Der Wanderer.
Belletristisches - Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — M 137.
f Die sieben Küsse Buckinghams.
(Fortsetzung)
„Ich will Ihnen ganz unumwunden bekennen, was mich herführt, sagte er mit seiner heuchlerischen Sanft- muth. Ich komme als Träger des Oelzweiges, um das gute Einvernehmen und den Frieden zwischen zwei feindlichen Gewalten wieder herzustellen."
„Herr Graf," erwiederte Fräulein von AngenneS, wieder einigermaßen beruhigt durch den versöhnenden Ton dieses Anfangs, „das ist eine Mission, die zu erfüllen Ihnen nicht schwer werden wird, denn ich glaube mit Niemanden im Krieg zu leben."
„Das ist mit Ihrer Erlaubniß," erwiederte Rochefort, „eine Antwort, die nach der Diplomatie schmeckt. Doch verlassen wir dies Terrain, auf das man sich nur in der Absicht wagt, sich gegenseitig zu täuschen. Ich schwöre Ihnen, daß meine Absichten aufrichtig sind und daß nicht die geringste List in meinen Worten verborgen ist."
„Ich glaube Ihnen, Herr von Rochefort, denn Sie sind Edelmann; ich verspreche Ihnen ebenfalls, nichts zu reden, das nicht der wahre Ausdruck meiner Gefühle ist."
„Wenn ich Ihnen nun erkläre, daß ich, mit dem Zutrauen Sr. Eminenz des Herrn Kardinals beehrt, in seinem Namen zu Ihnen komme, so werden Sie vielleicht zugeben, daß meine Rolle als Friedensstifter nicht ganz unzeitig und imaginär ist."
Fräulein von Angennes versuchte zu lächeln.
„Ich kann Ihnen versichern, mein Fräulein," fuhr Rochefort mit Wärme fort, „daß Sie sich über die Gefühle des Kardinals gegen Sie täuschen."
„Worte fliegen leicht dahin, Herr Graf," sagte Katharina ironisch, „und Thaten beweisen besser als Worte die Gefühle."
„Ich bin völlig Ihrer Meinung, mein Fräulein, ein Beweis von sehr großem Gewicht spricht zu Gunsten Sr. Eminenz."
„Worin besteht denn dieser Beweis?" sagte trocken Katharina mit großem Erstaunen.
„Der Kardinal konnte Ihnen nicht besser seine Ach, tung und Zuneigung beweisen, als dadurch, daß er so sehr wünscht, Sie mit seiner Familie zu verbinden."
„Ich habe ebenso darüber bei der ersten Eröffnung einer Absicht geurtheilt, die mich ehrte," sagte das junge Mädchen mit Würde. „Doch werden Sie es nicht be, fremdend finden, daß ich meine Meinung geändert habe, als ich nach einer Weigerung, die auf anderen Verbindlichkeiten beruhte, wahrhaften Verfolgungen ausgesetzt wurde."
„Das beweist nur," erwiederte Rochefort, „daß es gewisse Dinge gibt, zu deren Verzichtleistung man sich nur schwer entschließt, so groß ist der Werth, den man darauf legt..."
„Sie sind ein Schmeichler, Herr Graf."
„Wie sehr er auch bedauert, daß er Ihren Starrsinn nicht zu beugen vermag, so liegt es doch nicht im Charakter Sr. Eminenz, Ihren Gefühlen Gewalt anzuthun. Ich bin beauftragt, Ihnen diese Versicherung von seiner Seite zu geben."
Das junge Mädchen zitterte vor Freude. Sie befürchtete, nicht recht verstanden zu haben.
„Wenn es sich so verhält, Herr von Rochefort," rief sie, „so wollen Sie meinen größten Dank dem Herrn Kardinal dafür bringen.
„Gestatten Sie mir, meine Mission zu Ende zu bringen, mein Fräulein," sagte der Gras kalt.
„Ah! es war nicht Alles," murmelte die Ehrendame unruhig.
„Se. Eminenz," sprach Rochefort weiter, „beschränkt
