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„Wie er mir versicherte, ist er gerade in der Absicht nach Amiens gekommen, um zu erproben, ob mein Ruf begründet sey; er hat meiner Eigenliebe geschmeichelt, sie aufgestachelt. Kurz, mein Kopf verwirrte sich; ich bildete mir fest ein, Sie hatten diesen Abend Dienst bei der Kö- nigin; ich hatte noch Alles, was zu einer ordentlichen Mahlzeit erforderlich war, ich habe die Wette ange­nommen."

„Sie werden sie mit Ehren gewinnen; doch nicht des­halb bin ich besorgt... Ich sehe nicht ein, was dieser Fremde mit meiner Mahlzeit zu schaffen haben kann."

„Madame hat also nicht begriffen, daß nichts mehr in meiner Vorrathskammer bleibt?"

„Sie werden andere Vorrâthe herbeischaffen."

„Unmöglich, es ist erst morgen Markttag."

„Aber Amiens, denke ich, ist doch nicht leer an Buden?"

„Ei, gerechter Himmel! was würde ich dort finden? Einige große Salatköpfe vielleicht..."

„Dann wenden Sie sich an irgend Jemand von Ihren Kollegen."

„Ich habe keine Kollegen, Madame, nur Neider; handelte es sich auch um mein Leben, so würde doch Nie­mand mir beistehen."

„Dann machen Sie es wie Sie wollen, wie Sie können."

„Aber Madame..."

„Sie bilden sich doch wohl nicht ein, daß ich auf mein Souper verzichten werde?"

„Aber..."

„Was soll das heißen? Gehöre ich zu den Leuten, mit denen man ungestraft spielt?"

„Madame..."

„Sie haben eine Dummheit begangen, machen Sie dieselbe wieder gut."

„Aber wie?"

„Welche Lage! mein Gott! was soll ich machen?"

Meister Andre rieb sich das Kinn und hob die Augen in die Höhe, als wenn er dort einen Ausweg suchte.

„Da fällt mir etwas ein," rief er Plötzlich; „ich will meinen Reisenden aufsuchen."

„Daran thun Sie wohl."

„Ich werde ihm meine mißliche Lage vorstellen."

„Und Sie werden ihn an die Lehre des Evan­geliums erinnern: Gebt dem Kaiser, was deö Kaisers ist."

„Wenn er aber Schwierigkeiten macht?"

„Wenn er ein Mann von Geburt und guter Er­ziehung ist, so wird er das nicht thun, besonders wenn er erfährt, daß bei dieser Angelegenheit der Kaiser eine Dame ist."

„In der That, das ist nicht mehr als billig, und ich will versuchen, was zu machen ist."

Fräulein von Grancey wartete ziemlich ruhig das Resultat dieses Schrittes ab; es schien ihr unmöglich, daß der Fremde nicht nachgeben sollte, wäre es auch nur aus Achtung vor ihrem Geschlechte. (Forts, folgt).

Die Springprozefsion zu Gchternach Aus der Konstitutionellen Zeitung.

Trier und der heilige Rock sind zwei Begriffe, die sich gegenseitig hervorrufen, und es gibt wohl wenige Fremde, in denen sich bei einem Besuch der schönen Mo­selstadt nicht der fromme Wunsch oder die profane Neu­gierde regt, die wunderthätige Reliquie zu schauen, die vor fünf Jahren so viel von sich zu sprechen machte. Je­doch auch dem heißesten Verlangen des wunderbedürftig­sten Gemüthes thut sich die Mauer nicht auf, die das kostbare Gewand dem nächsten Jahrhundert aufzubewah­ren bestimmt ist. Wer indeß in der schönen Zeit der Pfingsten an der Mosel weilt, der kann sich reichlichen Er­satz versprechen: nur zwei bis drei Meilen von Trier ent­fernt liegt die Stadt Echternach, wo alljährlich am Pfingst­dienstage eine Feier vor sich geht, die wohl kaum ihres Gleichen haben wird.

Der Weg führt von Trier aus über das Dorf Igel mit seinem merkwürdigen, auch von Göthe beschriebenen Römerdenkmal, immer der klaren dunkelgrünen Mosel entlang, bis nach Wasserbillich, wo man das Thal und den preußischen Boden verläßt und nun auf der Höhe des luxemburgischen Gebiets weiter geht, bis das freundliche Städtchen Echternach aus dem engen Thale der Sauer heraufblickt.

Die Abtei Echternach, oder wie sie im Mittelalter hieß, Erternach, wurde schon im Anfänge des achten Jahr­hunderts von dem heiligen Willibrord, dem großen Apo­stel der Friesen, unter dem Beistand Pipins und der hei­ligen Irene, König Dagoberts II. Tochter, gestiftet, und ist nachmals auch die Grabstätte des im Jahr 739 von den Friesen erschlagenen Heiligen geworden. Ihm zu Ehren wird die in ganz Luxemburg und den benachbarten Theilen von Rheinpreußen und Lothringen hochberühmte Springprozession abgehalten. Ueber ihren Ursprung« sind die Ansichten verschieden: Einige meinen, sie sey erst umS Jahr 1631 aufgekommen, als die jetzige, daS Grab des Heiligen umschließende Kirche eingeweiht wurde, Andere leiten sie von einer besondern Krankheit her, an welcher im Jahre 1374 viele Bewohner Belgiens oder Deutsch­lands litten, der sogenannten Tanzwuth (dem Johannis-