trauen baute er an der Verfassung, einer Verfassung, zu deren Durchführung es weiter nichts bedurfte, als trefflicher Fürsten mit etwas Aufopferungskraft, mit „Verehrung des Kaisers und Lieb der Unterthanen." —
Armer Heinrich, wie hast Du dich verrechnet! Wenn der Mensch es einmal glücklich zu Stande gebracht hat, seinen Egoismus in ein Dogma auszuprägen, so hält er an seinem Dogma gläubiger fest als der heilige Laurentius auf dem glühenden Roste. Die von Gott gegebene Souverainetät über verstandesbeschränkte Unterthanen ist ein Dogma, das fester steht als die heilige Eiche, welche der „ausländische Emissär" Bonisazius umhieb, fester als die Säule, welche der Demokrat Samson stürzte. Hast Du vergessen, armer Heinrich, daß Du auch ein verstandesbeschränkter Unterthan bist? Darum beuge dich vor dem Herrn! Du hast gestrebt und gerungen, um jenem Manne das glorreichste Kleinod der Welt zu verschaffen: Du hast es dahin gebracht, daß das große deutsche Volk ihm freiwillig seine Treue, seine Liebe, seine Huldigung barbietet; aber was ist zu machen? Er sieht spöttisch herab auf das höchste Kleinod des großen deutschen Volkes. Es liegt ihm nichts an der Treue, der Liebe, der Huldigung der Deutschen, die ihm freiwillig entgegen kommt: die Huldigung, welche durch eine Kabinetsordre den von Gottes Gnaden ange
stammten Unterthanen auf Tag und Stunde anbefohlen werden kann, das ist die wahre. Und was die Kaiserkrone angeht, so ist es ja lächerlich, daß diese armseligen Kerle, die revolutionären Deutschen, eine Krone schaffen wollen. Denn wahrlich, das legitim angestammte Diadem Heinrich's des Zweiundsiebenzigsten von Reuß-Köstriz, ja, der heraldische Kronreif jedes westfälischen oder pommer'- schen Krautjunkers, der seine sechszehn Quartiere hat, ist souveräner, größer, vornehmer als die Kaiserkrone, welche ein verfassunggebendes Parlament von Plebejern beschließt.
Darum ist alles Mühen, alles Wachen bei Nacht und alles Reden bei Tage, die ganze aufgebotene Vollkraft der besten Männer Deutschlands vergebens gewesen. Wir können das schönste Jahr unseres Lebens ausstreichen. Annum perdidimus! Er will nicht. Er will nicht, wie der keusche Joseph, und dem üppigen Weibe Demokratie bleibt der leere Kaisermantel in den Händen! (Schluß folgt.)
Miszellen.
Kapellmeister Richard Wagner, der Componist des fliegenden Holländers, Rienzi's und des Tannhäusers, wird wegen seiner i
Betheiligung beim Dresdener Aufstande steckbrieflich verfolgt. Schon im vorigen Jahre entwich Wagner angeblich stark com- promittirt nach Wien. Wir bedauern den geistreichen Künstler, dessen überkräftige fast ungebändigte Kunstansicht, der Mehrzahl verkümmerter Produkte gegenüber, etwas Imposantes hatte, und hätten dem liebenswürdigen Musiker jene Gemüthskraft gewünscht, die das Maß für die Welt in sich findet.
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Düsseldorf, 21. Mai. Unter den im Krankenhause Liegenden befindet sich auch ein interessanter Fall, nämlich ein auf ber Barrikade Elberfelds verhafteter Dekorationsmaler von dort. Derselbe ist nicht gefährlich und nur durch Kolbenstöße verwundet; allein er bietet insofern großes Interesse dar, als er sich mit einem gewissen Stolze rühmt, bei allen Aufständen von Wichtigkeit thätig gewesen zu seyn, und den Bau von 10 Barrikaden selbst geleitet zu haben. Er war unter Andern auch mit bei dem Aufstande in Frankfurt, als Auerswald u. Lichnowsky gemeuchelt wurden, und trägt von dieser Affaire noch eine breite Narbe auf dem Arme. Da derselbe bereits fast hergestellt ist, so wird er wohl erster Tage in das Gefangenhaus abgeführt werden. (D.R.)
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Schiller schrieb in einem Briefe an Karoline von Wolzogen: „Ueberhaupt kommt mir vor — und das mag freilich ein eigennütziger Wunsch unsers Geschlechtes sein — mir kommt vor, daß die Frauenzimmer geschaffen sind, die liebe heitere Sonne auf dieser Menschenwelt nachzuahmen und ihr eigenes und unser Leben durch milde Sonnenblicke zu erheitern. Wir stürmen und regnen und schneien und machen Wind, Ihr Geschlecht soll die Wolken zerstreuen, die wir auf Gottes Erde zusammengetrieben haben, den Schnee schmelzen und die Welt durch ihren Glanz wieder verjüngen. Sie wissen, was für große Dinge ich von der Sonne halte; das Gleichniß ist also das schönste, was ich von Ihrem Geschlechte nur habe sagen können, und ich habe es auf Unkosten deö meinigen gethan.
H
In Paris ist der alte Franconi, der Patriarch der Reitkunst und Pferdedressur, gestorben. Er war ein wanderndes Ueber- bleibsel, die letzte Tradition der Reitkunst der guten alten Zeit, des glänzenden Caroussels, der Parforce-Jagden von Rambouillet. Als man 1814 einen König für den restaurirten Vourbonenthron suchte, hieß es allgemein, man müsse einen König haben, der zu Pferde steigen könne. Nehmt Franconi! sagte Talleyrand.
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Meyerbeer, seit dem 4. Mai d. J. zum Commandeur der Ehrenlegion ernannt, wird in Berlin erwartet. Er wird seine Oper: „der Prophet" für die Aufführung auf dortiger Bühne vorbereiten.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
