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Jeden, der nur einen Fuß breit deutscher Erde der deut­schen Einheit vergeben wolle! Es war herzerhebend. Und jetzt? Jetzt haben sie der deutschen Einheit Oester- reich abhanden kommen lassen und das ganze übrige Vaterland dazu, und die angestammten Mohren sind wieder so schwarz wie zuvor — ja, noch viel schwarzer, denn der große Nikolas hat sie in sein Dintenfaß getaucht!

Sonderbares Volk, diese Deutschen! Zeigt mir hun­dert Meilen jenseits der deutschen Gränze, weit in der Fremde, einen Fuß hoch von den Beinen eines vor mir Wandelnden, und ich will Euch sagen, ob es ein Deut­scher oder ein Nichtdeutscher ist. Seht ihr zwei Füße schlotternd, unruhig, ohne Elastizität und Behagen auf­treten, so gehören sie einem Deutschen. Bei einem Fran­zosen, einem Spanier, einem Briten, einem Nordameri­kaner steigt das Selbstbewußtseyn bis in die Fersen hinab. Wie er schreitet, okkupirt er das Terrain, auf welches er tritt. Anders der Deutsche. Es ist etwas Halt- und Charakterloses in seinem Gange. Wie Fanny Elsler nach der Versicherung eines berühmten Autors „Welt­geschichte" und „Göthe" tanzte, so schlenkert der Deutsche Belagerungszustand und polizeiliche Vorschriften. In der Fremde, wo man durch den Kontrast auf die Beobach­tung geleitet wird, ist er dadurch unter Hunderten kennt­lich, und hätte Gagern sie da betrachtet, die Deutschen, so würde er sich gesagt haben, daß dies kein Volk ist, welches wie ein Mann seinen Fürsten gegenüber aufzu­treten wissen würde, um seine Verfassung durchzusetzen.

Sie sind Kosmopoliten, die Deutschen — sie brau­chen ja auch eigentlich keine Verfassung für ihr Vater­land! Die ganze Welt ist ihr Vaterland! In dieser Rolle kommen mir meine lieben Landsleute immer vor wie Menschen, die von lauter Lumpen abstammen und nun sich ihres Mangels an Geburtsstolz rühmen. Der deutsche Kosmopolitismus ist eigentlich nichts als die Philosophie des Fuchses der saueren Traube gegenüber. Die Deutschen haben ein Haus, dessen achtunddreißig eigensinnig verzogene Sparren sich nicht zusammenfügen wollen, um ihnen ein schützendes Dach zu gewähren. Statt nun Zange und Hammer zu nehmen und die wider­strebenden Sparren zusammenzuklopfen, ziehen sie» lieber auS und loben den schönen blauen Himmel draußen, der über Gerechte und Ungerechte seinen Regen schüttet. Das ist ihr Kosmopolitismus. O Deutsche mit Eueren Sparren!

„Aus der deutschen Einheit wird nie etwas! Die deutsche Flotte ist auch eine Chimäre! DaS deutsche Reich ist ein Traum verrückter Poeten! Deutschland hat keine Zukunft mehr!" So sitzen sie kannegießernd hinter den Flaschen und lächeln dabei selbst vergnügt über ihren immen­sen politischen Scharfblick. Ist es nicht, als müßte man an­

hören, wie ein Soldat sich lächelnd seiner Feigheit, ein Priester seines Unglaubens, ein Richter seiner Bestech­lichkeit rühmt? Es ist niederträchtiger: es ist, als wenn ein Kind seine Eltern verachtet, ein Sohn seine Mutter tritt. ' Es ist etwas Grauenhaftes um seinen Menschen ohne Nationalgefühl, um einen Mann ohne lebendigen Patriotismus, um ein Volk, das lächelnd seine eigene Schmach aussprechen kann, das seine eigene verzagte In­dolenz als Klugheit belächelt! Und dann die da im Nordosten! Diese Lazedämonier ohne König Leonidas, die keine Griechen sein wollen! Ist es nicht eine welt­bekannte Sache, daß sie Alles besser wissen, als andere Menschen, diese Preußen? Wie hätten sie es nicht auch besser wissen wollen, als Deutschlands tüchtigste Männer das Grundgesetz der Nation berathen hatten! Konnten sie ihrem welthistorischen Berufe, zu nergeln, untreu werden?

So ist das Werk gescheitert — an dem Dünkel und Egoismus der Fürsten, an der politischen Schlaffheit der Deutschen, an der Klugheit der Preußen!

Aber Heinrich von Gagern mag sich trösten. Hat die Politik ihn für leine Weile verlassen, so folgt dem Trauernden in seine Zurückgezogenheit die Klage der Männer, die Deutsche sind, und die Poesie, die für den Besiegten ihre reichsten Kränze, für betrogenes Vertrauen ihren heilkräftigsten Zauber aufbewahrt. Die Poesie flüstert ihm auch einen Trost in die wunde Seele; sie sieht in die Zukunft — sie blickt weiter sogar als alle Weisheit der sandigen Mark, und sie sieht, wie das arme, wie eine zerschmelzende Scholle in der Fluth dieser Zeit treibende Werk Gagern's nach Tagen voll Schrecken und Prüfungen der Boden wird, in welchen unser letzter Rettungsanker sich senkt. L. Schücking.

) Aphorismen über Gymnasium und Realgymnaftum.

I. Beide sind höhere humanistische BildungSanstal- ten, welche den ganzen Menschen zu erfassen und allseitig harmonisch durchzubilden berufen sind, ihn methodisch zur Selbstthätigkeit heranziehen und zur Hochschule für wis­senschaftliche und technische Fachstudien gründlich vor­bereiten.

II. Beide haben einen allgemeinen Charakter; sie sind keine Fachschulen. Ihre Bildungsart ist eine rein menschliche, freie Gymnastik des Geistes. Ihre Bildungs­mittel sind allgemein gültige Wissenschaftszweige, welche keinen technischen Charakter tragen. Sie sind als vor­bereitende insofern praktisch auögewâhlt, als die einen