^I Der Wanderer.
Bcllctristischcs Beiblatt zur Rassauischen Allgem. Zcitvn^
1849. — I 136.
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f Die sieben Küsse Buckinghams.
(Fortsetzung)
Buckingham hatte jedoch nicht die Zeit zu antworten.
Eine Kammerfrau trat ein und meldete, der Graf von Rochefort verlange zu Fräulein von AngenneS geführt zu werden.
„Der Graf von Rochefort! wiederholte sie bestürzt. Keine Hoffnung mehr! Herr von Fargy ist verloren!"
„Hat der Graf Begleitung? fragte Buckingham."
„Er ist allein!" war die Antwort.^
j' „Nun denn, sagte Fräulein von Angennes, verabschieden Sie ihn . . . erfinden Sie einen Vorwand. . . Ich bin unpäßlich... cs ist mir unmöglich, ihn zu empfangen." nu ii^irrF m n
„Woran denken Sie, mein Fräulein? warf Buckingham ein, wenn dieser Mann nicht wetß, daß Herr von Fargy hier ist, so wird er es aus Ihrer Weigerung entnehmen. Meine Meinung ist daher, ihn zu empfangen, damit Sie erfahren, was er von Ihnen will. Es handelt sich nur darum, uns während der Dauer seines Besuches zu versteckens"
„Ja, Sie haben Recht, sagte Fräulein von Angennes, mit der überraschenden Beweglichkeit der Frauen von Mutlosigkeit zur Hoffnung übergehend . .; doch wo Sie verbergen? ... Ah! in diesem Kabinet."
Sie öffnete die Thüre eines kleinen dunkeln Kabi, nets, worin Buckingham und Fargy sich versteckten, so gut sie eS vermochten. Dann zog sie den Schlüssel ab und warf sich wieder in den Sessel, wobei sie murmelte :
„Welche Ereignisse ! Großer Gott! eS ist zum Sterben!"
Sie hatte sich noch nicht von ihrer Unruhe erholt, als der Graf von Rochefort eintrat.
Es war ein Mann von 30—40 Jahren, von schöner Gestalt und regelmäßigen Zügen, womit er höfliche Manieren und die angenehmste Stimme verband. Wenigstens erschien er so in diesem Augenblicke. Wir maßen uns nicht an, diesen Proteus zu schildern, den man in einem Tage als Mönch, Soldat, Bürger und großer Herr, schön oder häßlich, jung oder alt, elegant oder ungestaltet, brutal oder höflich sehen konnte, je nach der Mission, die ihm die Laune Richelieu's anvertraute.
„Ich bitte Sie tausendmal um Entschuldigung für meine Dreistigkeit, mein Fräulein, sagte der Höfling nach einer tiefen Begrüßung. Ich habe Sie vielleicht in einer Unterredung gestört."
„Nein doch, mein Herr, erwiederte das Fräulein, dessen Stirn sich mit rosiger Färbung überzog, was dem durchdringenden Auge des Grafen nicht entging. Sie sehen, daß ich allein bin, und wenn ich Sie etwas warten ließ, so ist die Ursache, daß ich heute etwas leidend bin, und Sie in einem Kranken-Negligoe nicht empfangen wollte."
Herr von Rochefort verneigte sich von Neuem, doch zeigte sich ein leichtes Lächeln auf seinen schmalen und feinen Lippen; die Nöthe von Fräulein von Angennes vermehrte sich, als sie dieses Zeichen von Ungläubigkeit sah.
Sie überwand endlich die Unruhe, welche die Sache ihres Geliebten gefährdete, und antwortete kurz:
„Setzen Sie sich, Herr Graf, und theilen Sie mir den Grund Ihres Besuches mit."
Der Graf setzte sich, wobei es ihm jedoch nicht entging, daß die hübsche Ehrendame, statt ihm beim Sprechen anzusehen, verschämt die Augen niederschlug.
