Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — â 133
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f Die sieben Küffe Buckinghams.
(Fortsetzung)
Fräulein von Angennes hatte sich wieder in ihren Sessel geworfen. Buckingham, der ihr gegenüber saß, sagte innerlich zu sich, daß er wenig Grund habe, auf die Hülfe einer Person sich sehr zu verlassen, deren Stellung so nachlässig sey ; indeß verzweifelte er noch nicht ganz.
„Wir haben also, sagte er, vier Tage vor uns?"
„Es ist sehr wenig."
„Es ist viel; es handelt sich nur darum, sie gut anzuwenden."
„Darin liegt die Schwierigkeit."
„Wenn man einen Feind zu bekämpfen hat, so ist der erste Punkt, seine starke und seine schwache Seite auszukundschaften."
„Die starke Seite haben alle unsere Gegnerinnen gemein."
„Worin besteht sie?"
„In einer unbegrenzten Ergebung für den Willen des Herrn von Richelieu."
„Und die schwache Seite?"
„Das ist verschieden; jede Dame hat die ihrige."
„Da muß man sechs verschiedene Batterien spielen lassen."
„Ach! ja, Herr Herzog."
„Diese Unterhaltung scheint Sie anzugreifen."
„Ich habe einen Theil der Nacht zugebracht, mit der Königin zu plaudern, ich habe keine sechs Stunden geschlafen."
„Seyen Sie versichert, mein Fräulein, wenn die Augenblicke nicht so kostbar wären, so würde ich in Verzweiflung gerathen, Sie länger zu belästigen."
„Ich, meinerseits, ich bitte um Ihre Nachsicht, Herr Herzog."
„Ist es Ihnen denn gefällig, die schwachen Seiten dieser Damen hervorzuheben?"
„Gern."
Buckingham zog ein Täfelchen aus seiner Tasche und bereitete sich zum schreiben.
„Welchen Namen soll ich zuerst schreiben?"
„Fräulein von Themines, wenn Sie wollen."
„Und die schwache Seite von Fräulein von Themines ?"
„Sie sollen sie erfahren, indem ich Ihnen ihr ge, striges Abenteuer erzähle."
„Ich bin ganz Ohr."
„Es war großer Empfang bei der Königin Mutter. Fräulein von Themines befand sich auch dort; Sie begreifen, daß es bei diesen wichtigen Gelegenheiten von gutem Geschmacke zeugt, daß Jede von uns durch die Schönheit ihrer Toilette und den Reichthum ihres Schmuckes ihrer Herrin Ehre mache. Das wird ein Wettstreit, der zum Nutzen des Hofes ausschlägt, indem er ihm den Ruf verschafft, der schönste und glänzendste in Europa zu seyn. Nur müssen Sie wissen, daß Fräulein von Themines seit zwei Jahren sich stets in denselben Diamanten und in der nämlichen Kleidung zeigt. Sie sehen wohl ein, daß die Kleider etwas abgetragen sind; was die Diamanten anlangt, so haben sie niemals sehr geglänzt, da sie falsch sind. Die Königin Mutter, welche wahrscheinlich eine Gelegenheit suchte, trat zu ihr, nahm ihren Halsschmuck in die Hand, und rief:
„Mein Gott, liebes Kind, Sie sind betrogen wor, den! wer ist denn Ihr Juwelier? diese Diamanten sind falsch."
Fräulein von Themines crröthete bis in das Weiße der Augen. Die Königin fuhr in einem Tone fort, der ebenso falsch war als die Diamanten:
„Ich werde verhüten, liebe Kleine, daß man Ihre
