsch erfüllt. An der linken Seite des Altars zum heiligen Johann von Nepomuk, wo der Verblichene oft als Knabe ministrirt hatte, da steht nun, wie er es ausdrück­lich gewünscht, ein Stein mit der Inschrift:Dem frommen An­denken des Joseph Freiherrn v. Hormayr-Hortenburg, eines be­sondern Gönners dieses Stiftes, der hier sein Herz verwahrt wissen wollte. Er ruhe in Frieden!"

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Im Hafen von Marseille ist auf einem französischen Dampf­schiff ein Verwandter des Imams von Mascate «gekommen, ausgerüstet mit reichen Geschenken, Wacken, sechs herrlichen Pferden, Gewürzen u. s. w., die für die Großen Frankreichs be­stimmt sind, und womit der Vetter des Imams sich einführen will, um Freundschaft zwischen Mascate u. Frankreich zu schließen. Statt aber freundschaftlichen Willkomm und festliche Bewirthung zu finden, hat Hadchiderwisch im Hafen von Marseille den Besuch der Douaniers empfangen, die sich von ihm den Eingangszoll für seine Lurus-Artikel mit 127 Procent des Werthes ausgeboten haben. Der unglückliche Weise aus dem Morgenlande ist jedoch durchaus nicht genug bei Casse, um sich über solche Proben euro­päischer Gastlichkeit wegsetzen zu können, und sitzt rathlos und verzweifelt am Bord des DampfschiffesCaroline", worauf ihn die Douaniers gefangen halten, bis erbezahlt hat.

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Das am 18. Juni auf der königl. Bühne zu Berlin in Scene gegangene neue Lustspiel:Wie schwer ein Mann zu sein!" von Fr. Elsholtz, hatte ein trauriges Ende. Frau v. Lavallade, als Husaren-Officier, zeigte in der That, wie schwer es ihr wurde, ein Mann zu sein: sie schoß Hrn. Krüger (Lieutenant Ringen) die volle Pulverladung ins Gesicht, so daß das Stück nicht zu Ende gespielt werden konnte.

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Ein Stettiner Bürger, wahrscheinlich Einer aus dem Ge­schlechte Derer von Lalenburg las jüngst den letzten AufrufAn Mein Volk!" und wurde durch die Unterschrift desselben zu dem schmerzlichen Ausrufe veranlaßt:Also so weit is et mit unsern König nu schon gekommen, det Er Sich nich mehr getraut, Sich König von Preußen zu nennen, sondern man blos Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg!"

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Am 15. Juni wurde unter den Linden zu Berlin eine an­ständig gekleidete Dame verhaftet; dieselbe trug eine schwarz und weiße, einen Fuß im Durchmesser betragende preußische Cocarde auf der Brust.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.