Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur
Allgem. Zeitung.
1849. — M 134.
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f Die sieben Küsse Buckinghams.
(Fortsetzung)
VII.
Durch den geräuschvollen Eintritt des Grafen aufgeweckt, öffnete Fräulein von Angennes halb die Augen und blickte verwundert um sich. Der Anblick Buckingham's weckte sie endlich aus ihrer Betäubung. Sie erhob sich verwirrt und sagte erröthend zu ihm:
„Ich glaube, die Müdigkeit hatte mich zum Schlafen gebracht, Milord, ich bitte Sie um Vergebung."
Dann fiel ihr Blick auf den Grafen.
„Sie hier, Herr von Fargy?" fragte sie ganz erstaunt.
Als sie dann den rechten Aermel seines Wamses zerfetzt und mit Blut bedeckt sah, rief sie:
„Großer Gott! Sie.sind verwundet?"
„Beunruhigen Sie sich nicht, Fräulein, erwiederte der Graf, leidenschaftliche Blicke auf sie heftend; es ist nichts . . . eine Schramme!"
„WaS ist Ihnen denn zugestoßen, lieber Graf?" fragte Buckingham mit seinem gewöhnlichen Feuer.
„Es ist nicht die Zeit, Fragen zu stellen, unterbrach schnell das Fräulein. Denken Sie zuerst daran, die Wunde zu verbinden."
„Oh! rufen Sie Niemand, mein Fräulein, erwiederte der Graf, seinen Arm entblößend. Sie sehen, es ist gar nichts, es handelt sich nur darum, das Blut zu stillen. DaS erste Schnupftuch wird genügen."
„Hier ist das Meine."
Fräulein von Angennes reichte ihm ein Schnupftuch von bewundernswerther Feinheit, auf dem ihr Name mit ihrem Wappen in Gold gestickt war. Der Graf ergriff es hastig und drückte eS zwanzigmal an seine Lippen.
„Ach! Dank, mein Fräulein, Dank! murmelte er
mit zitternder Stimme. Wenn meine Wunde geschlossen ist, werde ich stets dieses kostbare Andenken an das zärtliche Interesse, das Sie mir beweisen, auf meinem Herzen tragen.
Der Graf wand das Tuch, welches das junge Mädchen selbst befestigen wollte, um seinen Arm, doch war die Operation lang und beschwerlich. Die kleinen weißen Hände der hübschen barmherzigen Schwester hatten lange zu thun, ehe sie einen genügenden Knoten zu Stande brachten, sey es, daß sie wirklich durch die unzähligen Küsse des Verwundeten gehindert wurden, sey es, daß sie Vergnügen daran fanden, ein Spiel zu verlängern, das ihnen nicht ohne Annehmlichkeit erschien.
Als der Verband, so gut es ging, fertig war, beeilte sich Herr von Fargy, die Erzählung seines Abenteuers zu beginnen.
„Es ist nur eine Kleinigkeit," sagte er, sich zu dem Herzog von Buckingham wendend, der diese Szene mit boshaftem Lächeln betrachtete; „doch ich fürchte, daß wir Alle eine noch viel ernsthaftere Gefahr laufen. Diesen Morgen verließ ich meine Wohnung, um von Fräulein von Angennes die Antwort zu holen, die ich Ihnen dann überbringen sollte, Herr Herzog, die jedoch, wie ich sehe, Ihre Ungeduld Ihnen nicht erlaubt hat, zu der bestimmten Stunde zu erwarten/
„Ich habe niemals warten können, sagte Bücking, ham lächelnd. Es ist mein geringster Fehler."
„Ich war nur noch wenig Schritte von diesem Hotel, fuhr der Graf fort, als ein Mann, der so sehr in einen Mantel gehüllt war, daß ich sein Gesicht nicht sehen konnte, schnell an mir vorbei lief und mich heftig anstieß. Ich bin nun gerade nicht sehr schwierig im Punkte der Ehre, ich habe nie mit einem Freunde Streit gesucht, weil mir der Schnitt seines Wamses oder seiner Nase mißfiel, oder weil er in Betreff der Tragödien Tristan
