Einzelbild herunterladen
 

Moment harrte, der, wie sie nicht anders dachte, nach Sen gut getroffenen Vorbereitungen nothwendig erfolgen -mußte. Sie war schon seit längerer Zeit mit ihrer Schwiegermutter in Korrespondenz getreten, welcher sie die Trostlosigkeit ihres Herzens mit schmelzenden Farben schilderte. Von ihrem Julius getrennt, lernte sie erst seinen Werth mit richtigem Maße schätzen, sie klagte sich aufrichtig und unumwunden ihrer Empfindlichkeit und ihrer Eifersüchtelei, dieser Quelle ehelichen Haders, an, And hatte keinen hohem Wunsch, als zu ihrem Gatten, von dem sie sich im Affekt der Leidenschaft und aus ge­krankter Eitelkeit trennen konnte, mit erneuter und geläu# terter-Liebe zurückzukehren. (Schluß folgt.)

Briefe ans Baden und der Pfalz.

(Fortsetzung.)

Weinheim ist das Hauptquartier der Bergstraße. Es -stehen hier ein Bataillon Linie, eine Schwadron Drago­ner, zwei Bataillone Bürgerwehr und dann Freischaaren aus Baden und Lahr; im Ganzen wohl 3000 Mann. Den Oberbefehl führt der Kommandant der badener Frei­schaar, ein wohlhabender Bürger von ganz gewöhnlichem Ansehen, der sich aber für die Reichsverfassung mit Gut und Blut begeistert erklärt. Er wird Major genannt. Seiner Erzählung nach ist man entschlossen, der Invasion in Lavenburg den ersten geordneten Widerstand entgegen zu setzen, und es soll zu diesem Behufe morgen Artillerie aus Karlsruhe kommen. Ladenburg ist ein kleines Städt­chen am Neckar, welchen dort die Eisenbahn mit einer herrlichen Brücke überschreitet. Der Punkt ist allerdings strategisch wichtig, obgleich er umgangen werden kann, wenn die Armee einen Flankenmarsch nach Mannheim oder Heidelberg macht, wo gleichfalls Brücken über den Neckar sind. Dies wäre leicht möglich, nicht sowohl um der Gefahr zu entgehen, als vielmehr die Eisenbahn­brücke vor der angedrohten Zerstörung zu bewahren. Mein Major wollte behaupten, daß der Geist in dem Volke vortrefflich sey; ein Aufruf der provisorischen Regierung würde in kürzester Frist eine Masse Streiter nach den bedrohten Punkten rufen. Die Eisenbahn, die durch das ganze Land ziehe, erleichtere die Operationen, und eine vollständige Bewaffnung sey für wenigstens 60,000 Mann vorhanden. Ich muß die Wahrheit dahin gestellt seyn lassen, bis ich mich weiterhin mehr aus eigener Anschau« ung überzeugt habe; doch will ich zugeben, daß, was ich heute Morgen bei einer Revue, die vor meinen Fenstern stattfand, von Gewehren sah, nichts zu wünschen übrig

ließ. ES waren neue, sämmtlich perkussionirte Gewehre, welche die Regierung zu Anfang des Jahres aus Lütticher Fabriken angekauft hatte.

Diesen Morgen — Pfingstsonntag — war es über­aus lebhaft. Aus den Seitenthälern des Odenwaldes langte ein Zug nach dem anderen an. Da kamen denn allerdings ganz sonderbare Anzüge und Waffen zum Vorschein. So sah ich einen Bauer, welcher einen Morgenstern trug. Auf mein Befragen erwiderte er, derselbe sey aus der Rüstkammer in Erbach, welche be­kanntlich eine merkwürdige Waffensammlung enthält. Ich glaube, es soll gegen Mittag eine Musterung Statt finden, zu der man Hrn. Metternich erwartet. Von den Gerüchten, welche hier zirkuliren, haben Sie gar keinen Begriff. Die größten Tageslügen unserer Zeitungen sind unschuldige Phantasieen dagegen. Die Siege der Ungarn spielen natürlich eine Hauptrolle. Heute hieß es, ganz Polen sei in Aufstand , man habe die beiden Kaiser von Oesterreich und Rußland in Warschau ge­fangen genommen. „Der Preuße kann nun nicht mar# schiren, er muß sein eigenes Land vertheidigen", ist dann der allgemeine Trost. Diese Hoffnung, von dort sich frei zu wissen, gibt neuen Muth; im Uebrigen macht man es wie der Vogel Strauß und birgt den Kopf im Sande, um die Verfolger nicht zu sehen. Den sichersten Erfolg I verspricht man sich aber von der Stimmung der hes­sischen und würtembergischen Truppen, welche eine solche sey, daß sie den Badensern nicht nur nichts zu Leide thun, sondern auch massenweise zu ihnen übergehen wür­den. Ich habe nichts erfahren können, auf welche That­sache sich diese Annahme stützt; mein Major zog ein ganzes Paket von Proklamationen und Ansprachen an die deutschen Waffenbrüder aus der Tasche und schien den darin enthaltenen Gründen eine unwiderstehliche Kraft zuzutrauen. Ich wollte ihm nicht widersprechen, fand aber bei der Durchlesung der Papiere eben nicht viel Anderes, als die Wiederholung derselben banalen Phra­sen, die wir gewohnt sind und durch welche bis jetzt bei den Soldaten nirgends ein großer Eindruck hervorge­bracht wurde. Auch in Baden ist das Militär gewiß nicht aus republikanischer Ueberzeugung von dem Groß­herzog abgefallen; die Meuterei in Rastatt war ein der Politik ganz fremder Akt, eine dienstliche Insubordination, und erhielt nur durch die Umstände und deren kluge Be­nutzung von Seiten einiger Führer die verhângnißvolle Wendung. Ich werde später darauf zurückkommen.

(Schluß folgt..)